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Erdbeer-Absatz eingebrochen

Die Verbraucher halten sich zurück, die hessischen Erdbeerbauern bleiben auf ihrer Ware sitzen. Zum Teil werden die Beeren schon gar nicht mehr geerntet.

Die Wetterbedingungen in diesem Frühjahr waren für Erdbeeren eigentlich ideal. Für Erwin Eppler vom Kasseler Erdbeerhof Skwarski läuft es aber trotzdem nicht gut. Er wird seine Ware nicht los. "Alle müssen sparen, das merkt man halt", beklagt er. Auch Silvia Ruse vom Obsthof Klemme in Grebenstein (Kassel) stellt fest: "Ich habe voriges Jahr mehr verkauft, da war mittags schon alles leer."

Tatsächlich berichten die Bauernverbände von Hessen und Rheinland-Pfalz über massive Absatzprobleme bei Erdbeeren. Verbraucherinnen und Verbraucher seien wegen der hohen Inflation zurückhaltender. Dabei liegen die Preise laut Verkäufer Eppler nicht höher als im vergangenen Jahr. Eine Schale mit 500 Gramm koste derzeit etwa vier Euro.

Beeren werden nicht mehr geerntet

Trotzdem fällt es den Bauern offenbar schwer, kostendeckend zu arbeiten. "Bei der Vermarktung über den Großmarkt liegen die Preise, die pro Schale geboten werden, teilweise unter einem Euro", sagte Marie-Claire von Spee, Sprecherin des hessischen Bauernverbandes. Die Produktionskosten seien aber in Deutschland deutlich höher, erklärt Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd.

Schon Ende April hatten Erdbeerbauern von einer "Kostenexplosion" gesprochen. Neben dem steigenden Mindestlohn und hohen Kraftstoffpreisen machten den Landwirten besonders die exorbitant hohen Düngerpreise zu schaffen. Für zusätzlichen Druck sorgt die große, meist günstigere Konkurrenz aus dem Ausland, vor allem aus Spanien und den Niederlanden, wo die Saison in diesem Jahr verspätet begonnen hat.

"Daher bleiben die Beeren zum Teil hängen", sagte Marie-Claire von Spee. Auf dem Kasseler Erdbeerhof Skwarski werde schon weniger geerntet, bestätigt Verkäufer Eppler - "weil es keinen Sinn macht, wenn man es nicht verkaufen kann."

Besser zu laufen scheint es dagegen für Erdbeerbauern, die ihre Ware direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher verkaufen: Sie verzeichneten dem Verband zufolge bessere Absätze.

Auch Spargelbauern beklagen Absatzeinbruch

Mit ihrem Schicksal sind die Erdbeerbauern nicht alleine: Auch die Spargelerzeuger rechnen im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre mit einem Absatzeinbruch um 20 bis 30 Prozent - obwohl der Spargel mittlerweile wesentlich günstiger verkauft werde als in den vergangenen Jahren. Schon jetzt würden Spargelfelder aus der Produktion genommen und wegen des fehlenden Absatzes werde weniger geerntet, berichtete der Bauernverband. In Südhessen überlegen einige Spargelbauern schon, demnächst lieber Sonnenblumen anzubauen.

Neben der Zurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher und einem Preiseinbruch im Großhandel spüren die Erzeuger auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie: Viele Gastronomen, die früher Spargel abnahmen, haben es laut hessischem Bauernverband nicht durch die Corona-Pandemie geschafft.

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