Eine Frau trägt einen selbstgemachten Mundschutz mit Blümchenmuster.

Mund-Nasen-Masken sind ab sofort Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen. Aber was muss man beachten, wenn man sich eine eigene Maske nähen möchte? Experten geben Tipps.

Was bringt eine selbstgenähte Maske?

Virologe Prof. John Ziebuhr betont: "Diese Art Masken ist eher dafür gedacht, andere zu schützen. Ich kann jetzt nicht sagen, wie viel das ist, aber auf jeden Fall hat es einen Effekt. Aber es ist kein Schutz für die Person selbst, sich vor anderen zu schützen, sondern man trägt dazu bei, die Mitmenschen davor zu bewahren, sich zu infizieren, was natürlich auch gut ist. Die feinen Tröpfchen, die zum Beispiel beim Sprechen gebildet werden und das Virus enthalten, werden dadurch zurückgehalten."

Hygienearzt Dr. Markus Schimmelpfennig warnt gleichzeitig: "Selbstgenähte Masken haben keinerlei gesicherte Wirkung, weil sie nicht getestet wurden. Ich will nicht sagen, dass sie gar nicht helfen. Aber wer eine Mund-Nasen-Maske aufzieht, muss auch aufpassen, dass er sich kein Eigentor schießt. Die Maske hat ja außen auf der Filterfläche die Keime, die Sie nicht eingeatmet haben. Wenn Sie ihn falsch ausziehen und beispielsweise mit den Fingern die äußere Filterfläche berühren, nehmen Sie genau die Keime auf, die Sie vorher nicht eingeatmet haben."

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Eine Anleitung zum Maskenbasteln...

...finden Sie bei den Kollegen des br.

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Aus welchem Material muss die Maske bestehen?

Timo Hammer vom Hohenstein-Institut, das Textilien zertifiziert, erklärt: "Es ist wie immer, wenn sich Wissenschaftler rausreden, es gibt keine klare Antwort dazu, aber Hinweise. Ein ganz einfacher Test, den jeder von uns machen kann: Wenn Sie einen Stoff haben und Sie halten ihn sich vor den Mund und pusten mal kräftig durch – wenn Sie die Hand davor halten auf der anderen Seite den Luftzug ganz normal spüren, dann ist das Material nicht geeignet. Durch eine sehr gute Maske würden Sie vielleicht ein bisschen Wärme spüren, aber nicht den Luftzug. Es gibt auch Materialien, die halten Sie gegen das Licht und sehen schon, dass Sie eine riesige Porengröße haben, das ist dann auch nichts. Wichtig ist: Das Material kann so dicht sein, wie es möchte, wenn es aber schlecht sitzt über Mund und Nase, dann haben Sie nicht viel gewonnen, weil seitlich zu viel durchgeht."

Achten Sie aber darauf, dass das Material nicht so dick ist, dass es das Atmen erschwert. "Wenn Sie sich beim Atmen unheimlich anstrengen müssen, dann schaden Sie sich mehr, als Sie sich nützen", so Hygienearzt Dr. Schimmelpfennig.

Macht ein eingenähter "Filter", etwa aus einer Damenbinde, Sinn?

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Achtung:

Wenn ein Draht in eurer Maske eingenäht ist, dürfen Sie sie auf keinen Fall in der Mikrowelle trocknen

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Dr. Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sagt: "Die Damenbinde finde ich eine sehr kluge Idee, das entspricht praktisch einer Kinderwindel im Kleinformat. Das ist ausgesprochen günstig, weil man einfach 'durchatmen' kann und es die Schutzwirkung erhöht. Andere Materialien wie Papier oder sonstige Stoffe funktionieren nicht, das Material sollte schon kochbar sein und einen gewissen Feuchtigkeitsschutz haben. Masken verlieren ihre Wirkung, wenn sie durchgefeuchtet sind, dann halten sie Viren und Aerosole, also die Tröpfchen, nicht mehr ausreichend zurück. Dann ist eine Trocknung zum Beispiel im Backofen oder der Mikrowelle sinnvoll. Das ist alles nicht wissenschaftlich durchgetestet, aber praktikabel. Baumwolle ist hier das Stichwort: Es ist mehrlagig und kochfest. Nach dem Tragen kann man sie einfach mal fünf Minuten kochen, dann sind alle Viren tot."

Wie lange halten sich die Viren auf Textilien?

Hygienearzt Dr. Markus Schimmelpfennig sagt: "Die Kleidung ist in der Regel trocken, da kann sich das Virus einige Zeit halten. Es ist mir aber ehrlich gesagt lieber, wenn das Virus im Ellenbogen sitzt als an der Hand. Mit der Hand fassen Sie sich ins Gesicht, mit dem Ellenbogen nicht." Wichtig bei Masken sei, nicht auf die Filterfläche zu fassen.

Bei welcher Temperatur muss ich meine Mund-Nasen-Maske waschen?

Dr. Schimmelpfennig weiß: "Das Coronavirus können Sie mit jeder Waschtemperatur umbringen, wenn Sie ein normales Haushaltswaschmittel reintun. Generell gilt aber in der hygienischen Wäscheaufbereitung, die Textilien in der Waschmaschine täglich bei 60 Grad Plus zu waschen. Denn Sie wollen ja nicht nur das Virus umbringen, sondern zum Beispiel auch die Viecher, die sich auf Ihrer Leibwäsche sonst so eingenistet haben. Wenn es der Stoff verträgt, ruhig auch nochmal vorsichtig bügeln."

Wie viele Masken sollte man besitzen?

Dr. Schimmelpfennig: "Eine Maske ist nur dann notwendig, wenn man einer Person über längere Zeit näher als 1,5 Meter oder weniger kommt. Ein klassischer Mund-Nasen-Schutz sollte nach spätestens zwei Stunden wegen Durchfeuchtung gewechselt werden, eine textile, selbstgenähte Bedeckung spätestens am Tagesende."

Wodurch unterscheiden sich industriell gefertigte von selbstgenähten Stoffmasken?

Dr. Schimmelpfenning erläutert: "Eine industriell gefertigte Maske ist, wenn sie ein Mund-Nasen-Schutz ist, ein Medizinprodukt. Sie ist aus mehrlagigem Zellstoff hergestellt und hat eine definierte Filterwirkung. Die von der Industrie angebotenenen textilen Masken sind wenigstens aus einem definierten Stoff, wenn auch nicht mit einer definierten Wirksamkeit. Sie heißen deshalb auch Nasen-Mund-Bedeckung und nicht Schutz. Sie sind ein Hilfsmittel, das nicht wirkungslos ist, aber in der Wirkung nicht definiert."

Können Einwegmasken mehrmals benutzt werden?

Dr. Schimmelpfenning sagt: "Normalerweise sind die käuflichen Masken Einwegmasken, die braucht man auch nicht aufbereiten, sondern nur zu trocknen, bevor man sie wiedeverwendet. Denn nach zwei Stunden vor dem Mund sind sie so durchfeuchtet, dass sie in der Wirkung eingeschränkt sind."

Was nutzen Einweghandschuhe?

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Gut zu wissen

Auf der Verpackung von Einmalhandschuhen steht meist "AQL 1,5". Der Hersteller gibt damit von sich aus zu, dass in einer Packung mit 100 Handschuhen 1,5 Paar davon nichts taugen.

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Dr. Schimmelpfennig hat eine klare Meinung: "Der Einmalhandschuh heißt so, weil man ihn nur einmal verwenden soll. Wenn Sie ihn waschen, garantiert der Hersteller nicht mehr für seine Schutzwirkung. Ich freue mich außerdem, an der Stelle mal laut sagen zu dürfen, dass Handschuhe total überschätzt werden. Wenn Sie einen Handschuh haben und in irgendetwas reinfassen und Sie fassen sich danach mit dem Handschuh ins Gesicht, ist es genauso gefählich, als wenn Sie es mit der nackten Hand machen. Kein Handschuh ist hundertprozentig dicht, wer das behauptet, lügt. Er ist immer durchlässig, gerade für kleinste Partikel wie etwa Viren. Wenn man sich routinemäßig mindestens fünfmal, besser zehnmal am Tag die Hände wäscht, reicht das aus."

Ist ein Bart ein "Virenfänger"?

Dr. Markus Schimmelpfennig beruhigt: "Das halte ich für übertrieben. Der Bart ist natürlich eine große Oberfläche, ähnlich wie die Kopfhaare, und natürlich können sich da auch Viren verfangen, wenn man hinein hustet oder niest. Aber dann macht man eine häufigere Bartpflege und dann ist auch gut."

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Vorsicht mit dem Begriff "Schutzmaske"

In den letzten Tagen wurde bereits berichtet, dass Anwälte Näher*innen von Masken abgemahnt haben, weil sie das Wort "Schutz" verwendet haben. Das Wort ist nämlich reguliert und bringt bestimmte Anforderungen an Schutzausrüstung mit sich. Ein medizinsicher Claim fällt unter das Medizinproduktgesetz. Man ist auf der sicheren Seite, wenn man von einer "einfachen Mund-Nasen-Maske" oder einer "Mund-Nasen-Bedeckung" spricht.

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Sendung: hr3, "Die Kate Menzyk Show", 16.04.2020, 17:10 Uhr