Landwirte blockieren mit ihren Traktoren die Mainzer Straße in Wiesbaden.

Rund 2.800 Landwirte haben vor dem hessischen Umweltministerium in Wiesbaden gegen die Agrarpolitik demonstriert und den Verkehr in der Landeshauptstadt teilweise lahmgelegt. Am Rande kam es zu einem schweren Unfall.

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hessenschau vom 10.12.2019
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In einer kilometerlangen Karawane sind am Dienstag rund 2.800 Landwirte in rund 1.500 Traktoren und mit einem ohrenbetäubenden Hupkonzert zum hessischen Umweltministerium in Wiesbaden gezogen.

Mit dieser Aktion wollten die Bauern ihren Unmut über die Argrarpolitik der schwarz-grünen Landesregierung zum Ausdruck bringen. Teile der Wiesbadener Innenstadt sowie Autobahnabschnitte waren für den Zeitraum der Demonstration gesperrt, es kam zu Staus und Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr.

Kein Durchkommen - mittlerweile befährt der ÖPNV die Haltestelle in der Mainzer Straße NICHT mehr, die dortige Busspur dient als Rettungsweg. Die ESWE informiert: ℹ https://t.co/Qfvwhxzmwv #Wiesbaden #VerkehrHessen

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Schwerer Traktor-Unfall

Am Rande der Proteste kam es zudem zu einem Unfall zwischen einem Lkw und einem Traktor. Der Traktorfahrer wurde laut Polizei schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

#Wiesbaden Am Rand der Demonstration kam es zu einem Unfall zwischen einem LKW und einem Traktor. Eine Person wurde dabei schwer verletzt um kam mittels #Rettungshubschrauber ins Krankenhaus.

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Der Protest der Landwirte richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Sie bedrohten die Existenz vieler Höfe.

"Man muss Auflagen schaffen, die für alle machbar sind, dann kann man auch effektiv Naturschutz und Umweltschutz betreiben", sagte Sebastian Dickow, Bundessprecher des Veranstalters "Land schafft Verbindung". Er kritisierte unter anderem die Düngeverordnung der Bundesregierung, die nach Ansicht der Bauern nicht auf fundierten Daten basiert. Es gehe mehr um "Effekthascherei".

Hinz: "Ein richtiger Scheiß"

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Proteste in Wiesbaden
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Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) räumte ein: "Das ist ein richtiger Scheiß, der da passiert ist." Man habe die Chance vertan, das Düngerecht umweltgerecht weiterzuentwickeln und den Bauern Planungssicherheit zu geben. Gleichzeitig gab sie zu Bedenken, dass die Landwirtschaft die Verantwortung habe, Boden, Klima und Gewässer zu schonen und die Artenvielfalt zu erhalten. Aufgabe sei es, dies mit einer langfristigen Perspektive für landwirtschaftliche Betriebe zu verbinden. Dafür gebe es bereits verschiedene Programme mit einem Gesamtetat von 70 Millionen Euro.

Den akuten Ärger bei den Bauern hat vor allem ein "Agrarpaket" ausgelöst, das das Bundeskabinett auf den Weg gebracht hatte. Unter anderem zum Insektenschutz soll der Einsatz von Unkraut- und Schädlingsgiften stark eingeschränkt werden. Für einen besseren Grundwasserschutz müssen auf Druck der EU auch Düngeregeln erneut verschärft werden.

Seit einigen Wochen demonstrieren Bauern in verschiedenen deutschen Städten. Höhepunkt war eine Aktion in Berlin, bei der Landwirte ebenfalls mit mehreren tausend Traktoren teilnahmen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 10.12.2019, 16.45 Uhr