MyZeil mit neuem Gastronomie-Bereich

Vom Einkaufszentrum zum "Shoptainment-Center": Zum zehnjährigen Jubiläum unterzieht sich Frankfurts MyZeil einer Runderneuerung. Alte Schwachstellen sollen beseitigt und neue Zielgruppen gewonnen werden. Das klassische Einkaufen wird zur Nebensache.

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hs
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Zehn Jahre nach seiner feierlichen Eröffnung ist das Frankfurter Einkaufszentrum MyZeil wieder eine Großbaustelle. Bauzäune, Absperrungen und Holzplanken säumen den Weg der Kunden. Bohrmaschinen sorgen für die akustische Begleitung.

Seit März 2017 wird der Shoppingtempel an der Hauptwache bei laufendem Betrieb grundlegend saniert. Mitte April soll das Gröbste geschafft sein. "Es war und ist eine Operation am offenen Herzen", sagt Center-Manager Marcus Schwartz. Ein Gläschen Prosecco wollen er und seine Mitstreiter vom Projektentwickler ECE sich am Dienstag zum zehnjährigen Jubiläum dennoch gönnen.

Beliebtes Fotomotiv

Am 26. Februar 2009 wurde der futuristische Komplex auf dem ehemaligen Hauptpost-Gelände an der Zeil eingeweiht. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) pries die gläserne Fassade mit dem trichterförmigen Loch damals als neues Wahrzeichen der Stadt an. Tatsächlich ist der spektakuläre Bau bis heute ein beliebtes Fotomotiv aller Frankfurt-Besucher.

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Bis zu 500 Euro pro Quadratmeter

Rund 50.000 Besucher tummeln sich im Schnitt pro Tag in MyZeil, etwa 80.000 sind es an Samstagen. Ladenbesitzer müssen je nach Lage und Größe ihrer Geschäfte zwischen 30 und 500 Euro pro Quadratmeter an Monatsmiete bezahlen.

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"Touristisch gesehen ist MyZeil ein absoluter Mehrwert", meint Thomas Feda von der städtischen Tourismus GmbH. Zwar komme niemand aus Asien eigens wegen des Einkaufszentrums angereist. "Aber wenn wir Frankfurt im Ausland präsentieren, dann gehört MyZeil immer dazu", so Feda. 

Fehler bei der Gestaltung

Doch so sehenswert das Äußere der Glas-Stahl-Konstruktion ist, so ausbaufähig erweist sich schnell das Innere des 77.000 Quadratmeter großen Centers. Fehlende Rolltreppen und Toiletten, umständliche Wegeführungen und hohe sommerliche Temperaturen unter dem Glasdach machen Kunden wie Händlern zu schaffen. Vor allem in den oberen Etagen herrscht nicht selten Leerstand. Einige Flächen, berichtet Schwartz, konnten bis heute noch kein einziges Mal vermietet werden.

Baustelle in MyZeil

"Man hat von Anfang an Fehler gemacht", kritisiert der Manager das fehlende Knowhow bei den einstigen Besitzern des MyZeil: "Es war eine tolle Architektur mit funktionalen Mängeln." 2014 übernahm ECE gemeinsam mit der Deutschen Bank für 800 Millionen Euro den Gebäude-Komplex inklusive Hotel und Büroturm. Rund 100 weitere Millionen fließen nun in die Sanierung des Centers. "Wir wussten, dass wir Geld investieren mussten, um es wieder schön, sexy und erfolgreich zu machen", sagt Schwartz, "dass es so viel wird, hängt damit zusammen, dass wir an Frankfurt und den Standort glauben."

Neues Konzept: Shoptainment

MyZeil-Manager Marcus Schwartz

Aus seinem Büro im fünften Stock kann Schwartz die aktuellen Bauarbeiten aus nächster Nähe verfolgen. Lounge-Zonen, Toilettenräume, Rolltreppen, Bodenbeläge, Lichtinstallationen und eine Kundeninformation sollen bis zur geplanten Einweihung am 11. April neu entstehen, zählt der 40-Jährige auf.

Herzstück des Umbaus ist aber der gastronomische "Foodtopia"-Bereich. Das Konzept: weg von den für Einkaufszentren typischen Food-Courts mit Fast-Food-Angeboten, hin zu "Gastronomie mit Ambiente", wie es Schwartz nennt. Die vierte Etage wurde hierzu während der Umbaumaßnahmen nahezu komplett geräumt und abgesperrt.

Kino-Baustelle in MyZeil

Insgesamt drei Außenterrassen und das Premium-Kino Astor-Filmlounge, das bereits in der ehemals benachbarten Zeilgalerie untergebracht war, sollen bis zum Spätsommer folgen. "Shoptainment", heißt die laut Schwartz bundesweit einmalige neue Einkaufs- und Erlebniswelt. "Wie trauen uns, etwas ganz anderes zu machen", freut sich der Macher. So soll das Zentrum auch weit über die Öffnungszeiten der Geschäfte hinaus zum Anziehungspunkt in der Innenstadt werden - bei "Kino, Rotwein und Gin Tonic", hofft Schwartz. Und das sieben Tage die Woche.

Textil-Handel tritt in den Hintergrund

Wer auf der schnöden Suche nach Hemd und Jacke ist, wird zwar auch künftig in MyZeil fündig, die Zahl der reinen Textil-Läden geht aber weiter zurück. Knapp 30 Prozent beträgt deren Anteil laut Management gerade mal noch unter den rund 100 Geschäften, Cafés und Restaurants. In anderen Einkaufszentrum liege der Wert doppelt so hoch.

Baustelle in MyZeil

"Es gibt immer weniger lokale Einzelhändler in solch zentraler Lage", erzählt Schwartz. Stattdessen eröffnen größere Unternehmen Flagshipstores oder Showrooms. Die Verbindung von on- und offline ist für den Center-Manager die Zukunft des Einkaufens. Heißt: Man kauft die Waren im Internet, holt sie aber vor Ort ab, lässt sie sich erklären oder tauscht sie um. Ein seit drei Jahren gut laufendes Drohnen-Geschäft in MyZeil sei dafür das beste Beispiel. Auch mit Automobil-Herstellern rechnet Schwartz über kurz oder lang in seinem Einkaufszentrum.

Zielgruppe: Älter und mit Geld

"Handel ist Wandel", lautet sein Credo. Anders als bisher haben es die Macher mit dem Umbau auch auf eine neue, ältere Zielgruppe abgesehen. "28 plus, gerne mit höherem Einkommen", lautet das Beuteschema. Damit sieht sich das Frankfurter Shoptainment-Center für die nächsten zehn Jahre bestens aufgestellt – und das nicht nur von außen.