Kevin Sokoll sitzt auf einem Bett in seiner Wohnung. Im Hintergrund sind Bilder an der Wand zu sehen. Neben ihm ein kleines Tischchen und eine Gitarre.

Das Angebot für möblierte Wohnungen nimmt in Frankfurt immer mehr zu. Wer sich dafür entscheidet, zahlt meist mehr. Nicht immer ist das gerechtfertigt. So können Mieter zu viel gezahlte Miete zurückfordern.

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Wohnen wie im Showroom eines Möbelhauses, inklusive der Bilder an der Wand. Die brauchte sich Kevin Sokoll nicht selbst aussuchen, genausowenig wie die Gardinen und das Besteck in der Küche. Die ganze Einrichtung ist auf der zweiseitigen Inventarliste festgehalten. Das kostet natürlich. 750 Euro für 24 Quadratmeter und Balkon zahlt Sokoll im Monat für seine möbilierte Wohnung im Frankfurter Stadtteil Rödelheim.

Mieter Sokoll: "Das Paket für Faule"

Doch für den 32-Jährigen war es erstmal die perfekte Lösung: "Ich bin frisch aus einer WG ausgezogen und hatte keine Möbel, nur zwei Koffer. Da war es natürlich perfekt in eine Wohnung zu schlüpfen, wo alles da ist. Das Paket für Faule wenn man so will", sagt er schmunzelnd. 40 Klingelschilder und Briefkästen gibt es in diesem Haus der "little big homes". Ein Wohnkomplex voller möblierter Wohnungen, mit langen Balkonfluren, digitalem Transponder-Schlüssel und Spion an der Tür. "Ein bisschen ist das hier wie in einem Hotel", sagt Sokoll.

Möblierte Wohnungen erfreuen sich in Großstädten wie Frankfurt großer Beliebtheit. Knapp 2.700 Wohnungen sind es laut dem Wohnungsmarktbericht 20/21 der Industrie- und Handelskammer (IHK), Tendenz steigend. Das bestätigt auch das Suchportal Immoscout24. Zwischen März 2020 mit März 2021 sei die Zahl der Angebote für möbliertes Wohnen in Frankfurt um 45 Prozent gestiegen, teilt das Portal auf Anfrage mit.

Transparenz fehlt und das wird ausgenutzt

Der Frankfurter Mieterschutzverein sieht die Entwicklung eher kritisch. In manchen Fällen sei der Aufschlag zwar gerechtfertigt. Viele Vermieter und Vermieterinnen würden mit dem Modell aber lediglich versuchen, die Preise zu erhöhen. Der sogenannte Möblierungszuschlag ist zwar generell erlaubt. Um diesen zu berechnen, ist nicht der Kaufpreis, sondern der Zeit-Wert relevant. Von diesem Wert dürfen zwei Prozent auf die ortsübliche Miete aufgeschlagen werden. Die wiederum richtet sich nach dem Mietspiegel für vergleichbare, unmöblierte Wohnungen. Bei drei Jahre alten Möbeln, darf also nicht mit dem Neupreis gerechnet werden und ab zehn Jahren Nutzung liegt der Wert sogar bei Null.

Von dieser Regelung dürften nur die wenigsten Mieter und Mieterinnen etwas wissen. So gelänge es Vermietern, mehr Miete zu verlangen, als eigentlich erlaubt, sagt Rolf Janßen vom Frankfurter Mieterschutzverein. Oftmals würden Mieter auch keine aufgeschlüsselte Rechnung sehen. Es sei schwierig für sie das nachzuvollziehen. Sie müssten ja dafür nicht nur die Wohnung im Mietspiegel einordnen, sondern auch das Mobiliar bewerten. "Das heißt sie brauchen Informationen, die sie nicht haben."

Ministerium: Mieter können Miete zurückfordern

Auch das Wirtschaftsministerium hat die möblierten Wohnungen im Blick. Dass Vermieter in der Vergangenheit versucht hätten mit einer Möblierung die Mietpreisbremse zu umgehen, habe dazu geführt, dass die Regelungen zur Mietpreisbremse auf Bundesebene verlängert und verschärft wurden, teilt das Ministerium mit und weist darauf hin: Ein Mietvertrag, bei dem die zulässige Miethöhe bei Mietbeginn überschritten werde, ist unwirksam.

Seit der Neuregelung der Bestimmungen können Mieterinnen und Mieter den zu viel gezahlten Anteil bis zu 30 Monate rückwirkend zurückfordern. In der Kontrollpflicht bleiben laut Wirtschaftsministerium allerdings die Mieter; denn bei einem Mietvertrag handelt es sich um ein privatrechtliches Verhältnis. Das heißt, wer den Vertrag nicht prüft, der zahlt weiterhin zu viel.

Für Kevin Sokoll wäre solch eine rechtliche Prüfung allerdings keine Option, er sei ohnehin nicht gekommen, um zu bleiben. "Dafür ist mir das langfristig zu teuer", sagt er. Es sei eine praktische Zwischenlösung gewesen, aber eben nicht mehr.

NHW vermietet ebenfalls möblierte Wohnungen

Das Land engagiert sich übrigens über die Wohnungsgesellschaft Naussauische Heimstätten/ Wohnstadt (NHW) selbst auch im Bereich der möblierten Wohnungen. Die knapp 600 möblierten NHW-Wohnungen, lägen dabei alle unter dem Durchschnittsmietniveau in diesem Segment, teilt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mit. Mitbewerber in vergleichbarer Lage würden Inklusivmieten von 50 Euro den Quadratmeter und mehr erheben. Das deutlich günstigere Angebot der NHW habe damit "einen preissenkenden Markteffekt", so der Minister.

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