aa

Frankfurter Kommunalpolitiker suchen gern den Vergleich mit internationalen  Metropolen: Wenn das Pariser Seine-Ufer autofrei ist, dann muss das am Main auch möglich sein. 100 Tage ist nun ein Teil des nördlichen Mainkais für Autos gesperrt - das kommt nicht überall gut an.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 100 Tage Mainufer-Sperrung

Autofreier Mainkai und volle Straßen am Museumsufer in Frankfurt
Ende des Audiobeitrags

Die Idee dahinter stammt aus den 70er Jahren. Der öffentliche Raum soll aufgewertet werden. Die Bürger sollen Flächen, die bisher von Autos genutzt wurden, zurück bekommen. Doch so wegweisend der Gedanke auch sein mag, die Sperrung zwischen Untermainbrücke und Alte Brücke sorgt für Zoff in der Stadt.  

"Können das Hupkonzert nicht mehr ertragen“

In Sachsenhausen hat sich die Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich“ gegründet. Initiator Herbert Schmoll fordert, dass die Sperrung des nördlichen Mainufers aufgehoben wird. Er und die rund 700 Mitglieder der Bürgerinitiative finden, dass die Sperrung nicht gut genug geplant wurde. Die Stadtteile Sachsenhausen, Bahnhofsviertel, Innenstadt und Allerheiligenviertel müssten die Zeche für den Verkehrsversuch zahlen.

aa

20.000 Autos, die vor drei Monaten noch täglich über den Mainkai gefahren sind, würden nun die Straßen der besagten Stadtteile verstopfen. "Ich bekomme e-Mails von alten Damen, die an der Schweizer Straße wohnen, die sogar wegziehen wollen, weil sie die Hupkonzerte nicht mehr ertragen können“, sagt Schmoll.

Bevor Straßen gesperrt würden, müssten vernünftige Verkehrskonzepte vorliegen. "Dann können wir vielleicht auch beide Mainufer sperren oder eine autofreie Innenstadt bekommen“, ergänzt Herbert Schmoll. Als Beleg führt er an, dass der Lkw-Verkehr am südlichen Ufer sich seit der Sperrung des Nordufers verdoppelt habe. Allerdings ist das eher gefühlt, mit Fakten lässt sich die Behauptung schwer untermauern. Wie überhaupt die Auswirkungen der Mainufer-Sperrung in Frankfurt bisher sehr subjektiv wahrgenommen werden.

Besserung durch neue Ampelschaltungen?

Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling reagiert auf die Kritik gelassen. Er findet, dass sich die Sperrung nach 100 Tagen bewährt hat. "Es gibt natürlich das ein oder andere Problem mit der Verkehrsführung“, räumt der SPD-Stadtrat ein. Doch in der kommenden Woche sollen geänderte Ampelschaltungen diese Probleme minimieren.

Oesterling will die Sperrung des Mainufers auf jeden Fall bis zum Museumsuferfest 2020 durchziehen: "Das ist von der Stadtverordnetenversammlung für die Dauer von einem Jahr beschlossen“, sagt er. Dann erinnert er an frühere Sperrungen in Frankfurt - Hauptwache, Zeil und Opernplatz. "In den ersten Monaten hat es dort auch Probleme mit der Verkehrsführung gegeben. Dann wurde nachgesteuert und am Ende haben die Sperrungen bis heute eine Mehrheit gefunden.“

Versuch schlecht kommuniziert?

aa

Auch IHK und Handwerkskammer sehen die Sperrung kritisch. Außerdem sind die CDU und die Grünen im Stadtteil Sachsenhausen unglücklich mit dem Versuch. Und das, obwohl ihre Parteifreunde in der schwarz-rot-grünen Römer-Koalition die Sperrung beschlossen haben. Den Frust bekommt vor allem SPD-Verkehrsdezernent Oesterling ab, der den Versuch realisieren muss.

Sein Vorgänger, der jetzige Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) kritisiert, dass die Sperrung des Mainufers nicht gut kommuniziert worden sei. Dennoch stehe er hinter dem Verkehrsversuch. Er habe auch nicht den Eindruck, dass die Welt in Sachsenhausen untergehe: "Wenn ich am südlichen Mainufer wohnen würde und über den Fluss rüber gucke, und sehe wie schön es dort aussieht und wie leer es ist, dann würde ich mich auch schwarz ärgern.“

Neue Bürgerinitiative pro Sperrung

Initiative pro Sperrung formiert sich

Um ein Gegengewicht zur Initiative aus Sachsenhausen und deren Zielen zu bilden, will sich am nächsten Dienstag eine Initiative pro Mainufer-Sperrung gründen. Unter der Federführung des SPD-Ortsvorstehers im Ortsbeirat 1, Oliver Strank, wollen sich Mitglieder aus ADFC, Greenpeace und VCD unter dem Label "Lebensqualität am Mainufer“ zusammenschließen.

"Wir wollen für die Verkehrswende demonstrieren und die Potentiale des Mainkais hervorheben“, sagt Strank. Dazu seien Ideen von Bürgern gesammelt worden.   

Flohmarktverlegung und Eisbahn

Trotz der emotionalen Diskussion um die Folgen des autofreien nördlichen Mainufers wird die freie Fläche von den Frankfurtern bisher wenig genutzt. Deshalb schlägt die SPD eine Schlittschuhbahn zum Weihnachtsmarkt vor - das könne den Ufer-Bereich beleben.

Auch der Flohmarkt, der bisher alle zwei Wochen samstags am Südufer stattfindet, könnte ans nördliche Ufer wechseln. Das wird nicht jedem Anwohner in Sachsenhausen gefallen - schließlich ist es an Flohmarkt-Samstagen deutlich leiser als unter der Woche. Bei der Verlegung scheinen sich CDU, SPD und Sachsenhäuser Bürgerinitiative aber ausnahmsweise mal einig zu sein. "Die Fläche dort ist allerdings deutlich kleiner als am Südufer. Wir können nicht alle Stände unterbringen“, prophezeit Klaus Oesterling.

Sendung: hr-iNFO, 7.11.2019, 6.00 Uhr

Ihre Kommentare Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Mainufer-Sperrung?

31 Kommentare

  • Guten Morgen,
    die Sperrung des nördlichen Mainufers setzt dem permanent wachsenden Verkehr auf der direkt gegenüber liegenden Uferstraße nochmals zusätzlichen Lärm, Gestank und ständigen Stau obendrauf. Wir wohnen seit 26 Jahren am Eisernen Steg der frühere normale Bus-, Schwerlast- und Pkw Verkehr war schon schwer auszuhalten. Über die Jahre kamen stinkende, veraltete Sightseeing- Busse, bis zu 15 Reisebusse und jetzt noch der Nordufer- Verkehr hinzu. Haben die Stadtpolitiker noch immer nichts vom Klimawandel gehört. Den schwarzen Feinstaub, der sich täglich auf unseren Fensterbänken absetzt, sollten sie Mal sehen!
    Probeweise Winters und Sommers hier Mal übernachten. Jetzt wird auch noch überlegt den Flohmarkt zu verlegen, dann gibt es keinen einzigen Tag mehr Ruhe!
    Nein, das nördliche Mainufer soll nicht wieder freigegeben werden, Das Museumsufer muss auch für den Verkehr gesperrt werden. Der Stadtbereich muss für den Durchgangs- und Schwerverkehr gesperrt werde, E- Busse!

  • Was war eigentlich die Basis, um sich für das nördliche Mainufer zu entscheiden? Anzahl der Fahrzeuge, pro Std. vor allem in der Rush Hour
    das gleiche für die Ausweichstrecken
    Staulängen an exponierten Stellen
    Durchschnittliche Fahrtdauer z. B. Hauptbahnhof nach Ratsweg
    das gleiche über die zu erwartenden Ausweichstrecken
    Nach 100 Tagen das gleiche wieder.
    Mit Verlängerung der Fahrtdauer steigt der Schadstoffausstoß, durch häufiges Starten und Bremsen gibt es zusätzliche Schadstoffe (Reifen- Bremsen- und Kupplungsabrieb) und Lärm.. Dann "steigt" die Lebensqualität an den Ausweichstrecken und in den Wohngebieten. Der Gewinn ist: Kein Verkehr auf einer touristisch und freizeitmässig unerschlossenen Straße. Vielleicht macht es Sinn, erst die Erschließung durch den ÖPNV und vernünftige ÖPNV-Preise in Einklang zu bringen, bevor man solche Abenteuer startet. Den betroffenen Fahrzeuginsassen täglich Freizeit zu stehlen ist ein weiterer Aspekt.

  • Wir werden uns alle daran gewöhnen, dass es in Frankfurt zukünftig noch mehr Straßen geben wird, die nicht mehr für Autos nutzbar sein werden. Umdenken, umstellen und die Vorteile einer menschen- und umweltfreundlichen Stadt genießen.

Alle Kommentare laden