Maschine der Fluggesellschaft Condor startet (dpa)

Die mit Staatshilfe gerettete Ferienfluggesellschaft Condor hat einen neuen Investor gefunden. Alle 4.050 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

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hessenschau von 16:45 Uhr vom 21.05.2021
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Der angeschlagene Ferienflieger Condor hat einen neuen Investor gefunden: Der deutsche Vermögensverwalter Attestor soll 51 Prozent der Anteile übernehmen und kräftig in das Unternehmen investieren, teilte Condor am Donnerstag in Frankfurt mit.

Der Fonds bringe 200 Millionen Euro frisches Eigenkapital ein und werde darüber hinaus weitere 250 Millionen Euro Eigenkapital für die Modernisierung der Langstreckenflotte zur Verfügung stellen. Sämtliche 4.050 Arbeitsplätze blieben erhalten, hieß es.

Der Attestor-Fonds wurde 2012 vom deutschen Investor Jan-Christoph Peters gegründet und betreut nach eigenen Angaben derzeit ein Vermögen von rund 5,5 Milliarden Euro. Das Kapital stamme überwiegend von Universitätsstiftungen und Family Offices.

Dritter Versuch

Condor mit Sitz in Kelsterbach (Groß-Gerau) hatte im vergangenen Jahr die drohende Insolvenz abgewendet und zum 1. Dezember 2020 das Schutzschirmverfahren verlassen, in dem es umfassend saniert wurde. Letztlich ist es der dritte Versuch, die frühere Tochter des untergegangenen Reisekonzern Thomas Cook wieder in ruhigere Bahnen zu lenken.

Die geplante und bereits fest vereinbarte Übernahme durch die polnische Luftfahrt-Holding PGL war wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 in letzter Minute abgesagt worden.

Schutzschirmverfahren im Dezember verlassen

Mit Hilfe des Staates wurde bei der Condor unter dem verlängerten Schutzschirmverfahren ein kurzfristiger Kredit der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in ein langfristiges Darlehen verwandelt. Die Ferienfluggesellschaft konnte dann zum 1. Dezember den Schutzschirm verlassen. Eigentümer war nun eine Treuhandgesellschaft, die sämtliche Geschäftsanteile an die KfW verpfändet hat. Sie bleibt mit 49 Prozent Minderheitsgesellschafter bei der Condor.

Bund und Land Hessen wollen den Neustart unterstützen, indem sie auf die Rückzahlung von 150 Millionen Euro aus dem KfW-Kredit über 550 Millionen Euro verzichten, mit dem sich Condor bislang in der Luft hält. Dies steht wie die wettbewerbsrechtlichen Fragen aber noch unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch die Europäische Union.

Bund und Land sprachen von einem wichtigen Schritt für die Ferienfluggesellschaft, der ihr eine gute und nachhaltige Perspektive für Standorte und Beschäftigte gebe.

Rund 800 Jobs bereits gestrichen

Condor war unter dem Schutzschirm rekonstruiert und auf geringere Kosten getrimmt worden. Die Zahl der Beschäftigten sank um rund 800 auf nun 4.050. Für die übrigen wurden mit den Gewerkschaften Sanierungs-Tarifverträge mit finanziellen Einbußen für die Mitarbeiter geschlossen. Die Flotte bestand zuletzt aus rund 50 Flugzeugen.

"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben beeindruckend unter Beweis gestellt, dass sie jede Extrameile gehen - für Condor als Unternehmen, aber auch für unsere Kunden und Partner. Und genau das werden wir in Zukunft auch tun", erklärte Condor-Chef Ralf Teckentrup laut Mitteilung.

Das Unternehmen hat seine Zentrale vom Frankfurter Flughafen in eine günstigere Immobilie im nahen Neu-Isenburg (Offenbach) verlegt und will im Sommer wieder ein umfangreicheres Flugprogramm anbieten.

Streit mit Lufthansa

Dass der Wettbewerb nach Corona noch härter werden dürfte, zeigte sich in einem Manöver der ebenfalls vom Staat geretteten Lufthansa, die im Herbst einseitig den langjährigen Vertrag über Zubringerflüge zu den Condor-Starts in Frankfurt kündigte. Nach erheblichem Druck aus Brüssel und vom Bundeskartellamt wurde die Vereinbarung dann doch noch um ein Jahr bis in den Mai 2022 verlängert.

Der von der Corona-Krise gebeutelte Lufthansa-Konzern will selbst stärker in das von Condor betriebene Geschäft mit touristischen Langstreckenflügen einsteigen. Dafür hat Lufthansa den neuen Flugbetrieb "Eurowings Discover" gegründet, in dem die touristischen Flüge gebündelt werden sollen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.05.2021, 16:45 Uhr