Zeltinger vom RSV Lahn-Dill

Vergangenen Sonntagabend katapultierte sich der RSV Lahn-Dill an die Spitze des europäischen Rollstuhlbasketballs. Nun geht es gegen den gleichen Gegner um die Deutsche Meisterschaft. Trainerin Janet Zeltinger über die größte Woche der Vereinsgeschichte.

hr-sport: Janet Zeltinger, herzlichen Glückwunsch zum Champions Cup Sieg! Wie war die Kabinenparty?

Zeltinger: Es war eine entspannte Feier. Wir hatten das Glück, dass wir alle vorher getestet wurden und auch das gesamte Turnier über isoliert waren, so konnten wir gemeinsam ganz entspannt feiern. Die Stimmung war nach dieser tollen Mannschaftsleistung natürlich super!

hr-sport: Sie haben das Finale trotz zwischenzeitlichem Rückstand noch gewonnen. Wie haben Sie Ihr Team in den letzten Zügen des Spiels motiviert?

Zeltinger: Am Ende haben wir leider unseren Rhythmus etwas verloren. Die Thuringia Bulls haben das dann auch stark gemacht und uns weiter verunsichert. Wir haben uns das Leben auch selber schwer gemacht und zu kompliziert gespielt. Ich habe daraufhin ein Time-Out genommen, in dem ich den Jungs und Mädels gesagt habe, dass sie sich auf die einfachen Sachen konzentrieren sollen, so wie wir es im Training auch immer geübt haben. Das hat für den Endspurt der Partie sehr viel geholfen und wir haben viel mehr Ruhe in unser Spiel gebracht.

hr-sport: Wie fühlt sich der Sieg an? Ist das der größte Erfolg der Vereinsgeschichte?

Zeltinger: Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel und ist für mich persönlich fast der Höhepunkt meiner Karriere. Es ist mein erster Titel gewesen, für den RSV Lahn Dill ist dieser Erfolg ein kleiner Meilenstein in der Historie des Vereins. Wir wollen die lange Tradition aber natürlich fortführen und jetzt einen weiteren Titel nach Wetzlar bringen.

hr-sport: Sie waren selbst erfolgreiche Rollstuhlbasketballerin, dabei sitzen Sie gar nicht im Rollstuhl. Wie sind sie überhaupt zum Rollstuhlbasketball gekommen?

Zeltinger: Beim Rollstuhlbasketball gibt es auch sogenannte "Fußgänger". Das sind Leute die eigentlich gar nicht im Rollstuhl sitzen müssten, aber trotzdem mitspielen. Ich habe mir 2006 beim Rugby eine Knieverletzung, eine Freundin aus meiner Mannschaft spielte damals schon Rollstuhlbasketball und brachte mich so auf die Idee, es auch mal auszuprobieren. Es war eine tolle neue Herausforderung. Außerdem hatte ich schon immer große Freude am Basketball, hatte jedoch die Befürchtung, dass ich durch meine Verletzung nie wieder spielen könnte. Und so war der Rollstuhl quasi meine Rettung und ein toller Weg für mich, trotz meiner Verletzung weiter meiner großen Leidenschaft nachzugehen. 2008 habe ich dann mein erstes großes Turnier in Beijing bei den Olympischen Spielen gespielt. Das war der Grundstein für meine weitere Karriere.

hr-sport: Sie sind Kanadierin. Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?

Zeltinger: Ich habe nach den Paralympics 2008 noch zwei Jahre College-Rollstuhlbasketball in Alabama gespielt. Für mich war aber klar, dass ich mich bis zu den nächsten Olympischen Spielen 2012 in London verbessern will. Europa war dafür die beste Umgebung und so hat mich schlussendlich eine Mannschaft aus Trier kontaktiert, wodurch für mich ein Traum in Erfüllung ging.

hr-sport: Was fasziniert sie an dieser Sportart so besonders?

Zeltinger: Es ist immer wieder schön zu sehen, dass wirklich jeder mitmachen kann. Egal ob jung oder alt, groß oder klein. Rollstuhlbasketball ist für alle. Dass Frauen und Männer zusammenspielen, ist auch eine Besonderheit, die nicht jede Sportart vorweisen kann und die Rollstuhlbasketball so spannend für mich macht.

hr-sport: Sie haben sechs verschieden Nationen in ihrer Mannschaft. Ist Rollstuhlbasketball ein besonders internationaler Sport?

Zeltinger: Es ist nicht wie im Fußball, dass es in jedem Land tausende von Spielern gibt. Die Auswahl ist sehr viel kleiner, also müssen wir uns auf der ganzen Welt umgucken. In Amerika zum Beispiel sind circa 3.000 Spieler und Spielerinnen registriert, woran man ja schon erkennen kann, dass die Auswahl nicht gerade groß ist. Es ist normal, dass in den Mannschaften Englisch gesprochen wird.

hr-sport: Nun geht es in den Playoffs-Finals erneut gegen die RSB Thuringia Bulls. Wie motiviert man ein Team, das gerade den Europacup geholt hat?

Zeltinger: Wir wissen, dass wir nicht unschlagbar sind. Das dürfen wir auch niemals denken, sonst wird es für uns schnell gefährlich. Im Dezember letzten Jahres haben wir unser letztes Spiel gegen die RSB Thuringia Bulls verloren. Also wissen sie auch, wie sie uns schlagen können. Wir müssen daher das ganze Spiel aufmerksam bleiben und wir dürfen uns zu keinem Zeitpunkt des Spiels zu sicher sein.

hr-sport: Die Finals werden im Best-of-Three ausgetragen. Wie wichtig ist es, mit einem Sieg in die Finals zu starten?

Zeltinger: Extrem wichtig. Es wäre ein toller Erfolg für uns als Mannschaft, mit einem Sieg in die Finals zu starten und unseren Rückenwind aus den letzten Partien mitzunehmen. Wir wollen dieses Spiel auf jeden Fall gewinnen

Das Gespräch führte Moritz Steinmann.