Bauarbeiten am Continental-Hauptsitz in Hannover.

Der Autozulieferer Continental will wegen der Krise der Autoindustrie in den kommenden zehn Jahren in Deutschland rund 7.000 Stellen streichen. Allein am Standort Babenhausen sind 2.250 Arbeitsplätze betroffen. Arbeitnehmervertreter wollen das nicht hinnehmen.

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hs
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Bis Ende 2023 sollen bereits 5.000 der bundesweit insgesamt 62.000 Jobs wegfallen, weitere rund 2.000 bis 2029, wie Continental am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung in Hannover mitteilte. Weltweit hat der Autozulieferer mehr als 244.000 Arbeitsplätze - insgesamt sollen bis 2029 voraussichtlich bis zu 20.000 Jobs gestrichen werden.

Erreichen will das Unternehmen den Arbeitsplatzabbau vor allem durch natürliche Fluktuation und altersbedingtes Ausscheiden. Aber auch betriebsbedingte Kündigungen will der Konzern nicht ausschließen. Sie seien aber das "allerletzte Mittel".

Job-Abbau in Babenhausen "so sozialverträglich wie möglich"

In Hessen sind am Standort Babenhausen (Darmstadt-Dieburg) etwa 2.250 von insgesamt rund 3.600 Arbeitsplätzen betroffen. Laut Mitteilung will sich das Unternehmen dort bis Ende 2025 schrittweise aus der Serienproduktion von Steuerungsinstrumenten im Fahrzeug zurückziehen. Zudem will die Geschäftsführung bis Ende 2021 bestimmte Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von Babenhausen an andere Standorte verlagern.

"Für die etwa 450 betroffenen Mitarbeiter in der Entwicklung geht das Unternehmen davon aus, interne Lösungen und Transfermöglichkeiten zu finden", hieß es am Mittwoch in einer weiteren Mitteilung zum Standort Babenhausen.

Was die übrigen rund 1.800 Arbeitsplätze in der Produktion in Babenhausen angeht, schrieb das Unternehmen, wolle man den Job-Abbau "so sozialverträglich wie möglich" gestalten - mit einem umfassenden Paket an Hilfestellungen und Angeboten für die Betroffenen.

Continental-Standort Babenhausen

Auch nach Abschluss des Stellenabbaus solle der Continental-Standort Babenhausen erhalten bleiben - als Leitungs- und Entwicklungsstandort. Zudem würden dort weiterhin Vorentwicklungstätigkeiten, Entwicklungsdienstleistungen und Kleinserienproduktion angesiedelt bleiben. Der Continental-Standort Babenhausen wurde 1961 gegründet.

Neben Babenhausen sind bundesweit von dem Stellenabbau die Standorte Roding (Bayern) und Limbach-Oberfrohna (Sachsen) betroffen. Auch in Italien und den USA stehen Werke auf dem Prüfstand. Zwei Werke in den USA und Malaysia sollen darüber hinaus geschlossen werden.

Reaktion auf geringere Auto-Produktion

Die Stellenstreichungen sind Teil eines bereits Ende Juli angekündigten Umbauprogramms. Continental reagiert damit nach eigenen Angaben auf die Rückgänge in der weltweiten Automobilproduktion und zudem auf "parallel" verlaufende Entwicklungen wie die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt, die sich abzeichnende Krise in der Autoindustrie und den Technologiewandel im Antriebsbereich, der durch verschärfte Abgasgesetze beschleunigt werde. 

Mit dem Umbau will der Konzern ab 2023 seine Kosten jährlich um 500 Millionen Euro senken. Gleichzeitig wird der Umbau auch Geld kosten - Continental rechnet mit 1,1 Milliarden Euro in den zehn Jahren bis 2029, wobei der größte Teil dieser Summe bis 2022 fließen soll. 

IG Metall kündigt Widerstand an

Arbeitnehmervertreter kündigten Widerstand gegen die geplanten Stellenstreichungen an: "Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Continental haben einer Schließung von Standorten in Deutschland nicht zugestimmt, sondern lediglich einer ergebnisoffenen Prüfung", sagte die stellvertretende Aufsichtsratschefin Christiane Benner von der IG Metall.

"Den vom Vorstand geplanten gravierenden Stellenabbau werden sie nicht akzeptieren." Allein die Beschäftigten sollten hier für Managementfehler zahlen. "Wir erwarten von Continental zukunftweisende Konzepte."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 25.09.2019, 16.45 Uhr