Stilisiertes Bild eines Corona-Virus mit der Beschriftung "Corona-Newsletter"

Liebe Nutzerinnen, liebe Nutzer,

vor etwa zehn Jahren habe ich mir einen damals recht günstigen großen Monitor für meinen Computer gekauft. Dummerweise kaufte ich mir kurz danach ein Notebook, entdeckte, dass es auf dem Sofa viel bequemer ist als am Schreibtisch und der Monitor fristete für viele Jahre ein recht unbeachtetes Dasein - bis Anfang 2020. Seitdem war er täglich im Homeoffice im Einsatz. Zwar störte mich seine für heutige Verhältnisse nicht so tolle Bildqualität, ich dachte mir aber immer: "Ach, wer weiß, wie lange diese Homeoffice-Sache noch geht. Das lohnt sich bestimmt nicht, jetzt extra einen neuen Monitor zu kaufen." Am Samstag habe ich mir doch einen gekauft. Und seit gestern weiß ich: Er wird wohl auch noch eine ganze Weile täglich zum Einsatz kommen.

Düstere Aussichten

Die bundesweite Inzidenz taumelt von einem Höchstwert zum nächsten: Innerhalb einer Woche ist sie von 263,7 auf 340,7 gestiegen. In Hessen beträgt sie aktuell 214,6. Der RKI-Chef Lothar Wieler hatte deswegen am Mittwochabend in einer Videoschalte unmissverständlich darauf hingewiesen, dass deswegen demnächst mit Hunderten Toten pro Tag zu rechnen sei. "Wir laufen momentan in eine ernste Notlage. Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern", sagte Wieler.

Impfung schützt vor Erkrankung - nicht vor Infektion

Zwar bedeutet eine Inzidenz von 340,7 in diesem Herbst nicht mehr das, was sie noch vor einem Jahr ohne die Impfstoffe bedeutet hätte. Ebenso wie sie nicht bedeutet, dass die Impfstoffe nicht wirken würden, wie Impfgegner immer wieder behaupten (die Frage "Warum gibt es so viele Impfdurchbrüche?" wird übrigens in diesem Artikel vom WDR sehr ausführlich behandelt). Die Virologin Sandra Ciesek wies bei einer Veranstaltung der Frankfurter Bürgeruni noch einmal darauf hin, dass die Impfung vor allem gegen einen schweren Verlauf der Covid-19-Krankheit schützt, weniger gegen eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus.

Neue Corona-Regeln in Hessen

Bei so hohen Inzidenzen landen am Ende aber trotzdem viele Ungeimpfte und Geimpfte in den Krankenhäusern. Und da kommt die Hospitalisierungsrate ins Spiel, die fortan noch sehr viel wichtiger werden wird, als sie es bisher war. Bund und Länder haben gestern drei Schwellenwerte beschlossen, die fortan darüber entscheiden, ob in Hessen flächendeckend 2G (Zutritt zu verschiedenen Orten nur für Genesene und Geimpfte) oder sogar 2G-plus (Zutritt nur für Genesene und Geimpfte, die zusätzlich negativ getestet wurden) gilt.

Aktuell liegt die Hospitalisierungsrate in Hessen bei 4,8 und damit oberhalb des ersten Grenzwerts von 3. Sollte das hessische Corona-Parlament heute die neuen Corona-Regeln verabschieden, bedeutet das ab kommender Woche die 2G-Regel für Freizeit-, Kultur- und Sportveranstaltungen, Gastronomie sowie für körpernahe Dienstleistungen und Hotels. Ab einer Hospitalisierungsrate von 6 wird daraus die 2G-plus-Regel. Es gibt noch eine dritte Grenze, nämlich bei einer Hospitalisierungsrate von 9. Welche Maßnahmen dann greifen sollen, wurde noch nicht abschließend geregelt. Zusätzlich zu diesen nach Hospitalisierungsrate gestaffelten Maßnahmen soll es eine Impfpflicht für das Personal in Krankenhäusern, Altenheimen und der mobilen Pflege geben. Alle Informationen finden Sie noch einmal ausführlich in diesem Artikel. In Österreich geht man übrigens noch einen Schritt weiter: Dort soll es ab dem 1. Februar 2022 eine landesweite Impfpflicht für alle geben.

Das war aber noch nicht alles: Im Bundestag wurde gestern zusätzlich noch das neue Infektionsschutzgesetz beschlossen. Dieses muss noch vom Bundesrat verabschiedet werden, enthält als wichtigste Punkte aber eine 3G-Regel am Arbeitsplatz, eine Homeoffice-Pflicht - da sind wir dann wieder bei meinem neuen Monitor - und die 3G-Regel im Nah- und Fernverkehr. Diese soll auch für Inlandsflüge gelten, aber nicht für Taxis. Alle Informationen dazu finden Sie hier.

Booster-Impfung ab 18 Jahren

Und noch eine wichtige Meldung gab es gestern: Die Stiko hat sich endlich zu den Booster-Impfungen für jüngere Menschen geäußert und eine Empfehlung ab 18 Jahren ausgesprochen. Anders als im Frühjahr 2021 dürfte diesmal aber nicht ein Mangel an Impfstoffen zum Problem für die Booster-Impfungen werden, sondern ein Mangel an Impfgelegenheiten. Die Hausärzte sind der Nachfrage nach Booster-Impfungen schon jetzt kaum noch gewachsen und haben es mit Menschen "im Panikmodus" zu tun. Und die Impfzentren hat man wenig vorausschauend bereits im September geschlossen. Diese spontan wieder zu eröffnen hält der Städte- und Gemeindebund für unrealistisch und befürchtet deswegen Engpässe in den Arztpraxen. In einigen Gegenden Hessens, wie zum Beispiel in Waldeck-Frankenberg, werden aus diesem Grund jetzt kleinere Impfzentren aufgebaut, die aber oft nicht die Kapazitäten bieten, wie es bei den großen Impfzentren der Fall war. In Darmstadt-Dieburg überlegt man deswegen, Impfungen auch in Apotheken zu erlauben. Und sollten, wie es momentan erwartet wird, Impfungen von Fünf- bis Elfjährigen noch vor Weihnachten möglich sein, dürfte das die Situation nur noch mehr verschärfen.

Falls Sie sich übrigens fragen, wie lange Ihr Corona-Impfschutz hält: In diesem Artikel gehen die Kollegen vom ZDF dieser Frage nach.

Was bei Berichten über überlastete Hausärzte und fehlende Impfzentren aber untergeht: Es finden auch weiterhin in Hessen nur noch relativ wenige Erstimpfungen statt. Am 17. November waren es lediglich 5.034 Erstimpfungen, dabei sind bis jetzt nur 70,14 Prozent der Menschen in Hessen mindestens einmal geimpft.

Was wird aus den Weihnachtsmärkten?

Und damit zum letzten Dauerbrenner-Thema der Woche: die Weihnachtsmärkte. Trotz kontinuierlich steigender Inzidenzen und Hospitalisierungsraten finden in diesem Jahr wieder Weihnachtsmärkte in Hessen statt. Allerdings haben einige Städte es sich bereits anders überlegt: Zum Beispiel in Seligenstadt und im gesamten Werra-Meißner-Kreis wurden die Weihnachtsmärkte wieder abgesagt, in Darmstadt und Gießen hat man die Regeln verschärft. Für die Schausteller auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt sieht es momentan noch gut aus, jedoch wurde eine Online-Petition ins Leben gerufen, welche eine Absage des Weihnachtsmarkts fordert. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Newsletters haben 568 Personen unterschrieben.

Viel passiert diese Woche. Aber diese vier Themen habe ich noch für Sie:

  • Sollte Ihnen im Internet der Tipp über den Weg laufen, dass die Einnahme des Medikaments Ivermectin gegen Corona hilft: Finger weg! Das Medikament, dass zur Entwurmung von Pferden oder Rindern verwendet wird, könnte Ihnen eher dabei helfen, vorzeitig im Krankenhaus zu landen. In Oberösterreich ist es dennoch immer wieder ausverkauft und in den USA warnte die Arzneimittelbehörde FDA: "Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ernsthaft. Hör auf."
  • Schweden wird aufgrund seiner zurückhaltenden Corona-Strategie immer wieder von den Gegnern der Corona-Maßnahmen als Beispiel angeführt, warum Maskenpflicht, 3G und andere Maßnahmen in Deutschland übertrieben und falsch seien. Einer Studie zufolge hat Schweden mit dieser Strategie aber dazu beigetragen, das Virus in andere Länder zu exportieren.
  • In Jerusalem hatte eine 74-jährige Frau Angst, sich an Geldscheinen mit Corona zu infizieren. Also packte sie umgerechnet 2.900 Euro in die Mikrowelle. Leider waren die Scheine aber mit Eisenfäden versetzt und gingen deswegen in Flammen auf. Die Geschichte hat aber ein Happy-End.
  • Die Zahl der Erstimpfungen steigt nur noch langsam und die Rufe nach einer flächendeckenden Impfpflicht werden immer lauter. Die Wissenschaftlerin Mai Thi Ngyuen-Kim, auch bekannt als MaiLab, war bisher immer dagegen - und hat es sich jetzt anders überlegt. In ihrem aktuellen Video nennt sie drei Gründe, die ihrer Meinung nach in Anbetracht der aktuellen Lage für eine Impfpflicht für alle sprechen.

Eins noch...

Kennen Sie das Programm MS Paint? Das ist ein sehr einfaches Malprogramm, das zur Grundausstattung des Windows-Betriebssystems gehört. Als Concha García Zaera, die ihren Mann pflegen musste und deswegen nicht mehr zum Malkurs ins örtliche Seniorenheim konnte, auf ihrem alten Windows-7-PC Paint entdeckte, begann für sie eine neue Karriere: Statt auf der Leinwand malte sie nun mit ihrem Computer, veröffentlichte die Bilder auf Instagram und hat jetzt nicht nur einen Webshop, sondern auch noch eine Follower-Zahl, von der so manche Influencerinnen und Influencer nur träumen können (wie man hier rechts oben auf ihrem Instagram-Profil sehen kann). Übrigens: Concha García Zaera ist 91 Jahre alt...

Zum Schluss noch ein Hinweis und eine Bitte: Sollten Sie Erkältungssymptome haben, dann lassen Sie sich testen oder benutzen Sie einen Selbsttest. Es könnte sich um eine Corona-Infektion handeln. Und falls Sie sie nicht mehr auf Ihrem Smartphone installiert haben: Bitte benutzen Sie die Corona-Warn-App. Sie kann dabei helfen, Infektionsketten zu unterbrechen und sie ist auch noch praktisch, weil Sie darin Ihr Impfzertifikat speichern und ein Kontakttagebuch führen können. Es liegt in unser aller Hand, die Ausbreitung des Virus abzubremsen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Bleiben Sie gesund!
Ihr Sven-Oliver Schibat (würde auch mal ins Fußballstadion gehen, wenn es da mehr solche Sitznachbarn gäbe)

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Redaktionsschluss: 19.11.2021, 9 Uhr