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Neuzugang aus Südkorea bei Fußball-Hessenligist Neuhof schwer aktiv

Jeong-Jin Lee steht mit einem Ball in der Hand vor einer Wand, an welcher das Signet des "SV Neuhof 1910 e.V." angebracht ist.

Zuletzt in Bangkok, nun in Osthessen: Flügelflitzer Jeong-Jin Lee ist aus Asien nach Neuhof in die Hessenliga gewechselt. Dort will er nun steil gehen. Auf Youtube macht er das schon - mit Clips über seine Erlebnisse als Fußballer.

Auf dem Fußballplatz versucht Jeong-Jin Lee, seine Gegenspieler mit Tempo und Dribblings schwindelig zu spielen. Wer ihn dabei auf Youtube beobachtet, droht selbst Schwindelanfälle zu bekommen. Denn der Offensivspieler aus Südkorea filmt sein Leben als Fußball-Profi und präsentiert die Clips auf der Video-Plattform.

Von nun an werden die Filmchen nicht mehr aus Bangkok oder anderen asiatischen Städten, sondern aus Osthessen kommen. Denn Lee hat vor kurzem beim SV Neuhof unterschrieben und stürmt nun für den Hessenligisten in der fünfthöchsten deutschen Spielkasse.

700.000 Abonennten bei Youtube

Lee (28), von seinen Mitspielern nur "J" genannt, erklärt beim Treffen mit dem hr auf Englisch: "Main content is football." Das heißt: Bei seinen Videos dreht sich (fast) alles ums runde Leder. Er hat schon mehr als 140 Clips bei Youtube in einer Art Reality-TV veröffentlicht. Sein Kanal JFootballTV hat 700.000 Abonnenten. Im Durchschnitt klicken 200.000 Menschen die Stücke an.

Sein am meisten beachtetes Video wurde in acht Monaten zehn Millionen Mal geklickt - ein medialer Volltreffer. In etwas mehr als elf Minuten wird sein Tagesablauf zusammengefasst. Ausführlich gezeigt wird das Training beim Bangkok FC, einem thailändischen Drittligisten. Er filmt alles aus der eigenen Perspektive und verwendet eine Action-Cam (GoPro).

Rasante Videos mit Kamera am Kopf

Bei den Einheiten auf dem Rasen hat er die Kamera am Kopf befestigt. Der Zuschauer ist hautnah dabei. Und wenn der Anpfiff zum Trainingsspiel ertönt, wird es rasant: Die Kameraführung wird unruhig. Lee rennt, sprintet in den freien Raum, keucht schwer, lässt auf ihn zukommende Flugbälle von der Brust abtropfen, flankt, dirigiert Mitspieler, mahnt zum Torabschluss ("Finish!") und trifft auch selbst in die Maschen. Nach dem Training regeneriert er in einer Wanne mit Eiswasser und allmählich dämmert der Abend.

Sein letzter Vertrag in Asien wurde aber nicht verlängert. Sein Club in Bangkok verabschiedete ihn mit einem Video. Dann kam er über einen früheren Fußball-Kollegen mit dem SV Neuhof in Kontakt. Dort hat er sich nun bis zum Ende der nächsten Saison an den Verein im Schatten des Kalibergs gebunden.

"Neuhof war nicht mein Traum"

Lee sagt über seinen Wechsel erstaunlich ehrlich und unbefangen: "Neuhof war nicht mein Traum." Doch er wolle nun daran arbeiten, dass er für alle Beteiligten eine traumhaft gute Zeit werde.

An Lees Leben teilhaben kann man aber nicht nur bei Youtube. Auch bei Instagram zeigt der Social-Media-Fan, was er erlebt. In Fulda absolviert er abseits des Kicker-Alltags einen Sprachkurs. Und zwischendurch bietet sich Gelegenheit, Fuldaer Sehenswürdigkeiten wie den Dom, das Stadtschloss oder die Innenstadt zu erkunden, wie er auf seinen Bildern zeigt.

Für Trainer Alexander Bär ist aber wichtiger, dass Lee auf dem Platz einen guten Eindruck hinterlässt, und nicht wie ansprechend er für die Social-Media-Community posiert. Doch mit den Leistungen bei den ersten Ligaeinsätzen zeigte sich der Coach zufrieden. Lee bringe alles mit, um seine Mannschaft zu verstärken.

Neue Perspektiven

Trainer Bär sieht es locker und dem Zeitgeist geschuldet, dass Lee auf den Social-Media-Kanälen so engagiert steil geht: "Social Media nimmt ja an Bedeutung immer weiter zu. Da muss sich die Gesellschaft dran gewöhnen, dass sich sehr viel im Internet abspielt."

Bär findet das Vorgehen seines Kickers spannend: "Das ist ja eine ganz neue Perspektive mit der Kamera am Kopf." Benutzen darf Lee sie aber nur im Training. Seine Mitspieler sind einverstanden mit Blick auf den Datenschutz. Und dem Verein dürfte es nun mehr Aufmerksamkeit und interessierte Beobachter bringen - wenn ihnen nicht schwindelig wird.

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