Rotorblatt eines Windrads auf einer roten Transportplattform mit Rädern, Flügel ragt diagonal in den Himmel

Ein Spezialfahrzeug bugsiert in den kommenden Wochen 60 Meter lange Rotorblätter für einen Windpark durch enge Taunusdörfer. An den Transporten in Schrittgeschwindigkeit kommt so leicht niemand vorbei.

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Ein Schwertransport im südöstlichen Zipfel des Kreises Limburg-Weilburg, sechs Windanlagen bekommen neue Rotorblätter. So weit, so normal. Nicht normal ist dagegen: Die Straßen der Ortschaften in der Region sind so eng und die Rotorblätter sind so lang, dass ein normaler Schwerlasttransport per Lkw unmöglich ist.

Die Rotorblätter müssen die letzten 20 Kilometer bis zum Ziel mit einem Spezialfahrzeug in Schrittgeschwindigkeit befördert werden. Weil das so kompliziert ist, dauert der Transport 18 Tage und muss größtenteils tagsüber durchgeführt werden.

Der Transport beginnt in Grävenwiesbach-Heinzenberg (Hochtaunus) und endet im Windpark Siegfriedeiche bei Grävenwiesbach - eigentlich eine kurze Strecke, aber wegen der mehr als auskragenden Fracht muss der Transport den Umweg über Weilmünster (Limburg-Weilburg) nehmen. In dem Bereich kommt es bis Mitte Dezember zu Straßensperrungen.

Karte der Region, die den Streckenverlauf des Schwertransportes zeigt.

Zunächst durchkreuzte allerdings ausgerechnet der Wind das Vorhaben. Der für Mittwoch geplante Start der Transporte wurde wegen starker Böen verschoben. Weil es auch am Donnerstag noch zu unruhig war, fing der Spezialtransport erst am Freitagmorgen an.

Spektakuläre 60-Grad-Neigung

Das Spezialfahrzeug ist ein sogenannter Selbstfahrer - momentan die Königsklasse unter den Großkomponenten-Transportern und erst seit kurzem auf dem Markt. Dabei handelt es sich um eine Art ferngesteuerte Plattform auf Rädern. Sie ist etwa so groß wie ein Sattelzug, aber dank 16 Rädern und einer Vielzahl von Gelenken extrem beweglich. Der Fahrer läuft mit einer Fernsteuerung in der Hand zu Fuß neben der Plattform her.

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Immer nur ein Flügel kann so befördert werden. Das Rotorblatt wird in eine Spezialvorrichtung gespannt und ragt hinten deutlich über die Plattform hinaus. Bei Bedarf kann der Flügel jedoch im 60 Grad-Winkel schräg nach oben geschwenkt oder einmal komplett um die eigene Achse gedreht werden. Ein spektakuläres Bild - doch so kommt der Transport auch um enge Kurven herum und an Hindernissen vorbei.

Nachttransport zu gefährlich

Äußerste Sorgfalt und gute Planung seien nötig, erklärt Fahrer Erhardt Pint vom Kranunternehmen Steil. Die Durchfahrt durch das Dorf Heinzenberg etwa sei besonders herausfordernd, weil die Straße abschüssig und seitengeneigt sei, erklärt der Fahrer. Außerdem führten dort sehr viele Stromleitungen über die Straße. Auf einer Skala von eins bis zehn schätzt Pint den Schwierigkeitsgrad dort "definitiv bei elf".

Auch Peter Hasselbach von der Straßenverkehrsbehörde im Landkreis Limburg-Weilburg erklärt: "Die Fahrt wäre nachts zu gefährlich." Man könnte die Flügel und auch mögliche Hindernisse wie Hausecken oder Leitungen nachts nicht gut genug erkennen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Heikler Windradttransport im Hintertaunus

Ein 60 Meter langer Windradflügel beim Transport durch enge Straßen in Grävenwiesbach-Heinzenberg
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Weil die Durchfahrt durch Grävenwiesbach komplett unmöglich ist, muss der Transport außerdem den großen Umweg über Weilmünster nehmen. Dafür sollen aber Hauptverkehrszeiten vermieden werden. Die Fahrt dauert jeweils von 9 bis 15 Uhr, auch sonntags. An den beiden Montagen will das Team eine Pause machen. Am 15. Dezember sollen schließlich sämtliche 18 Flügel am Ziel sein.

Mobile Straßensperrungen

Autofahrer in der Region müssen sich also auf Behinderungen einstellen, denn an dem Sondertransport kommen sie in beiden Richtungen nicht vorbei. Einsatzfahrzeuge der Polizei begleiten die Fahrt deshalb mit mobilen Straßensperrungen. Alle sechs bis acht Minuten soll der Selbstfahrer aber kurz Halt machen und die wartenden Autos vorbeilassen. "Es gibt zwar eine Umleitung, aber wir wollen die Wartezeiten so kurz halten, dass die sich für Autofahrer kaum lohnen wird", sagt Erhardt Pint vom Transportunternehmen.

Nach sechsstündiger Fahrt wird der Sondertransport dann jeweils nachmittags im Industriegebiet Nassauer Straße in Weilmünster eintreffen. Von dort kann er nachts weiter über die Bundesstraße 456 bis zum Windpark Siedfriedeiche von einem Lkw gezogen werden. Dann immerhin mit einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern - vergleichsweise ziemlich rasant.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 29.11.2019, 13 Uhr