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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie geht es weiter mit Thomas Cook in Oberursel?

Thomas Cook Zentrale Oberursel

Rund 1.000 Beschäftigte bei Thomas Cook in Oberursel bangen um ihre Jobs. Während die Tochter des insolventen Reiseveranstalters auf Hilfe vom Bund hofft, läuft parallel die Suche nach Geldgebern. Betroffenheit herrscht auch im Oberurseler Rathaus.

Vor der Thomas-Cook-Zentrale in Oberursel (Hochtaunus) will niemand etwas zur aktuellen Lage sagen. Die Mitarbeiter winken ab, gehen schnell weiter. Nur ein Mann bleibt stehen, er arbeitet nicht bei Thomas Cook, kommt aber gerade aus der Kantine der Deutschlandtochter des insolventen britischen Reisekonzerns: Die Stimmung in der Kantine sei alles andere als gut, sagt er. "Verständlicherweise. Nach allem, was man so liest."

Rund 1.000 Menschen arbeiten für Thomas Cook in Oberursel. Wie es für sie weitergeht, ist völlig unklar. Im Moment werden Geldgeber gesucht, um die Geschäfte weiterführen zu können. Dazu hat die deutsche Thomas-Cook-Tochter einen Überbrückungskredit beim Bundeswirtschaftsminsiterium beantragt.

Die Prüfung des Kredits laufe noch, teilte das Unternehmen am Dienstag schriftlich mit. "Sollten die Verhandlungen scheitern, sieht sich die Geschäftsführung gezwungen, für die Thomas Cook GmbH und möglicherweise auch für weitere Gesellschaften Insolvenzantrag zu stellen."

Enge Bindung zur Stadt Oberursel

Das wäre der schlimmste Fall für Oberursel mit seinen gut 40.000 Einwohnern, wie Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) sagt. Die Insolvenz-Nachricht aus Großbritannien sei "eingeschlagen wie eine Bombe". "Für uns ist das natürlich ein ganz großes Problem. Thomas Cook ist eine der drei größten Oberurseler Firmen. Da ist schon eine große, enge Verbundenheit gegeben, und das macht schon sehr betroffen."

Der Reiseunternehmer zählt damit auch zu den wichtigsten Steuerzahlern in Oberursel. Und damit hören die Verbindungen noch nicht auf. Auf dem Gelände von Thomas Cook habe die Stadt beispielsweise vor einigen Jahren eine Kita bauen können, weil das Unternehmen die Fläche äußerst günstig für diesen Zweck zur Verfügung gestellt habe.

Keine Reisen bis Donnerstag - und danach?

Den Verlust des Unternehmens mag sich Brum gar nicht vorstellen - ähnlich wie die rund 1.000 Beschäftigten, bei denen nach Aussage von Verdi-Sprecherin Ute Fritzel große Unsicherheit herrscht. Die Gewerkschaft könne derzeit nur Beistand leisten. "Die Ängste anhören", wie es Fritzel ausdrückt. "Es ist ja alles noch in der Schwebe."

Bis mindestens Donnerstag können Kunden des Unternehmens ihre Reisen nicht antreten. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Bei Thomas Cook besteht die Hoffnung, dass die Bundesregierung bis dahin entscheidet, ob es einen Überbrückungskredit gibt.

Bund bewilligt Kredit

Die andere Thomas-Cook-Tochter Condor hat derweil ihren erhofften Überbrückungskredit vom Bund bewilligt bekommen. Das teilte der Ferienflieger am Dienstagabend mit.

Während über die Höhe des beantragten Kredits von Thomas Cook keine Zahlen vorliegen, geht es bei Condor um 380 Millionen Euro: Für 190 Millionen Euro bürgt der Bund, für die anderen 190 Millionen das Land Hessen. "Wir geben Condor Auftrieb unter die Flügel, um über die kommenden Monate zu kommen", erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier, Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am späten Dienstagabend.

Am Montag war bekannt geworden, dass Urlauber, die über Thomas Cook gebucht haben, aus "rechtlichen Gründen" nicht mehr an ihr Reiseziel gebracht würden. Thomas-Cook-Urlauber, die planmäßig nach Hause fliegen wollen, seien nicht betroffen. Sie würden von Condor befördert.

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zum Video Unklare Situation für Thomas-Cook-Urlauber

hs
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Sendung: hr-iNFO, 24.09.2019, 18 Uhr