Razzia bei der Deutschen Bank

Eine Großrazzia in der Zentrale trübte vor einem Jahr das ramponierte Image der Deutschen Bank noch mehr. Jetzt hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen Geldwäsche eingestellt. Ein saftiges Bußgeld verhängte sie trotzdem.

Zinsmanipulation, Wechselkursmanipulation, dubiose Kreditpakete aus der Zeit vor der Finanzkrise und und und: Weltweit hatte die Deutsche Bank bis zum 29.11.2018 über Jahre hinweg schon mit mehr als einer Affäre ein schlechtes Bild abgegeben. Doch als dann 170 Ermittler vor laufenden Kameras die Zentrale in Frankfurt für eine Durchsuchung betraten, war der Schock groß. Jetzt hat das Geldinstitut die Sache durchgestanden.

Nach einem Jahr stellte die Staatsanwaltschaft Frankfurt das Verfahren ein. Der Tatverdacht der Geldwäsche habe sich nicht bestätigt, hieß es am Freitag zur Begründung. Ein hohes Bußgeld verhängte die Behörde dennoch. 15 Millionen Euro muss die Bank demnach wegen Kontroll-Versäumnissen ihrer damaligen Tochtergesellschaft Regula Limited zahlen.

Auch in die Vorstandsbüros geschaut

Mitarbeiter sollten wissentlich geduldet haben, dass Kunden durch Geschäfte mit Offshore-Gesellschaften von Regula in Steuerparadiesen Geld wuschen und Steuern hinterzogen. Mit diesem Verdacht hatten Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt, Steuerfahndung und Bundespolizei Ende November zwei Tage lang in Frankfurt sogar die Büros einiger Vorstände gefilzt - auch das von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

Außerdem war ausgerechnet auch die Privatwohnung des früheren Geldwäschebeauftragten durchsucht worden, weil er trotz Anhaltspunkten für krumme Geschäfte keine Verdachtsanzeigen erstattet habe. All diese strafrechtlichen Vorwürfe gegen die beschuldigten Mitarbeiter seien nun ausgeräumt, betonte ein Sprecher der Deutschen Bank am Freitag. Damit sei ein Verfahren beendet, "das uns im vergangenen Jahr sehr belastet hat".

Kontrolle zu schwach

Zugleich akzeptierte die Bank aber in einem gesonderten Verfahren eine Geldbuße in Höhe von fünf Millionen Euro sowie eine Abschöpfung von vermiedenen Kosten für eigentlich nötige Kontrollen von zehn Millionen Euro. Die Deutsche Bank habe Verdachtsanzeigen wegen Geldwäsche nicht rechtzeitig abgegeben, sagte die Staatsanwaltschaft zu dem Bußgeld.

Zudem sei auf Leitungsebene die Aufsichtspflicht verletzt worden. Überdies hat sich demnach gezeigt, dass die Bank in den fraglichen Jahren 2015 bis 2018 für den Kampf gegen Geldwäsche personell unzureichend ausgestattet war.

Deutsche Bank räumt Schwächen ein

Auch die Deutsche Bank räumte in ihrer aktuellen Stellungnahme ein, auf diesem Gebiet in der Vergangenheit "Schwächen" gehabt zu haben. Sie habe daher der Zahl der Mitarbeiter in der Abteilung gegen Finanzkriminalität seit 2015 mehr als verdreifacht. Seit 2016 seien 700 Millionen Euro in die Modernisierung der wichtigsten Kontrollfunktionen investiert worden.

Die Ermittlungen im Fall Regula gegen inländische Kunden der Deutschen Bank wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung dauern nach Angaben der Staatsanwaltschaft allerdings noch an.

Sendung: hr-iNFO, 06.12.2019, 18.40 Uhr