Die Polizei beseitigt Behausungen von Waldbesetzern.

Im Dannenröder Forst haben die Vorbereitungen für die Rodung von Bäumen begonnen. Dazu hat die Polizei Zugangswege freigeräumt und Barrikaden von Gegnern des Weiterbaus der A49 abgebaut. Dabei gab es auch einen Verletzten.

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hessenschau von 16:45 Uhr vom 10.11.2020
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Nach monatelangen Protestaktionen gegen die Rodung des Dannenröder Forstes haben mehrere hundert Polizisten aus ganz Deutschland am Dienstag die Räumung des Waldstücks bei Homberg/Ohm (Vogelsberg) vorbereitet. Dutzende Barrikaden und Hindernisse wie gestapelte Baumstämme und Äste mit Draht wurden im nördlichen Teil des Forstes von den Wegen beseitigt, etwa 400 Barrikaden sollen die Autobahngegner der Polizei zufolge im Dannenröder Forst errichtet haben.

An einigen Stellen im Wald waren alle paar Meter Barrikaden aufgebaut. Errichtet wurden sie aus Stämmen und Ästen, mitunter umwickelt mit Stachel- oder sogenanntem Nato-Draht. Hier und dort hatten die Besetzer Gräben im Wald ausgehoben. Ein Demonstrant betonierte sich sogar die Arme ein.

Ein Demonstrant hat seine Arme einbetoniert.

Einsatz sollte Gefahrenquellen aus dem Weg räumen

Bei dem Einsatz ging es den Planungen zufolge zunächst um logistische Vorbereitungen. "Es ging darum, die Zufahrtsstraßen frei zu machen", sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Zudem seien erste Gefahrenquellen aus dem Weg geräumt worden.

Bei dem Polizeieinsatz im nördlichen Teil des Forstes kam es vereinzelt zu Konfrontationen zwischen den Autobahngegnern und den Beamten. Wie die Polizei Mittelhessen mitteilte, wurden die Beamten vereinzelt mit Steinen und Pyrotechnik beworfen. Verletzt worden sei aber niemand, die Lage sei ansonsten "relativ ruhig und entspannt", beurteilte ein Polizeisprecher am Nachmittag.

Ein Aktivist wurde verletzt

Ein A49-Ausbaugegner wird von Polizisten umringt.

Beim Vordringen der Polizei in eines der Waldbesetzer-Camps sei außerdem einer der Aktivisten verletzt worden. Mehrere Demonstranten hatten der Polizei zufolge versucht, auf Baumaschinen zu klettern. Dabei sei ein Schlagstock eingesetzt worden, einer der Autobahngegner verletzte sich den Aussagen der Polizei zufolge am Kopf und wurde medizinisch versorgt.

Im Zuge des Polizeieinsatzes wurden auch erste Aktivisten aus Bäumen geholt und abgeführt, ein Baumhaus der Waldbesetzer wurde auch bereits entfernt. Insgesamt seien acht Ermittlungs- sowie 15 Ordnungswidrigkeitenverfahren von der Polizei bei dem Einsatz am Dienstag eingeleitet worden. 17 Personen seien in Gewahrsam genommen und zum Teil bereits wieder entlassen worden, teilte die Polizei Mittelhessen mit.

Logistik-Standort für Rodungen wird errichtet

Im südlichen Bereich des Dannenröder Forstes hatte die Polizei zudem gleichzeitig erste Logistikarbeiten begleitet. Dort entsteht ein Logistik-Standort, wo für Rodungen und Bauarbeiten notwendige Maschinen zukünftig abgestellt und bewacht werden, wie ein Polizeisprecher sagte.

Erste Gittertransporte hätten am Dienstag problemlos durchgeführt werden können, zudem sei die Beleuchtung in Teilen angebracht worden, teilte die Polizei am Abend mit. Baumfällarbeiten fanden am Dienstag noch nicht statt. Der Polizeieinsatz soll am Mittwoch fortgesetzt werden.

Konkreter Rodungsbeginn noch unklar

Seit mehr als einem Jahr halten sich Umwelt- und Klimaaktivisten im Dannenröder Forst auf. Sie wollen das Abholzen des Waldgebiets verhindern. Es wird erwartet, dass es bald zu einer großangelegten Räumung des Areals kommt. Erst dann können die Baumfällarbeiten beginnen.

Die Waldbesetzer hatten in einer Mitteilung zuvor erklärt: "Wir werden diesen Wald verteidigen, das haben wir vor über einem Jahr gesagt und getan. Sie kündigten an: "Ihr werdet euch an dieser Räumung die Zähne ausbeißen!"

A49 als Verbindung von Nord- und Mittelhessen

Ein Polizei überwacht das Beseitigen von Holz-Barrikaden

Die Rodungen für den Weiterbau der Autobahn hatten am 1. Oktober begonnen. Sie konzentrierten sich zunächst auf den Herrenwald bei Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) sowie den Maulbacher Wald bei Homberg (Vogelsberg). Jeder Arbeitstag wurde von Protesten von Ausbaugegnern und zahlreichen Polizeikräften begleitet.

In der Auseinandersetzung geht es um den Weiterbau der A49. Der Lückenschluss soll Nord- und Mittelhessen besser miteinander verbinden. Insgesamt sollen für den neuen Streckenabschnitt rund 85 Hektar Wald weichen. Im Dannenröder Wald - der als eine Art Symbol für die Proteste gegen die A49 gilt - sollen 27 Hektar gefällt werden. Auf etwa 750 Hektar sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geplant, um die Eingriffe in die Natur zu kompensieren.

Gegner wollen Gerichtsbeschluss nicht akzeptieren

Für den Weiterbau der Autobahn besteht Baurecht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig lehnte im Sommer letzte Klagen gegen den Weiterbau ab. Die ersten Planungen für die A49 liegen Jahrzehnte zurück. Gegner lehnen den Lückenschluss aus Klima- und Umweltschutzgründen ab, Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Anbindung.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 10.11.2020, 16.45 Uhr