Beschäftigte von Amazon Bad Hersfeld streiken zum "Prime Day"
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Satte Rabatte gibt es dieser Tage wieder bei Amazon. Geht es nach den Beschäftigten, warten die Kunden diesmal länger auf ihre Päckchen. Am Morgen streikten allein in Bad Hersfeld rund 500 Mitarbeiter für faire Löhne.

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Beim Onlinehändler Amazon wird an diesem Montag und Dienstag erneut gestreikt. Nach Angaben des Verdi-Handelsexperten Orhan Akman legten am Montagmorgen allein in Bad Hersfeld rund 500 Mitarbeiter der Frühschicht die Arbeit nieder, bundesweit seien es über 2.000. "Wir sind sehr zufrieden mit der Beteiligung", sagte Akman gegenüber dem hr. "Gerade wenn man bedenkt, dass Ferienzeit ist und der Arbeitgeber versucht hat, Streikwillige mit Bonuszahlungen zu locken, damit sie nicht an dem Streik teilnehmen."

Die Streikenden in Bad Hersfeld riefen unter anderem "Heute ist kein Prime Day, heute ist Streik-Day!" und "Ohne uns kein Geschäft!"

Anlass des Streiks ist der dieses Mal an zwei Tagen laufende Aktionstag "Prime Day" mit Sonderangeboten für Stammkunden. Unter dem Motto "Kein Rabatt auf unsere Einkommen" lassen der Gewerkschaft Verdi zufolge die Mitarbeiter an sieben deutschen Standorten seit Mitternacht ihre Arbeit ruhen - darunter auch in den beiden Verteilzentren in Bad Hersfeld. Die Gewerkschaft behält sich vor, den Streik noch weiter auszudehnen.

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Verdi kämpft seit mehr als sechs Jahren um einen Tarifvertrag und Lohnerhöhungen. In ganz Deutschland hat Amazon zwölf Warenlager an elf Logistikstandorten und beschäftigt dort nach eigenen Angaben rund 13.000 Angestellte.

Verdi wirft Amazon Tarifflucht vor

"Während Amazon mit satten Preisnachlässen beim 'Prime Day' zur Schnäppchenjagd bläst, wird den Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten", kritisierte Verdi-Handelsexperte Akman den US-Konzern. Die Rabatte lasse sich Amazon durch Tarifflucht und Niedriglöhne der Beschäftigten bezahlen.

Das Unternehmen müsse endlich die Tarifverträge für den Einzel- und Versandhandel anerkennen, fordert Verdi. Amazon bezahlt die Mitarbeiter hingegen nach den niedrigeren Maßstäben des Logistik-Gewerbes.

In der Vergangenheit hat Amazon stets bestritten, dass der pünktliche Versand der Waren unter den Ausständen leide. "Der Streikaufruf hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal", teilte ein Unternehmenssprecher am Montag mit.

Man zahle auch ohne Tarifbindung "am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist". Am Streik beteiligen wollen sich Mitarbeiter an den Standorten Bad Hersfeld, Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben und Koblenz.

Sendung: hr-iNFO, 15.07.2019, 0 Uhr