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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fehlende Lastwagen-Stellplätze auf Autobahn-Raststätten

Lkw-Fahrer Autobahnparkplatz

Vor Weihnachten verrichten die Paketdienste Schwerstarbeit - auch sonst wird immer mehr bestellt. Dadurch wächst der Güterverkehr auf den Autobahnen. Und mit ihm die Unfallgefahr, weil Lkw-Fahrer oft keinen Parkplatz finden.

Ein Lastwagen parkt verbotenerweise auf der Zufahrt zum Rastplatz Medenbach auf der A3 bei Wiesbaden, im Dunkeln für ankommende Autofahrer schwer zu erkennen. Einem jungen Mann aus Düsseldorf wird das zum Verhängnis. Er kracht mit seinem Golf unter den Auflieger und stirbt noch am Unfallort.

Ein schrecklicher Unfall, der ein Schlaglicht auf ein zunehmend drängendes Problem auf den Autobahnen wirft, wie Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) in Frankfurt sagt. Sein Verband weise seit fast zwei Jahrzehnten auf die überfüllten Lkw-Parkplätze hin. "Die Politik hat zwar reagiert", sagt Engelhardt. Aber die ausufernde Brummi-Flut mache jeden Fortschritt zunichte. "Das Problem wird größer und größer."

Lkw-Anteil am Güterverkehr bei 72 Prozent

So wie auf der A3-Raststätte Medenbach. Von nachmittags an sind die Lkw-Parkplätze dort laut Polizei eigentlich täglich dicht. Verbotenes Parken ist dort ein Dauerproblem - und nicht nur dort. Nach Schätzung des Güterkraftverkehrverbands fehlen deutschlandweit mehr als 40.000 Lkw-Stellplätze, davon in Hessen rund 3.000. Die Folge: Brummi-Fahrer parken auch da, wo es gefährlich werden kann. Und sei es nur, um auszusteigen und zu Fuß nachzuschauen, ob ausnahmsweise doch noch ein freier Platz zu finden ist.

Auch der ADAC Hessen-Thüringen fordert von der Politik "realistische Planungen für neue Stellplätze". Aber wie viele sind überhaupt nötig?

Das Bundesverkehrsministerium äußert sich derzeit nicht zu dieser Frage. Zwar liegt in den Schubladen des Ministeriums seit mehr als einem Jahr eine Bedarfserhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen. Doch seit Monaten heißt es auf Journalistenanfragen nur: Die Erhebung werde "demnächst" veröffentlicht.

Hessen baut mehrere Rastplätze aus

Stattdessen verweist das CSU-geführte Ministerium auf Anstrengungen vergangener Jahre: Seit 2008 seien an den Autobahnen mehr als 17.000 neue Lkw-Stellplätze gebaut worden. Rund eine Milliarde Euro habe der Bund dafür bezahlt. Zudem stünden den Bundesländern jährlich 110 Millionen Euro für weitere Stellplätze zur Verfügung.

Das Land Hessen macht von diesen Mitteln Gebrauch. Allein im laufenden Jahr habe man mehr als zwölf Millionen Euro für den Ausbau von Rastplätzen ausgegeben, heißt es aus dem Verkehrsministerium in Wiesbaden. Derzeit würden die Rastanlagen Uttrichshausen-Ost an der A7, Rimberg und Schäferborn (beide an der A5) ausgebaut.

In Kolonne intelligenter parken

Auf der A5-Anlage Taunusblick soll die Zahl der Lkw-Parkplätze mit Hilfe eines intelligenteren Parkplatz-Managements verdoppelt werden. Das System nutzt auch Platz, der bisher für das Ein- und Ausparken frei bleiben musste: Die Lastwagen reihen sich in eng gepackten Kolonnen aufreihen.

Das funktioniert, weil sich die Fahrer über ein Terminal anmelden. Je nach geplanter Abfahrtszeit wird ihnen ein Standplatz zugewiesen, von dem aus sie zur gewünschten Zeit auch aus der Kolonne ausparken können.

Immer mehr Tonnen auf den Straßen

Das alles wird nicht ausreichen. Das Statistische Bundesamt berichtet, dass der Güterverkehr auf deutschen Straßen von rund 398 Milliarden Tonnenkilometern (zurückgelegte Kilometer multipliziert mit beförderter Gütermenge in Tonnen) im Jahr 2004 auf rund 479 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 2017 gestiegen sei. Tendenz: weiter steigend.

Der Anteil der Lastkraftwagen am Güterverkehr in Deutschland nahm zwischen 2013 und 2018 von 70,4 auf 71,9 Prozent zu, im Jahr 2022 wird er nach einer Prognose von Bundesverkehrsministerium und Kraftfahrtbundesamt noch etwas darüber liegen.

Bestellen, bestellen, bestellen

Ursache ist laut Dirk Engelhardt vom Logistik-Verband BGL nicht zuletzt das Verhalten vieler Verbraucher: "Wir bestellen zu viele Paketsendungen."

Derzeit werden in Deutschland 3,5 Milliarden Sendungen pro Jahr befördert. Bald schon werde die Vier-Milliarden-Grenze durchbrochen, sagt Engelhardt. Die Folge: Weiter ausufernder Lkw-Verkehr und anhaltende Parkplatznot an den Autobahnen.

Sendung: hr4, 20.12.2019, 15.30 Uhr