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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Interview Olympia-Judoka Edu Trippel

Rüsselshiemer Judoka Edu Trippel

Der Rüsselsheimer Judo-Kämpfer Edu Trippel war für Olympia 2020 qualifiziert. Nun muss er ein Jahr länger warten. Seine Mutter hofft inständig, dass er bis dahin nicht das Wohnzimmer zerlegt hat.

Ab und zu rummst es derzeit gewaltig in der Rüsselsheimer Wohnung der Trippels. Nämlich dann, wenn der 97 Kilogramm schwere Olympia-Judoka Edu Trippel seinen jüngeren Bruder David auf den Wohnzimmer-Teppich knallt. Oder umgekehrt. Dann schaut Mama Maria ein ums andere Mal besorgt um die Ecke.

Ist alles noch heil? Der Fernseher, der Computer, die Vitrine mit den vielen Pokalen und Medaillen von Edu? "Bislang ist noch nichts kaputt gegangen", freut sich Trippel. Das spricht für seine präzisen Fähigkeiten.

Die Angst, dass das Judo-Gefühl abhanden kommt

Eigentlich hätte sich der 23-Jährige in diesen Tagen auf Olympia vorbereiten sollen. Doch Olympia wurde um ein Jahr verschoben und an ein geregeltes Training ist wegen Corona nicht zu denken - weder bei seinem Judo-Club Rüsselsheim noch bei der Nationalmannschaft. So bleibt ihm nur das Wohnzimmer. "Judo ist sehr körperbetont, das ist wegen Corona natürlich tabu", weiß Trippel. Der angehende Polizeikommissar hat viel über die Corona-Krise gelesen. "Ich fürchte, die Einschränkungen werden noch eine ganze Weile andauern."

Und das wäre schlecht. Denn so oft er im Wohnzimmer in Rüsselsheim mit seinem kleinen Bruder auch Griffe oder Eindrehbewegungen übt, das Gefühl für den echten Judokampf geht ihm so langsam verloren. Trippel kommt im Kampf viel über die Intuition. Über die Gabe, fast unbewusst alles richtig zu machen im Kampf. "Das ist meine große Stärke, ich bin nicht so ein Taktiker." Deshalb schadet ihm die Pause jeden Tag mehr.

Trippel ist eigentlich froh über die Olympia-Verschiebung

Trippel war für die olympischen Sommerspiele von Tokio bereits für dio Gewichtsklase bis 90 Kilogramm qualifiziert. Als am 23. März die Nachricht von der Olympia-Verschiebung auf 2021 kam, war Trippel zunächst geschockt. "Olympia ist ja ein echter Lebenstraum." Seit Trippel im Alter von 16 Jahren Deutscher U17-Meister wurde hegt er ihn. Doch bald nach der Olympia-Verschiebung sah der Rüsselsheimer nur noch das Positive.

"Ich bekomme einfach noch ein Jahr Vorbereitung geschenkt. Ich war noch nicht am Maximum, vor der Olympia-Absage war ich nicht in besonders guter Form." Dieses Gefühl hatte den 23-Jährigen bei den letzten Wettkämpfen vor der Corona-Pause begleitet. Nun ist alles anders.

Mama Maria streikt bei Trippels Ernährungskapriolen

Trippel fährt jetzt fast jeden Tag wieder nach Wiesbaden. Im Rahmen seiner Polizei-Ausbildung studiert er an der Akamie in Wiesbaden. Einzelunterricht mit dem Dozenten in "Öffentlichem Dienstrecht" steht auf dem Programm. Denn Trippel hat wegen der Oympia-Vorbereitung viel Stoff nachzuarbeiten. Nach dem Unterricht geht's ab in die Küche.

Der Ernährungsplan für den Olympia-Judoka ist ausgeklügelt. "Das mach mal schön selbst", hat Mutter Maria dem kampfstarken Sohnemann irgendwann die Verantwortung am Herd übertragen. Trippel muss auf sein Gewicht achten. Nur mit täglich einer Stunde Laufen und knapp zwei Stunden Kraftraum oder Zirkeltraining bekommt Trippel die überschüssigen Pfunde nicht in den Griff. Der Kampfsport fehlt.

Olympia-Verschiebung verhindert das Unternehmen "Auszug"

Auch das Unternehmen "Auszug aus dem Elternhaus" ist ins Stocken geraten. Noch wohnt Trippel daheim. "Eigentlich wollte ich mir im August nach Olympia eine eigene Wohnung suchen." Jetzt ist das alles noch nicht klar. Vielleicht verlängert Trippel daheim noch mal um ein Jahr. Damit er sich ganz auf die Olympischen Spiele 2021 konzentrieren kann.

Doch ein Schritt nach dem anderen: Erst mal hofft er, dass er bald wieder mit seinem besten Kumpel, dem Frankfurter Ex-Judo-Weltmeister Alexander Wieczerzak, und den anderen Top-Judoka trainieren kann. Damit das Wohnzimmer daheim in Rüsselsheim wieder entlastet wird.