Betonarbeiten auf einer Baustelle
Betonarbeiten auf einer Baustelle (Archivbild) Bild © Imago

In Offenbach haben Arbeiter gegen ein Bauunternehmen protestiert. Eigenen Angaben zufolge warten sie seit einem halben Jahr auf ihren Lohn. Das Unternehmen sieht sich nicht mehr in der Pflicht.

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hs

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Die zwölf Bauarbeiter aus Rumänien arbeiteten zwischen April und Juni auf Baustellen in Rüsselsheim, Seligenstadt (Offenbach) und Frankfurt. Nach eigenen Angaben warten sie seit sechs Monaten auf ihren Lohn dafür. Insgesamt stehe eine Summe von rund 36.000 Euro aus.

Auf allen Baustellen war das Offenbacher Unternehmen F.W. Müller als Generalunternehmer beauftragt worden. Aus Protest haben sechs der betroffenen Arbeiter am Sonntag vor der Zentrale des Unternehmens eine symbolische Mauer erbaut und die ausstehenden Löhne gefordert. Unterstützt wurden die Männer von der Gewerkschaft IG Bau und dem Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen (EVW), die ebenfalls vor der Firmenzentrale eine Kundgebung abhielten.

"Der eine hat 200 Euro bekommen, der andere gar nichts"

Nach Angaben eines EVW-Sprechers arbeiteten die Männer pro Monat 220 Stunden auf den unterschiedlichen Baustellen. Der eine habe dafür 200 Euro bekommen, der andere gar nichts, obwohl 800 Euro auf der Lohnabrechnung gestanden habe.

In Rüsselsheim etwa seien die Männer für Stahlbetonarbeiten auf der Baustelle einer Kinderkrippe tätig gewesen. Bauherr ist in diesem Fall die Stadt, die das Projekt an das Offenbacher Bauunternehmen F.W. Müller vergeben hatte. Dieses wiederum setzte als Subunternehmen die slowenische Firma Nicevic ein, bei der die Arbeiter aus Rumänien angestellt sind und die eine Zweigstelle in Heusenstamm (Offenbach) hat.

Laut Gesetz haftet das Generalunternehmen

Laut Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) haftet die Firma F.W. Müller als Generalunternehmer für die Lohnausfälle der Arbeiter. Allerdings sieht sich das Unternehmen nicht in der Pflicht. In einer Stellungnahme teilte F.W. Müller mit: "Es sind alle berechtigten Forderungen gegenüber der Firma Nicevic von unserer Seite aus erfüllt." Die Zusammenarbeit mit der Firma sei zudem wegen Zweifel an deren Seriosität zwischenzeitlich aufgekündigt worden.

Der Fall sei durchaus typisch, sagt Johannes Schader von der Gewerkschaft IG Bau. Wo Subunternehmer im Spiel seien, werde nie Mindestlohn gezahlt. "Darüber hinaus erleben wir so Sachen wie hier, dass gar nicht gezahlt wird", so Schader. Einige der Arbeiter wollen allerdings nicht so leicht aufgeben und ihre Forderungen nun vor Gericht durchsetzen.