Ja-Fleisch im Supermarkt mit neuer Kennzeichnung.
Ja-Fleisch trägt die Kennung der Stufe 1: Stallhaltung. Das ist die niedrigste Tierwohl-Kategorie. Bild © Martin Honecker

Eingepfercht in der Massentierhaltung, oder ein wenig Grün und Bewegungsmöglichkeit? Eine neue Kennzeichnung von Fleisch im Supermarkt soll dem Verbraucher Auskunft geben: Wie hat das Tier gelebt? Bio-Schweinehalter sehen das kritisch.

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Biofleisch im Regal beim Discounter

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Umfrage: "Wir kaufen unser Fleisch nur beim Bauern."

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Zu finden ist die neue Kennzeichnung ab April auf Fleischprodukten bei den Supermarktketten Aldi, Lidl, Edeka, Kaufland, Rewe, Penny und Netto. Diese Firmen kommen damit einem staatlichen Tierwohl-Label, das Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) 2020 einführen möchte, zuvor. Sie haben sich in der "Initiative Tierwohl" zusammengeschlossen – und sich auf die einheitliche Kennzeichnung zur Haltungsform geeinigt, bei den Produkten, die sie in ihren Regalen anbieten. Wie sieht der Stall aus, in dem das Tier steht, wie viel Platz hat es, ganz generell: Wie lebt es? Nach Aussage der "Initiative Tierwohl" decken die beteiligten Supermarktketten zusammen 80 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels ab.

Derzeit finden sich auf Fleisch in Supermärkten zahlreiche unterschiedliche Siegel. Da gibt es zum Beispiel das Tierschutzlabel vom deutschen Tierschutzbund, das Siegel des Vereins "Neuland" und die verschiedenen Bio-Siegel – etwa Naturland, Bioland oder demeter. Das Problem für den Kunden: Er muss sich schon sehr gut mit den verschiedenen Kennzeichnungen und Siegeln auf Fleischverpackungen auskennen, um wirklich beurteilen zu können, wie die Tiere tatsächlich gelebt haben.

Bei den einen "Premium" - bei den anderen Grundvoraussetzung

Auf die Verpackungen von Fleisch im Supermarkt ist eine Art Ampel aufgedruckt, die in vier Stufen eingeteilt ist und die ohnehin vorhandenen Tierwohl-Siegel einteilt – je nachdem wie hoch die Standards zum Tierwohl beim jeweiligen Siegel sind. Vier Stufen sollen dem Kunden zeigen, wie es den Tieren in ihren Mastbetrieben ergangen ist:

  1. Stallhaltung
  2. Stallhaltung plus
  3. Außenklima
  4. Premium

Stallhaltung – Stufe 1: Das ist die niedrigste Stufe. Dementsprechend niedrig sind auch die Tierschutzstandards im Mastbetrieb. Sie entsprechen den gesetzlichen Mindestanforderungen. Die Stufe 1 ist auf dem "Haltungsform"-Kennzeichen rot eingefärbt – und signalisiert damit die schlechteste Stufe. Hier werden Fleischprodukte einsortiert, die überhaupt kein Siegel tragen. In der Regel ist das das Fleisch vom Discounter, das dafür am billigsten ist.

Stallhaltung plus - Stufe 2: Wie der Name schon andeutet, haben Tiere, die auf dieser Stufe gehalten werden, etwas mehr Platz im Stall und auch "Beschäftigungsmaterial". Das kann nach Angaben der "Initiative Tierwohl" etwas Stroh für Hühner sein, oder eine Kratzbürste für Kühe.

Außenklima - Stufe 3: Diese Tiere müssen Zugang zu einem Außenbereich haben. Kühe müssen wenigstens in der Vegetationsperiode – also der warmen Jahreshälfte – raus in Freie gehen können. Fleischprodukte, die etwa das bereits bestehende Siegel "Tierschutzlabel – Einstiegsstufe" tragen, steigen hier überhaupt erst mit ihrer niedrigsten Stufe ein.

Premium Stufe 4. Hier werden die höchsten Tierschutzstandards eingehalten, suggeriert diese Stufe – denn sie ist auf dem "Haltungsform"-Index in grün unterlegt. Das ist aber nicht die höchste Stufe, die denkbar ist, sondern die höchste Stufe innerhalb dieses Labels. Tatsächlich haben Tiere hier deutlich mehr Platz als minimal vorgeschrieben, Biofleisch etwa wird grundsätzlich in diese höchste Stufe einsortiert. Wenn Verbraucher aber denken, in dieser Stufe ist das Fleisch immer nach höchsten Bio-Standards hergestellt, liegen sie falsch. Denn auch nicht Bio-Fleisch kann bei der neuen "Haltungsform"-Kennzeichnung schon "Premium" sein.

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Markiertes Schwein im Stall

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Was bedeutet eigentlich "Tierwohl"?

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Kunden und Landwirte sind skeptisch

Und das sorgt für Kritik. Das Aktionsbündnis der Bioschweinehalter Deutschlands (ABD) aus Nordhessen etwa fordert, dass in Stufe vier ausschließlich Biofleisch eingeordnet werden sollte. Die Haltungsvorgaben bei Biofleisch lägen deutlich über dem, was das neue Label für seine beste Stufe fordert. "Für die Kundinnen und Kunden ist somit die klare Unterscheidbarkeit – und gerade deshalb soll die Fleischkennzeichnung doch eingeführt werden – nicht mehr gegeben", schreiben die Bioschweinehalter.

Und auch Kunden sind skeptisch, ob die neue Kennzeichnung auf der Fleischverpackung wirklich mehr Klarheit bringt. "Ich denke es ist recht schwer, einfach nur mit so einem Siegel unterscheiden zu können, wie das Fleisch in den Laden kommt", sagt ein Kunde in einem Frankfurter Supermarkt. "Also ich wüsste nicht, ob ich mich daran orientieren würde, wenn ich ehrlich bin." Andere Kunden trauen dem Label gar nicht und kaufen ihr Fleisch nach eigenen Angaben lieber direkt beim Bauern auf dem Wochenmarkt.

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale lobt, dass die Kennzeichnung von verpacktem Fleisch nun übersichtlicher sei und sich die Produkte so leicht vergleichen ließen. Nun solle diese "Ehrlichkeit" aber auch an der Frischetheke gelten, sagte eine Sprecherin der Verbraucherzentrale. Gerade in der Frischetheke werde im Supermarkt meistens der niedrigste Standard angeboten.

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Haltungsform-Kennzeichen der "Initiative Tierwohl"

Bereits seit rund einem Jahr haben die meisten Supermarktketten eigene Kennzeichnungen, um verschiedene Qualitätsstufen in der Tierhaltung sichtbar zu machen. Bisher hießen die etwa "Haltungskompass" bei Lidl oder "Haltungszeugnis" bei Netto. Das neue "Haltungsform"-Kennzeichen der "Initiative Tierwohl" soll diese nun ab 1. April ersetzen und vereinheitlichen. Nach Aussage der Initiative soll zunächst das verpackte Fleisch im Kühlregal gekennzeichnet werden – später sei dann auch eine Kennzeichnung von Fleisch an der Frischetheke denkbar.

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