Teresa Enke

Wegen der Corona-Pandemie hat Teresa Enke mit der Robert-Enke-Stiftung so viel zu tun wie nie. Die Krankheit Depression greift in diesen Zeiten verstärkt um sich, auch Sportler leiden extrem. Das spürt auch der Landessportbund Hessen.

Die Fälle von psychischen Erkrankungen nehmen zu - auch im Sport. Die Situation spitze sich immer weiter zu, sagt Teresa Enke. Die Sicherheit sei den Menschen abhanden gekommen, das stelle sie in ihrer Arbeit für die Robert-Enke-Stiftung immer wieder fest. "Das ängstigt mich, diese permanente Ungewissheit sorgt bei uns für Kollateralschäden", sagte die Witwe des ehemaligen Nationalkeepers Robert Enke. "Corona wird noch viele Opfer fordern."

Sie bekämen in der Stiftung so viele Anfragen wie nie, so Enke, "wir haben unsere Hotline aufgestockt". Es sei aber immer schwieriger, Therapieplätze zu vermitteln: "Das hat es in den bislang elf Jahren noch nicht gegeben."

Sorgen auch in den Vereinen

Dass die mentalen Belastungen in den vergangenen Monaten zugenommen haben, ist auch beim Landessportbund Hessen (LSB) spürbar. Der Dachverband ist Ansprechpartner für die hessischen Vereine, ihre Sorgen und Nöte. Beschäftigten die Sporttreibenden in den Clubs im vergangenen Jahr häufig organisatorische Fragen, beispielsweise, was gerade erlaubt ist oder wie ein eingeschränkter Sportbetrieb möglich sein kann, geht es aktuell deutlich mehr um die psychischen Belastungen der Pandemie.

Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht, aber: "Wir wissen aus vielen Untersuchungen, dass Sport Stress reduziert, Glückshormone freisetzt und die Stimmung aufhellt", sagt Isabell Boger, Sprecherin des LSB, dem hr-sport. "Es ist nicht nur der Sport, sondern auch die Gemeinschaft, die gut tut und die psychische Gesundheit verbessert. Das fehlt nun und wird nicht ohne Folgen bleiben."

Zukunftsängste und Ungewissheit

Davon ist auch Tilman Zychlinski von der Robert-Enke-Stiftung überzeugt. Er berichtet von speziellen Problemen: "Die Zukunftsängste sind extremer geworden. Die Sportlerin, die ein Kind eingeplant hatte, musste sich nach der Olympiaverschiebung 2020 ebenso umstellen wie ein Sportler, der sein Studium beginnen wollte. Es herrscht so viel Ungewissheit."

Diese Sorgen ziehen sich laut Zychlinski durch alle Sportarten: "Es gibt vermehrt Fälle von stationären und ambulanten Behandlungen, auch im Fußball, Basketball und Handball." Besonders schwierig ist es laut Enke unterhalb des Profisports: "Für Sportler, die einen Coach oder ein Team brauchen, ist es im Moment ganz schwer. Sie können nirgendwo trainieren. Da muss man selber die Kraft aufbringen, alleine etwas zu tun."

Perspektiven schaffen

So geht es auch den Menschen in den hessischen Sportvereinen. "Neben den finanziellen Sorgen ist es vor allem die Perspektivlosigkeit, die vielen Vereinsverantwortlichen zu schaffen macht", weiß LSB-Sprecherin Boger. Der Landessportbund hat deshalb einen Stufenplan vorgelegt - abhängig vom Infektionsgeschehen. "Mit unserer Corona-Sportampel haben wir einen ersten Aufschlag gemacht. Vereine hätten dadurch die Möglichkeit, sich auf die verschiedenen Szenarien einzustellen und ihre Hygienekonzepte daran anzupassen."

Ziel sei es, nicht weiter zu verharren, sondern ins Handeln zu kommen. Auch damit die Vereine von möglichen Lockerungen nicht wie im vergangenen Jahr überrascht würden. "Wenn Freitags Entscheidungen getroffen werden, die ab Samstag gelten, bleibt für die Vereinsverantwortlichen kaum Zeit zu reagieren", so Boger. Dafür seien aber klare Regelungen wichtig, die wenig Interpretationsspielraum zulassen.

Die verlorene Generation?

Sorgen macht sich Enke derweil auch um den Nachwuchs: "Ich glaube, dass wir irgendwann von einer verlorenen Generation sprechen. Ich finde das sehr dramatisch." Und damit ist sie nicht allein. "Für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist Bewegung besonders wichtig, daher sollten sie bei einem Wiedereinstig auch Vorrang haben", sagte LSB-Sprecherin Boger.

Zumindest Teresa Enke kann der aktuellen Situation aber auch etwas Gutes abgewinnen. "Die Bevölkerung kann sich dadurch vielleicht besser in die Situation von depressiven Menschen hineinversetzen", sagt sie, "vielleicht ist man dadurch etwas einfühlsamer." Für Menschen mit mentalen Erkrankungen wäre das in jedem Fall wichtig.

Weitere Informationen

Hier gibt es Hilfe und Beratung

Hilfe erhalten Sie anonym und kostenlos bei der Telefonseelsorge.
Per Telefon
0800 - 111 0 111
0800 - 111 0 222

per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de

Das Corona-Krisentelefon des Zentrums für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt:
069-798 4 66 66
Für Erwachsene: Mo-Fr von 15-21 Uhr, Sa und So 16-20 Uhr
Für Kinder, Jugendliche, Eltern: Mo-Fr 9-15 Uhr, Sa 16-20 Uhr

Die Psychotherapeutenkammer Hessen bietet auf ihrem Internetportal zudem eine landesweite Suche nach Therapeuten an. Eine erste Orientierung für an Depression erkrankte Menschen während der Corona-Krise gibt unter anderem die "Deutsche Depressionshilfe" auf ihrer -Seite.

Ende der weiteren Informationen