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Zwischen Diesel-Skandal und Klimaschutz-Debatten steckt die Internationale Automobil-Ausstellung in einer Krise. Besucher fehlen, Autohersteller sagen ab. Kurz vor der Eröffnung erklärt ein Branchenexperte, welche Chancen sich daraus für die Messe ergeben.

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Die Liste der Hersteller, die in diesem Jahr nicht zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) kommen werden, ist lang. Abgesagt haben unter anderem Toyota, Nissan, Mazda, Mitsubishi, Peugeot, Citröen und Volvo.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Was die IAA 2019 bieten will

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Bei der IAA 2017 kamen noch etwa 1.000 Aussteller, dieses Mal werden es rund 800 sein. Damit sinkt die Bedeutung der einst weltweit renommierten Messe. Auch die Besucherzahlen der Messe, die vom Verband der Automobilindustrie (VDA) veranstaltet wird, haben in den vergangenen Jahren nachgelassen.

Ein Teufelskreis, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management. Er sieht vier Gründe, warum die IAA sich so schwer tut – und einen Ansatz, um das zu ändern.

  1. Die Kunden haben sich verändert
  2. Konkurrenz durch andere Messen
  3. Automessen sind weltweit weniger gefragt
  4. Vertrauensverlust durch Diesel-Skandal
  5. Chance: Weniger Autos, mehr Mobilität

1. Die Kunden haben sich verändert

Den Kunden gehe es nicht mehr nur um schönes Blech, das sie unbedingt besitzen wollen, sagt Bratzel. Der Fokus habe sich verschoben hin zur Mobilität im Allgemeinen. Das Auto sei da nur eine Möglichkeit unter vielen. "Und es geht nicht mehr um die klassischen Werte wie Leistung, PS oder Größe. Es geht eher um das Thema: Wie vernetzt sind die Fahrzeuge? Was kann ich mit meinem Smartphone dort im Auto anfangen?"

2. Konkurrenz durch andere Messen

Genau an dieser Stelle bekommt die IAA Konkurrenz: Themen wie Vernetzung und technische Innovationen finden Interessierte auch auf anderen Messen. Für die Autohersteller ergeben sich dadurch auch neue Möglichkeiten, potentielle Kunden zu erreichen. Die Folge ist, so Bratzel, die Hersteller müssten abwägen, wie sie ihre Marketingmittel effizient einsetzen.

"Da spielen traditionelle Automessen eine geringere Rolle, zugunsten von Messen wie in Las Vegas, bei denen es um Connectivity geht oder Mobilfunkmessen wie in Barcelona. Da treten die Autohersteller häufiger auf in den letzten Jahren. Da überlegt sich der ein oder andere, ob es sich für ihn noch lohnt, die enormen Ausgaben für so eine IAA in Kauf zu nehmen."

3. Automessen sind weltweit weniger gefragt

Die Veränderung bei den Kunden und das neue Konkurrenzangebot trifft nicht nur die IAA. Auch andere traditionelle Automessen auf der ganzen Welt bekommen das zu spüren, sagt Bratzel. "Das hat auch Detroit stark getroffen. Das war auch immer eine riesige Automesse und die haben große Probleme."

Bekannte Marken wie BMW, Mercedes, Audi und Porsche waren in diesem Jahr nicht zur Detroit Auto Show gekommen. Nun wurde der Termin, der traditionell im Januar liegt, in den Sommer geschoben – damit hoffen die Veranstalter wieder auf mehr Zulauf.

4. Vertrauensverlust durch Diesel-Skandal

Für Bratzel spielt auch der Skandal um gefälschte Abgaswerte eine Rolle: "Bei den deutschen Autoherstellern und auch beim VDA hat man zu spät gesehen, was für ein riesiger Vertrauensverlust dadurch entstanden ist." Jetzt gehe es um eine Mobilitätswende und da sei die Frage, ob die Autoindustrie noch die Glaubwürdigkeit habe, diese Wende hinzubekommen und es schaffe, neue Käufergruppen anzuziehen.

5. Chance: Weniger Autos, mehr neue Themen

Der Platz um Autos auszustellen, wird schrumpfen, prophezeit Bratzel. "Es ist nicht mehr notwendig, jedes einzelne Modell zu präsentieren. Es interessieren sich auch immer weniger für so etwas, denke ich." Stattdessen sollte neuen Themen mehr Raum gegeben werden – autonomes Fahren, Mobilitätsdienstleistungen, Mobilität der Zukunft.

Da spiele das Fahrzeug zwar eine Rolle, aber eben nicht mehr allein. "Es hat sehr viel mit Vernetzung zu tun. Man muss überlegen: Wie kann man das kommunizieren? Wie kann man da bei der IAA eine Plattform dafür schaffen? Das würde bedeuten, dass es eben nicht mehr vornehmlich darum geht, Autos auszustellen." Die Neuerfindung der Mobilität müsse sich in der IAA widerspiegeln.

Das hat wohl auch der VDA erkannt. In diesem Jahr soll die IAA eine Plattform rund um das Thema "individuelle Mobilität" werden. Neben der Autoausstellung soll es auch eine Erlebniswelt mit Probefahrten geben - und eine große Konferenz zur Mobilität der Zukunft und zur Umweltverträglichkeit.

Weitere Informationen

Die 68. IAA in Frankfurt

Die Internationale Automobil-Ausstellung öffnet am 12. September für Fachbesucher. Vom14. bis zum 22. September steht die Messe allen Auto-Interessierten offen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 02.09.2019, 16.45 Uhr

Hinweis: In einer früheren Version stand irrtümlich, dass Renault und Tesla nicht zur diesjährigen IAA kommen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.