Das Uniklinikum Gießen, Verpflegung in der Klinik Fulda, die Mensa in Marburg, Essen in einer Kita: Wilke Wurst kam in vielen Bereichen in Hessen auf den Tisch.

Produkte des Fleischherstellers Wilke sind in zahlreichen hessischen Großküchen verarbeitet worden. Nach hr-Informationen wurden sie an Kliniken und Universitäten, aber auch an Kitas, Schulen und Altenheime geliefert. Eine Übersicht.

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Produkte der Firma Wilke aus Twistetal (Waldeck-Frankenberg) sind in mehreren hessischen Großküchen verarbeitet und in öffentlichen Einrichtungen verzehrt worden. Allein im Kreis Marburg-Biedenkopf wurden mindestens 264 Betriebe mit Ware des nordhessischen Herstellers beliefert. Zudem berichten mehrere Krankenhäuser und Studentenwerke dem hr, bis zum Bekanntwerden des Lebensmittelskandals noch Fleisch und Wurst von Wilke ausgeteilt zu haben.

Auf Produkten der Anfang Oktober dicht gemachten und inzwischen insolventen Firma wurden Listerien gefunden - Keime, die die potenziell tödliche Krankheit Listeriose auslösen können. Inzwischen ist klar, dass 2018 drei Personen außerhalb Hessens an einem Listeriose-Stamm gestorben sind, der auf Wilke-Waren zurückzuführen ist. Zuvor war von zwei Toten in Südhessen die Rede - ein Fehler des Landkreises Waldeck-Frankenberg, wie sich am Freitag herausstellte.

Überblick über Landkreise, Kreisstädte, Kliniken und Studentenwerke

Der hr hat sämtliche hessischen Landkreise und Kreisstädte sowie größere Kliniken und Studentenwerke angefragt, ob sie in ihren Einrichtungen Wilke-Wurst verarbeitet oder ausgeteilt haben. Landkreise und Städte betreiben mehrere Einrichtungen, in denen auch Verpflegung angeboten wird. Dazu können Schulen, Kindergärten/Kitas, Seniorenheime oder Krankenhäuser gehören.

Dass Wilke-Produkte ausgeteilt wurden, bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass deren Verzehr auch ungesund war. Umgekehrt gilt aber auch: Entwarnung kann es nicht geben, auch in den Fällen, in denen Kreise erklären, nach ihrem Kenntnisstand nicht betroffen zu sein. Denn nicht immer haben die genannten Landkreise und Städte den kompletten Überblick über sämtliche Einrichtungen. Vielerorts werden zum Beispiel die Kitas von ganz unterschiedlichen Caterern beliefert. Die alle einzeln abzufragen würde den Rahmen dieser Auflistung sprengen.

Dimension des Falls greifbar machen

Einen amtlichen Überblick dazu gibt es nicht. Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch hatte am Freitag versucht, per Eilantrag zu erreichen, dass der zuständige Landkreis Waldeck-Frankenberg über Verkaufs- und Abgabestellen der Produkte informieren muss. Nach foodwatch-Angaben hat das Gericht den Antrag abgewiesen.

Das Ziel dieser Liste ist daher zwar einerseits, Transparenz herzustellen. Gleichzeitig geht es aber auch darum, die Dimension des Falls greifbar zu machen. Denn hier abgefragt sind hauptsächlich öffentliche Betriebe, keine privaten Restaurants, Bäckereien, Supermärkte etc.

Weitere Informationen

Verbraucher-Hotline

Das Verbraucherministerium hat seit Mittwoch eine Hotline eingerichtet: Unter 06151-126082 werden Fragen zur Wilke-Rückrufaktion beantwortet. Erreichbar ist die Nummer montags bis donnerstags zwischen 8 und 16.30 Uhr sowie freitags zwischen 8 und 15 Uhr.

Ende der weiteren Informationen

Die Informationen werden in diesem Artikel laufend aktualisiert, sobald sie vorliegen.

Die Übersicht:

Kliniken

Studentenwerke

Kreisfreie Städte

Kreisstädte

Landkreise

Catering-Betriebe

Großhändler

Hintergrund

Kliniken in und um Darmstadt: "Nehmen jede Wurst in die Hand"

Das Klinikum Darmstadt erklärt, keine Wilke-Produkte im Sortiment zu haben oder gehabt zu haben. Dennoch würden nach wie vor sämtliche Warenlieferungen kontrolliert. "Wir nehmen jede Wurst in die Hand und schauen nach der ID-Nummer."

Auch die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg würden nicht mit Wilke-Wurst beliefert, so eine Sprecherin.

Uniklinik Gießen und Marburg (UKGM): Wilke-Brotbelag für die Patienten

An beiden Standorten hat das UKGM Wilke-Wurst als Brotbelag ausgegeben. Allerdings: "Wegen Engpässen bei einem Lieferanten gab es am Standort Marburg schon längere Zeit keine Wilke-Ware mehr", so Sprecher Frank Steibli. Das Klinikum habe aber nach dem Bekanntwerden der Vorfälle "umgehend reagiert", die Ausgabe von Wilke-Produkten gestoppt und vorhandene Ware aus dem Verkehr gezogen.

Lahn-Dill-Kliniken: Alles entsorgt, Patienten werden getestet

Die Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar teilen mit, dass an allen Standorten - Wetzlar, Dillenburg und Braunfels - Patienten und Angestellte Wilke-Produkte gegessen hätten. "Aufgrund aufmerksamer Mitarbeiter wurden die Waren bereits vor dem offiziellen Rückruf aussortiert und alternative Produkte eingesetzt", erklärt Sprecherin Stefanie Mohr. Das Veterinäramt habe die Kliniken anschließend überprüft und keine Wilke-Produkte mehr gefunden. Patienten würden bei kleinstem Verdacht auf Listerien getestet. "Aktuell liegen bei uns keine Listerienbefunde vor."

Gesundheit Nordhessen: Vom Zulieferer falsch informiert

Man habe "sofort reagiert und alle Kühlhäuser auf Produkte dieser Firma überprüfen lassen", so Ulrike Meyer auf der Heide, Sprecherin der Gesundheit Nordhessen. Gesundheit Nordhessen betreibt neben dem Klinikum Kassel auch die Kreiskliniken Hofgeismar und Wolfhagen sowie das Krankenhaus Bad Arolsen und die Seniorenwohnanlagen SWA Kassel. Einzelne Produkte, die bei der Kontrolle auftauchten, habe man entfernt.

Dann gab es aber Chaos mit dem Großhändler - mehr dazu siehe hier: "Unser Zulieferer, die SB-Union, hatte am 2. Oktober zunächst fälschlicherweise die Auskunft erteilt, wir hätten keine Waren von Wilke erhalten. Später hat die SB-Union ihre Aussage korrigiert, sodass wir die sofort aus dem Umlauf genommenen Artikel mittlerweile zurückgeben konnten."

Klinikum Fulda: 50 bis 60 Kilo Wilke-Wurst pro Woche

Auch in Fulda hat das Klinikum wöchentlich 50 bis 60 Kilogramm Wilke-Wurst für das Frühstück und Abendessen der Patienten bezogen. 130 Kilo Wilke-Wurst haben die Verantwortlichen entsorgt, nachdem der Lieferant noch am 2. Oktober gewarnt hatte. Das bestätigte die Klinik dem hr. Zuerst hatte die Fuldaer Zeitung darüber berichtet.

Bürgerhospital Frankfurt: Eine Wilke-Sorte im Haus

Als am 2. Oktober der Großhändler und später auch das Stadtgesundheitsamt das Bürgerhospital über den Wilke-Rückruf informiert, weiß man dort schon bescheid: Die Küchenleitung hatte schon selbst den Großhändler kontaktiert, um sich zu informieren. "Da wir nur eine Wurstsorte der Firma Wilke vorrätig hatten und sämtliche andere Wurstwaren von anderen Herstellern beziehen, waren wir nur am Rande betroffen", so ein Sprecher.

Man könne aber definitiv ausschließen, dass Patienten zu Schaden gekommen sind: "Bei keinem unserer Patienten gab es in den vergangenen Wochen und Monaten einen positiven Listerien-Befund."

Uniklinik Frankfurt: Keine Wilke-Produkte bezogen

Das Universitätsklinikum Frankfurt erklärte, dass es keine Produkte der Firma Wilke beziehe und verwende. Nach Bekanntwerden der Listerien-Belastung habe das Qualitätsmanagement der Klinik gegriffen und rasch sichergestellt, dass weder die Klinik selbst noch einer ihrer Lieferanten Wilke-Produkte beziehen.

Sana-Klinikum Offenbach: Nichts von Wilke

Auch das Offenacher Sana-Klinikum hat nach eigenen Angaben keine Wilke-Waren bezogen.

Kliniken in Limburg und Diez: Keine Wilke-Waren

"Weder das St. Vincenz-Krankenhaus Limburg noch das Krankenhaus in Diez" erhalte und verarbeite Produkte aus Twistetal, so eine Sprecherin. Auch über Drittanbieter sei nichts von Wilke in die Krankenhäuser gelangt.

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Firmenschild des nordhessischen Wurstproduzenten Wilke, durch Gitterstäbe fotografiert.
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Studentenwerk Gießen: Präventiv alles gesperrt

"Wir hatten Putenbrust, Kochschinken und Frühstücksschinken von der Firma Wilke", berichtet Eva Mohr, Sprecherin des Studentenwerks Gießen. Damit wurden Brötchen belegt, der Frühstücksschinken kam zum Beispiel auch auf Burger.

Mohr berichtet, dass ein Mitarbeiter des Studentenwerks Gießen am 2. Oktober, als der Skandal bekannt wurde, im Radio von dem Fall gehört und die Hochschulgastronomie informiert habe. Die habe direkt alle Wilke-Produkte sperren lassen: "Innerhalb von einer halben Stunde waren bei uns alle Wilke-Produkte aus dem Sortiment verschwunden, präventiv, noch bevor der Rückruf kam", berichtet Mohr.

Keine Infos von Wilke

Anschließend hätten die Mitarbeiter selbst bei Lieferanten nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist und welche sonstigen Handelsmarken betroffen sind. "Der Informationsfluss von Wilke in unsere Richtung war nicht vorhanden."

Das Studentenwerk betreibt 15 Mensen, Cafeterien und Kaffeebars in Gießen, Friedberg, Fulda und Wetzlar und gibt jedes Jahr 1,2 Millionen warme Mahlzeiten aus. "Wir nehmen regelmäßig Proben, sowohl vom Essen in der Mensa als auch von der Zwischenverpflegung - also zum Beispiel belegte Brötchen. Bisher waren uns keine Auffälligkeiten bei Wilke-Wurst bekannt", sagt Mohr.

Studentenwerk Marburg: Landsalami auf den Brötchen

Ähnlich ist es an der Universität Marburg, dort lag die Landsalami auf den belegten Brötchen. Auch hier habe man sofort nach Bekanntwerden keine Wilke-Produkte mehr verwendet, Krankheitsfälle seien nicht bekannt, sagt eine Sprecherin des Studentenwerks.

Studierendenwerk Kassel: Acht Dosen Wurst zurückgeschickt

Das Studierendenwerk Kassel berichtet, acht Dosen Würstchen aus dem Lager an einen Zwischenhändler zurückgegeben zu haben - unmittelbar nach den ersten Infos am 2. Oktober.

Studentenwerk Frankfurt: Keine Wilke-Waren

Anders ist es in Frankfurt - hier "werden und wurden keine Wilke-Produkte verwendet", teilt eine Sprecherin mit. Man habe sofort sämtliche Lieferanten abgefragt: "Unsere Lieferanten haben uns schriftlich bestätigt, dass sie in keiner Geschäftsbeziehung zu Wilke stehen beziehungsweise standen."

Studierendenwerk Darmstadt: Nichts von Wilke

In Darmstadt konnte das Studierendenwerk mitteilen, dass "weder von der Firma Wilke vertriebene Produkte noch Produkte, die im Zusammenhang mit der Listerien-Problematik auf der Rückrufliste genannt werden, vorliegen und an Kunden gelangen. Von dem Skandal habe man ebenfalls über die Medien erfahren.

Stadt Frankfurt: Kitas sofort gewarnt

Kita Frankfurt, Eigenbetrieb der Stadt, habe "sofort nach Bekanntwerden eine entsprechende Warnung rausgeschickt", teilt ein Sprecher mit. Es gebe derzeit aber keine Erkenntnisse darüber, dass Wilke-Produkte in städtischen Schulkantinen oder Kitas ausgegeben wurden. Dennoch werde das Stadtschulamt die Schulleitungen und Caterer nach den Herbstferien nochmals auf das Thema hinweisen.

Offenbach: Städtische Kita bezog Wilke-Waren

Offenbachs Stadtsprecher Fabian El-Cheikh sagte auf Anfrage, es sei nur eine kleinere, städtische Kita mit Wilke-Waren beliefert worden. Als der Fall öffentlich wurde, seien jene Waren schon längst verzehrt oder vernichtet worden. Erkrankungen im Zusammenhang mit den Wurstwaren seien nicht bekannt.

Stadt Wiesbaden: 272 Betriebe betroffen, darunter fünf Schulen

Auch in Wiesbaden habe das Amt für Veterinärwesen aus den Medien von den Listerien-Vorfällen erfahren, berichtet ein Sprecher der Stadt. 272 Betriebe, darunter fünf Schulen, vier Kindergärten und zwei Kliniken, hätten Wilke-Ware erhalten - bis zum Bekanntwerden der Vorfälle. Die Stadt habe selbst den Kontakt mit den Großmärkten und Supermärkten gesucht. Am Freitag, zwei Tage später, seien die ersten Lieferlisten über das Schnellwarnsystem eingetroffen.

Stadt Kassel: Auch städtische Einrichtungen mit Wilke-Produkten

In Kassel als nächstgelegene Großstadt zur Wilke-Produktionsstätte in Twistetal sind zahlreiche Wilke-Produkte im Umlauf gewesen, so ein Sprecher der Stadt, darunter auch in mehreren Großhandels-Betrieben. In den Listen, die das Regierungspräsidium seit dem 2. Oktober verschickt hat, fänden sich aber "auch Betriebe in städtischer Trägerschaft, die Wilke-Produkte bezogen haben". Diese seien informiert worden, "sodass nach Bekanntwerden keine weiteren Wilke-Produkte verarbeitet worden sind." Um wie viele und welche Art von Betrieben es handelt, geht aus der Antwort nicht hervor.

Stadt Marburg: In der Altenhilfe waren geringe Mengen Wilke-Produkte

In Marburger Kitas und Schulen seien keine Wilke-Produkte verwendet worden, teilt eine Sprecherin mit. In den Fällen, in denen die Kitas nicht selbst einkaufen und kochen, hätten das die Caterer schriftlich bestätigt. Auch bei den Schulen lägen keine entsprechenden Erkenntnisse vor. Allerdings kamen Wilke-Produkte "in sehr geringer Menge" in der Altenhilfe St. Jakob vor. Diese wurden demnach entsorgt. "Bei den betroffenen Produkten handelt es sich um Waren im Wert von weniger als 100 Euro", erklärt die Sprecherin.

Seit 2017 seien sämtliche städtische Einrichtungen in Marburg ohnehin verpflichtet, nur Lebensmittel von hoher Bio- oder regionaler Qualität zu verwenden, heißt es von der Stadt. Trotzdem habe man nach Bekanntwerden der Vorwürfe sämtliche Einrichtungen und Tagespflegepersonen über die Wilke-Produkte informiert.

Lauterbach: Fünf Kitas hatten Wilke-Wurst

Der Caterer der Stadt Lauterbach hat Wilke-Wurst verarbeitet, so eine Sprecherin der Stadt, "aber nach Bekanntgabe die Wurst sofort aus dem Sortiment genommen". Davon betroffen seien die fünf städtischen Kindertageseinrichtungen. Weitere Einrichtungen seien nicht in der Trägerschaft der Stadt.

Stadt Korbach: Kitas ohne Wilke, Krankenhaus mit

Da die Kitas in Korbach kaum Fleisch verwenden und wenn, es beim Metzger vor Ort einkaufen, wurden hier keine Wilke-Produkte festgestellt. Allerdings teilt das Stadtkrankenhaus mit, über den Korbacher Großlieferanten Schwalenstöcker und Gantz Waren aus dem Hause Wilke bezogen zu haben. Der Großhändler habe am Mittwoch über den Rückruf informiert und das Krankenhaus habe entsprechend sofort sämtliche Waren gesperrt und aus der Cafeteria entfernt.

Stadt Gießen: Nichts über Wilke-Produkte bekannt

Sie betreibe keine Kantinen, teilt die Stadt Gießen mit. Unterschiedliche private Anbieter beliefern demnach die städtischen Kitas. Einer davon, das gemeinnützige Zaug (Zentrum Arbeit und Umwelt Gießen), schreibt dem hr: "Wir haben keine Produkte der Firma Wilke an Kitas und Schulen ausgeliefert." Und: "Informationen zu dem Thema kamen bisher ausschließlich aus der Presse." Man habe nach Bekanntwerden selbst recherchiert, später hätten zwei Lieferanten ein Schreiben zum Thema geschickt.

Darmstadt: Der Eigenbetrieb hatte keine Wilke-Ware

Der Eigenbetrieb der Stadt, EAD, hat nach Angaben einer Pressesprecherin "keine Produkte von Wilke bekommen". Der EAD beliefert einen Teil der städtischen Schulen - die anderen erhalten ihre Nahrungsmittel von privaten Unternehmen, "die entweder selbst produzieren oder Fertigprodukte von anderen Firmen beziehen." Inwiefern hier auf die Wilke-Vorfälle reagiert wurde, teilt die Stadt nicht mit.

Wetzlar: Kinder haben wohl keine Wilke-Produkte gegessen

Die Stadt Wetzlar schickt einen lapidaren Satz, der dennoch viele Eltern erleichtern dürfte: "Zu Ihrer Anfrage teile ich Ihnen mit, dass in den städtischen Kitas in Wetzlar keine Wilke-Wurst verarbeitet wurde."

Limburg: Keine Kenntnis über Wilke-Ware

Sämtliche Kitas in Limburg sind in kirchlicher oder privater Trägerschaft. Das Bistum Limburg teilt aber mit, dass die Kitas von unterschiedlichen Caterern beliefert werden oder selbst kochen, es also keine zentrale Stelle gibt, die den Überblick hat. Allerdings: "Wir haben keine Kenntnis davon, dass Produkte der Firma Wilke ausgegeben wurden", so eine Sprecherin.

Stadt Gelnhausen: In Kitas wird vor Ort gekocht

Die Gelnhäuser Senioren- und Pflegeheime werden nicht von der Stadt betrieben, die Schulen sind Sache des Kreises. In den städtischen Kitas werde vor Ort gekocht, sagt eine Sprecherin. "Der Betreiber bezieht nach eigenen Angaben keine Produkte der Firma Wilke, auch nicht über Lieferanten."  

Kreis Marburg-Biedenkopf: Mindestens 264 Betriebe mit Wilke-Wurst beliefert

Zwar sei der endgültige Umfang nicht ersichtlich, teilt der Kreis Marburg-Biedenkopf mit. Aber am Freitagvormittag seien 264 Betriebe bekannt, die Wilke-Wurst erhalten hätten, und zwar von zwei Großhändlern.

Ein Gewerbetreibender habe den Landkreis am Mittag des 2. Oktober, also unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwüfe, darauf hingewiesen. "Daraufhin wurden die beiden Großhändler über den Sachverhalt informiert, die vorhandene Ware gesperrt, ein Rückruf bei den jeweiligen Kunden angeordnet und die entsprechenden Liefer- bzw. Kundenlisten angefordert." Ab dem 4. Oktober habe der Kreis dann die betroffenen Kunden informiert.

Kreis Offenbach: Alle Hände voll zu tun

Im Kreis Offenbach hält der Wurst-Skandal die Lebensmittelkontrolleure ebenfalls in Atem. "Die Kollegen haben derzeit alle Hände voll zu tun mit den Kontrollen", sagte ein Sprecherin des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz dem hr. Bislang sind 64 Betriebe angeschrieben worden, die nachweislich Waren des Herstellers Wilke bezogen haben. Die Anzahl der betroffenen Privatpersonen lasse sich derzeit noch nicht feststellen, so die Sprecherin weiter.

Schwalm-Eder-Kreis: Geringe Menge Wilke-Produkte

Für den Schwalm-Eder-Kreis betreibt ein externer Caterer die Kantine der Kreisverwaltung, er beliefert auch etwa 20 Schulen und Kindergärten, so eine Sprecherin. Dieser Anbieter habe eine geringe Menge Wilke-Wurstwaren über einen Großhändler eingekauft. "Mit der Schließung des Betriebes am 2. Oktober 2019 wurden die Waren aussortiert und zwischenzeitlich vom Großhändler auch abgeholt." Bei einer späteren Überprüfung habe eine Kreis-Mitarbeiterin im Lager des Caterers keine Wilke-Produkte mehr gefunden.

Rheingau-Taunus-Kreis: Schulen wurden mit Wilke beliefert

Die Schulen im Rheingau-Taunus-Kreis wurden mit Wilke-Produkten beliefert, so ein Sprecher. Der Vorlieferant habe den Küchenbetreiber am 3. Oktober, also dem Tag nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe, informiert. Der Kreis selbst habe "durch das Schnellwarnsystem der vorgesetzten Behörde, dem Regierungspräsidium" von den Wilke-Vorwürfen erfahren, der Rückruf sei stichprobenweise überwacht worden. Altenheime oder Kitas betreibe der Kreis nicht.

Vogelsbergkreis: Wilke-Waren zurückgegeben oder vernichtet

Das Alsfelder Kreiskrankenhaus hat keine Wilke-Produkte bezogen, teilt eine Sprecherin des Vogelsbergkreises mit und zitiert Geschäftsführer Ingo Breitmeier: "Das haben wir natürlich sofort nach Bekanntwerden der Verunreinigungen geprüft und ausgeschlossen." Allerdings seien andere Einrichtungen im Kreis mit Wilke-Produkten beliefert worden. Die Leiterin des Amts für Veterinärwesen und Verbraucherschutz (AVV) sagt aber, als das AVV die Einrichtungen überprüfte, sei man dort bereits informiert gewesen. Die Produkte seien an die Großhändler zurückgegangen oder beseitigt worden.

Landkreis Limburg-Weilburg: Einige Betriebe beliefert, keine Schulen

Nach Angaben der Kreisverwaltung Limburg-Weilburg wurden einige Betriebe mit Wilke-Waren beliefert. Das Veterinäramt habe in zwei Betrieben Produkte von Wilke gefunden, diese aber sofort sichergestellt und vernichtet. Die anderen belieferten Betriebe hätten die Waren mit Bekanntwerden der Vorwürfe direkt selbstständig aus dem Verkehr gezogen. In keiner Schulkantine oder Cafeteria im Kreisgebiet seien Wilke-Waren ausgegeben worden

Kreis Kassel: Zahlreiche betroffene Stellen - aber nicht der Kreis selbst

Die Schnellwarnstelle schicke seit Tagen "mehrmals täglich eine Flut von Excel-Tabellen mit Betrieben, die Wilke-Produkte erhalten haben", erklärt ein Sprecher des Landkreises. Darunter sind Krankenhäuser, Kantinen, Mense, Kitas, aber auch Großhändler, Pizzerien, Bäckereien, Imbisse und Gaststätten. Der Kreis überwacht den Rückruf der Produkte und ermittelt Vertriebswege. "Die gute Nachricht ist, dass so gut wie alle Betriebe die Wilke-Produkte schon längst aus dem Verkehr gezogen hatten", sagt der Sprecher.

Der Landkreis selbst betreibe dagegen keine Verpflegungsbetriebe.

Odenwaldkreis: Gesundheitszentrum ohne Wilke, Schulen werden informiert

Im Gesundheitszentrum Odenwaldkreis mit Krankenhaus und Altenheim wurden keine Wilke-Produkte verwendet, so ein Kreissprecher. Die Schulen werden von Caterern versorgt. Diese seien gehalten, regional einzukaufen. "Nach dem Ende der Herbstferien wird es von unserer Schulverwaltung am Montag einen entsprechenden Hinweis an die Schulen geben."

Hochtaunuskreis: Nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen

Weder Krankenhäuser, noch Schulen oder Kitas: Eine Pressesprecherin des Hochtaunuskreises teilt mit, dass die Betriebe des Landkreises nach bisherigen Erkenntnissen "nicht betroffen" sind vom Wilke-Skandal.

Groß-Gerau: Caterer hat keine Wilke-Wurst verarbeitet

Sieben Caterer versorgen die Schulen im Kreis Groß-Gerau, und keine von ihnen hat Wilke-Produkte für das Mittagessen verwendet - das teilt eine Sprecherin dem hr mit. Sie betont zudem, dass unterschiedliche Stellen das Essen regelmäßig kontrollierten.

Die Firma Mirogh's Bistro, die unter anderem mehrere Schulen, aber auch das Finanzamt, das Landratsamt und das Fraunhofer Institut Darmstadt beliefert, teilt mit, sie verwende ebenfalls keine Wilke-Produkte.

Lahn-Dill-Kreis: Nichts bekannt

Der Lahn-Dill-Kreis, Träger von 87 Schulen mit Schulkantinen, teilt mit, es sei nicht bekannt, dass dort Wilke-Produkte verarbeitet worden seien. Die Schulkantinen würden ein Mal jährlich vor Ort kontrolliert, die Lebensmittelkontrolleure beim Veterinäram des Landkreises würden zudem regelmäßig die Caterer kontrollieren.

Sodexo: In einer Küche gelegentlich Wilke-Wurst verarbeitet

Der Caterer Sodexo, einer der größten Konzerne dieser Art weltweit mit Deutschlandsitz in Rüsselsheim (Groß-Gerau), teilt auf hr-Anfrage mit, der Konzern habe "über eine große deutsche Einzelhandelskette gelegentlich eine geringe Menge an Wurst und Fleisch bezogen, die von dem betroffenen Hersteller stammte". Die Produkte seien in einer einzigen der 280 Betriebsküchen in Deutschland verarbeitet und an einen Kunden in Baden-Württemberg geliefert worden, zuletzt am 30. September.

apetito: Keine Wilke-Produkte

Auch der Großcaterer apetito aus Nordrhein-Westfalen, dessen Lebensmittel nach eigenen Angaben täglich 1,3 Millionen Menschen bundesweit verzehren, teilte dem hr mit: "Die apetito AG hat keine Produkte bezogen, die von der Firma Wilke hergestellt wurden."

Großküchen beziehen Fleisch selten direkt vom Hersteller

Schon am Montag hatte der Möbelkonzern Ikea mitgeteilt, in seinen Restaurants Wilke-Produkte verkauft zu haben. Inwiefern weitere Schulen und Kitas in Hessen Wilke-Wurst verarbeitet oder ausgeteilt haben, ist noch nicht bekannt.

Dass all diese Informationen nun erst Stück für Stück zutage kommen, liegt an den komplexen Lieferketten im Lebensmittelbereich. Die Großküchen haben die Wurst zumeist nicht vom Hersteller direkt bezogen, sondern von Großmärkten in der Region.

Ein wichtiger Großhändler in Ost-, und Nordhessen ist Groma in Fulda. Das Unternehmen teilt mit, man habe direkt am 2. Oktober sämtliche Wilke-Produkte aus dem Verkauf genommen und zurückgerufen, noch bevor der offizielle Rückruf kam. Anschließend habe man alle Kunden, die seit dem 1. August Wilke-Produkte bezogen haben, über die Risiken informiert und die Vernichtung empfohlen. An wen geliefert wurde, teilt das Unternehmen nicht mit.

SB-Union: Waren im Wert von 80.000 Euro

Der Großhändler SB-Union aus Melsungen, nach hr-Informationen unter anderem Lieferant des Studentenwerks Marburg, habe ebenfalls am Mittwochmittag von den Verdachtsfällen erfahren, berichtet Geschäftsführer Hans-Richard Schneeweiß. An allen zwölf Standorten in Hessen, Niedersachsen und Thüringen seien sofort die Waren gesperrt worden.

Mit dem Rückruf habe man am Freitagmorgen begonnen - am Donnerstag war ja Feiertag. Rund 3.000 Kunden haben Schneeweiß zufolge in den vier Wochen zuvor Wilke-Produkte bezogen, die hat SB-Union kontaktiert und ausgelieferte Waren zurückgeholt. "Waren im Wert von 80.000 Euro" habe der Konzern nun auf die Seite gelegt, die Hälfte davon aus eigenen Beständen, die andere Hälfte aus den Lagern der Kunden.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wilke-Geschäftsführer

Anfang Oktober war öffentlich geworden, dass in Wilke-Produkten Listerien gefunden wurden. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer. Unterdessen wehrt sich die Firma juristisch gegen die Schließung, ein entsprechender Eilantrag ging am Donnerstag beim Verwaltungsgericht Kassel ein.

Inzwischen ist bekannt, dass das zuständige Verbraucherschutzministerium schon seit dem 12. August von dem Listerien-Verdacht wusste. Die entscheidende Information sei aber erst im September erfolgt, so Ministerin Priska Hinz.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt 10.10.2019, 13 Uhr