Offenbacher Hafen
Blick vom Offenbacher Hafenplatz auf den Main. Links im Bild: die Aussichtsplattform "Der blaue Kran". Bild © Susanne Mayer/hessenschau.de

Vom Industriestandort zur hippen Lifestyle- und Künstlerlocation. Mit der Entwicklung des Hafens schüttelt Offenbach sein Aschenputtel-Image ab. Unser Innovations-Check.

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Innovative Orte in ganz Hessen machen den Alltag ihrer Bewohner mit ausgefallenen Ideen lebenswerter und könnten damit vielen als Vorbild dienen. hessenschau.de und hessenschau waren im Land unterwegs und haben dabei unter anderem solarbetriebene Tuk-Tuks für Tonga, Bio-Bier und eine geplante Insel mit Sandstrand entdeckt. Im Innovations-Check: Offenbach.

Ortsbesuch: Offenbacher Hafenviertel

Hafenallee, Hafenplatz, Hafeninsel, Hafencampus, Hafenschule: Nein, wir sprechen nicht über Hamburg, sondern über das neue Lieblingsquartier der Offenbacher: den Offenbacher Hafen. Containerschiffe gehen dort zwar nicht vor Anker, wirtschaftlich setzt die klamme 124.000-Einwohner-Stadt aber dennoch voll auf das neu gestaltete Areal am Wasser. "Der Hafen ist ein Leuchtturmprojekt, das positiv auf die Stadt und die Region ausstrahlt und für den Strukturwandel der Stadt Offenbach steht", sagt Felix Schwenke (SPD), Oberbürgermeister der einst industriell geprägten Stadt.

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Und in der Tat: Moderne Wohnungen am Main, ein blauer Kran als Aussichtsplattform und Wahrzeichen, der Hafenplatz mit seinen Restaurants und Cafés sowie eine neue Schule und ein schicker Spielplatz lassen einen das bislang eher schmuddelige Image der Stadt schnell vergessen. Soziale Probleme, Kriminalität, Wohnungsnot? Am Hafen zumindest auf den ersten Blick nicht erkennbar. Auch wenn Anwohner bereits von Ärger mit Jugendlichen berichtet haben, die sich nachts am Hafenplatz aufhalten.

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Wohnungen im Hafenviertel von Offenbach

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Momentan leben rund 1.000 Offenbacher in dem neuen Viertel, weitere sollen folgen. Die zum Teil gut betuchten Hafenbewohner sollen dort wohnen, arbeiten, einkaufen und ihre Freizeit verbringen können. Locations wie Hafen2, Heyne-Fabrik oder Kressmann-Halle befinden sich ja schon vor der Haustür.

Innovation : Hip, hipper, Hafenviertel

Das Hafenviertel soll nach dem Willen der Stadt künftig aber noch viel bunter und kreativer werden. "Offenbach ist heute schon ein bedeutender Hotspot für die kreative Szene, die hier noch günstige Ateliers und Arbeitsräume sowie ein subkulturelles Umfeld findet", meint OB Schwenke. Der Hafen werde den Kreativstandort weiter stärken: mit dem Neubau der Hochschule für Gestaltung (HfG) zum Beispiel. Ziel sei es, "rund um die HfG ein Cluster der Kreativwirtschaft zu schaffen", so Schwenke.

Blick auf den Hafenplatz vom Blauen Kran aus.
Blick auf den Hafenplatz vom Blauen Kran aus. Bild © Jan Vogel

Die unter Platznot leidende HfG kann sich künftig am Hafen auf einer Fläche von 15.000 Quadratmetern ausbreiten. Von der Landesregierung bekommt die HfG dafür 100 Millionen Euro. Noch in diesem Jahr soll ein internationaler Architektenwettbewerb bestimmen, wer den Neubau gestalten darf. 2021 könnte dann der Bau beginnen, es soll das letzte Projekt sein, das am Hafen fertiggestellt wird.

Tschüss Frankfurt, hallo Offenbach

Künstlerkollektiv YRD.WORKS
Ruben Fischer (Mi.), David Bausch (re.) vom Künstlerkollektiv YRD.WORKS vor der Kressmann-Halle. Links im Bild: der Maler Tom Król. Bild © hessenschau.de

Auf dem künftigen HfG-Areal befindet sich die Kressmann-Halle, eine alte Montagehalle nahe der Hafenmeisterei. Dort hat sich das Künstlerkollektiv YRD.WORKS - bestehend aus Ruben Fischer, David Bausch und Yacin Boudalfa - seit Sommer 2016 zur Zwischennutzung eingemietet. "Wir nutzen hier die Kressemann-Halle, die wir zu einem Ausstellungort umsaniert haben", sagt der 31 Jahre alte Künstler David Bausch, der in Frankfurt wohnt. Die Halle diene den Künstlern auch als Büro.

"Wir genießen hier unheimlich viele Freiräume", ergänzt sein Kollege Ruben Fischer. Er ist ebenfalls 31 Jahre alt und wie Bausch HfG-Absolvent. Inzwischen ist er von Frankfurt nach Offenbach gezogen. Dass die Künstler vermutlich 2021 für den HfG-Neubau wieder raus müssen, sei kein Problem. "Wir machen gerne temporäre Projekte." In Offenbach ähnlich preisgünstige Alternativen zu finden, dürfte allerdings schwierig werden. Denn auch dort sind die Mietpreise in den vergangenen Jahren gestiegen.

Zukunftsmusik: Eine Insel mit Sandstrand

Diese Visualisierung zeigt, wie die Hafeninsel mit Dünen später aussehen soll.
Diese Visualisierung zeigt, wie die Hafeninsel mit Dünen später aussehen soll. Bild © HH Vision/OPG

Auch auf der Hafeninsel zeigt sich Offenbach kreativ: Wie es sich für eine richtige Insel gehört, soll es an der Inselspitze auch mittelfristig Sanddünen geben und zum Hafenbecken hin eine Uferlandschaft mit Sandstrand. Wer jetzt Lust auf einen Sommerurlaub in Offenbach bekommen hat: An der Inselspitze werden auch zwei Hotel- und Bürotürme gebaut. Dazu kommen: Fitnessangebote, ein Ausflugslokal, eine Schiffsanlegestelle und Grünflächen zum Entspannen.

Es fehlt nur noch ein Wasserhäuschen mit Küstennebel-Schnaps im Angebot. Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Daniela Matha, Geschäftsführerin der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG), hat schon früh klar gestellt: Der Dünenpark wird keine Partymeile. Na gut, auf die Frankfurter Skyline schauen und dabei meditieren ist ja okay.

Neben den geplanten Türmen ist das Lofthaus Molenpark ein weiteres Bauprojekt auf der Hafeninsel. Baustart für das Neun-Millionen-Projekt mit dem Arbeitstitel "Schwarzer Schwan" war im April dieses Jahres. In das Gebäude, das zehn Privatleute in einer Bauherrengemeinschaft namens Ahoi GmbH entstehen lassen, zieht unter anderem eine Food-Agentur.

Umwelt: Jeder Fahrradfahrer wird gezählt

Radfahrer, die auf dem gut ausgebauten Mainradweg zwischen Frankfurt und Offenbach unterwegs sind, kommen übrigens automatisch am Hafenviertel vorbei – und werden gezählt. Denn dort steht die einzige Fahrradzählstelle in Hessen. Fein fürs Klima: An Hochtagen sind es bis zu 5.000 Radler, die mit Hilfe von Induktionsschleifen im Boden gezählt werden.

"Mit der Zählstelle wollen wir den Radverkehr in der Öffentlichkeit sichtbar machen und für das umweltfreundliche Verkehrsmittel werben", so OPG-Geschäftsführerin Matha. Das scheint zu klappen: Von Januar bis September 2018 wurden im Hafenviertel rund 640.000 Radler gezählt, in diesem Jahr dürfte die Zahl ähnlich ausfallen.

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Fazit: Das finden wir gut

Der Hafen ein Hotspot für Kreative und Künstler? Das finden wir gut! Bis die Hochschule für Gestaltung dort hinzieht, dauert es allerdings noch. In Sachen Lebensqualität haben die Offenbacher durch das Viertel aber jetzt schon viel gewonnen: Der Hafenplatz, an dem es zum Wasser hinunter geht, lädt zum Chillen ein. An Verpflegung mangelt es auch nicht, dank neuen Cafés und Restaurants (die natürlich auch alle den Hafen im Namen tragen). Auch die geplante Dünenlandschaft und der Sandstrand auf der Hafeninsel klingen verlockend.

Die teils grau-in-grau gehaltenen Wohnkomplexe im Hafenviertel sehen zwar ziemlich gleich und etwas öde aus. Ein Cappuccino mit Blick aufs Wasser und die Frankfurter Skyline trösten einen aber schnell darüber hinweg.

Sendung: hessenschau, 9.8.2019, 19.30 Uhr