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Längste Stadtbahn der Welt fährt in Frankfurt

In Frankfurt ist seit Montagmorgen die mutmaßlich längste Stadtbahn der Welt unterwegs. Mit der U-Bahn können etwa doppelt so viele Menschen fahren wie sonst. Das gesamte Streckennetz soll außerdem dank digitaler Technik sicherer werden.

Einen Tag nach dem Fahrplanwechsel ist sie erstmals zum Einsatz gekommen: die längste Stadtbahn der Welt. Seit dem frühen Montagmorgen fährt eine 100 Meter lange U-Bahn auf der Linie U4. Möglich ist das wegen zwei moderner U-Bahn-Mittelteile, die die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) erworben hat.

Die 25 Meter langen Mittelteile haben jeweils 48 Sitz- und 136 Stehplätze. So könnten mit relativ wenig Aufwand bis zu doppelt so viele Fahrgäste transportiert werden als in einer regulären U-Bahn, sagte ein VGF-Sprecher.

Die Verlängerungen haben eigene Stromabnehmer und eigene Antriebe, jedoch keine Fahrerkabinen. "Durch diese Form der Kupplung sind die Bahnen durchgängig und auf ganzer Länge begehbar", erklärte VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Die VGF hat weitere 21 Mittelteile bestellt, die bis Ende 2022 geliefert werden sollen.

Dichterer Takt mit digitaler Technik

Um den Verkehr von der Straße verstärkt auf die Schiene zu verlagern, verfolgen die Stadt Frankfurt und die VGF zwei Ziele: den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt beschleunigen und dessen Kapazität erhöhen. Dazu sollen zunächst die U-Bahnen mit einer neuen digitalen Sicherungstechnik ausgestattet werden, mit dessen Hilfe sie in deutlich kürzeren Abständen fahren können.

Die neue Technologie namens "Digital Train Control System" (DTC) wird nach Auskunft des Verkehrsministeriums erstmals in einer deutschen Stadt angewendet und soll das bisherige System bei der VGF komplett ersetzen. Fahrzeuge und Strecke tauschen dabei permanent Signale und Meldungen aus. Der mehrstufige Einbau erfolgt im fahrenden U-Bahn-Betrieb.

Bei der Vorstellung des Systems am Montag bezeichnete Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) das Vorhaben als "echtes Leuchtturmprojekt". Die Mobilität der Region hänge von modernen und attraktiven Bahnen ab. Die neue Technik löse Kapazitätsprobleme, "ohne dass dafür zusätzliche Gleise und Tunnel erforderlich sind", sagte Al-Wazir.

Bis 2030 alle U-Bahnen umgerüstet

Die Strecken sind nach Auskunft der VGF teilweise schon an der Kapazitätsgrenze, die digitale Technik soll dennoch einen dichteren Takt ermöglichen. Außerdem sollen die Bahnen energieeffizienter und für die Fahrgäste komfortabler unterwegs sein, indem sie sanfter beschleunigen und bremsen. Das System soll auch bei Straßenbahnen eingesetzt werden.

Im kommenden Jahr sollen die ersten Fahrzeuge umgerüstet werden. Bis 2030 sollen alle neun Linien des U-Bahn-Systems mit der digitalen Zugsicherung ausgestattet sein. Die Gesamtkosten des Vorhabens der VGF belaufen sich laut Verkehrsministerium auf rund 230 Millionen Euro, Bund und Land steuern rund 95 Millionen Euro bei. Das Vorhaben sei Vorbedingung einer integrierten Verkehrssteuerung des gesamten Ballungsraums, teilte das Ministerium mit. Mit weiteren 25,5 Millionen Euro beteiligen sich Bund und Land an der Erneuerung von Gleisen und Weichen.

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