Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir kann den Erfolg der SUV nicht verstehen.
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Fast jeder dritte neu zugelassene Pkw ist ein SUV oder Geländewagen. Verkehrsminister Al-Wazir findet das unbegreiflich - und Umweltministerin Hinz will dem Trend per Kfz-Steuer entgegenwirken.

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Vor 25 Jahren kam mit dem Toyota RAV4 der erste SUV auf den deutschen Markt. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Der Marktanteil von SUV und Geländewagen ist seitdem stetig gewachsen und hat Anfang des Jahres die 30-Prozent-Marke überschritten. Das hat das Zentrum für Autoforschung (CAR) der Uni Duisburg-Essen berechnet.

Die Autos mit Gelände-Optik sind auch in Hessen beliebt, selbst in Großstädten wie Frankfurt: Dort sind rund 30.000 solcher Modelle zugelassen.

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) gibt sich auf Anfrage des Hessischen Rundfunk perplex: "Ich habe es nie verstanden und werde es nie verstehen: Was ist so reizvoll daran, sich mit zwei Tonnen Blech im Stop-and-Go durch die Innenstadt zu quälen und im Übrigen auch noch viel schwerer einen Parkplatz zu finden?" Er selbst werde sich nie solch einen XXL-Wagen zulegen.

Hinz' Vorschlag: Bezahlt wird nach Gewicht

Gleichzeitig versichert der Minister, die Landesregierung werde niemandem vorschreiben wollen, welches Auto er kaufen solle. Die Regierung könne nur Anreize für andere Arten der Fortbewegung schaffen: mit günstigeren Bahn-Tickets, mit mehr Car-Sharing-Angeboten, mit mehr und besseren Fahrradwegen.

Seine Parteifreundin Priska Hinz hat indes noch einen anderen Vorschlag. Die Umweltministerin fordert, die Kfz-Steuer stärker nach Gewicht und Emissionen des Fahrzeugs auszurichten. Damit soll der Kauf von schweren und schmutzigen Autos unattraktiver werden. Bisher bemisst sich die Steuer vor allem nach dem Hubraum: je mehr Hubraum, desto höher die Steuer. Allerdings fließen auch jetzt schon die Abgasnorm und der CO2-Ausstoß in die Berechnung mit ein.

Wider den Zeitgeist – aber kein Widerspruch?

Die Kfz-Steuer ist eine Bundessteuer, Hinz hat also keinen unmittelbaren Einfluss. Sie befeuert mit ihrem Vorschlag aber eine Debatte, die deutschlandweit gerade an Fahrt aufnimmt. Der SUV-Boom lässt sich für viele nämlich nicht mit einem Zeitgeist vereinbaren, der Umwelt- und Klimaschutz für das Gebot der Stunde hält.

Nicht alle fremdeln so mit den Pseudo-Geländewagen wie Hinz und Al-Wazir. Der Rüsselsheimer Autobauer Opel zum Beispiel stellt auf hr-Anfrage klar: Er setzt voll auf die beliebten Autos mit Gelände-Optik, denn: "Die Kunden mögen das coole Design der Fahrzeuge und die hohe Sitzposition." Der SUV-Anteil am Absatz solle bis 2021 möglichst auf 40 Prozent gesteigert werden. Im Jahr 2017 lag der Anteil laut Opel bei 25 Prozent.

Einen Widerspruch zum Klimaschutz kann Opel darin nicht erkennen. Denn die Motoren seien sehr effizient und man produziere ohnehin vor allem kleinere SUV wie etwa den Mokka. Zudem werde man bis 2024 in jeder Fahrzeugklasse auch eine vollelektrische Variante anbieten, auch bei den SUVs.