Kurzarbeit

In der Corona-Krise setzen deutlich mehr Unternehmen auf Kurzarbeit als in der Finanzkrise 2008. In den letzten beiden Wochen gingen bei den hessischen Arbeitsagenturen schon 32.000 Anzeigen ein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zehntausende Anträge auf Kurzarbeitergeld

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Die Corona-Krise macht Hessens Unternehmen zu schaffen. Und das offenbar mehr als die Finanzkrise 2008 und 2009, zumindest an der Zahl der Kurzarbeiter gemessen. Allein in den beiden vergangenen Wochen seien bei den Arbeitsagenturen in Hessen rund 32.000 Anzeigen eingegangen, berichtete die Regionaldirektion Hessen am Dienstag in Frankfurt.

In der von der Lehman-Pleite ausgelösten Finanzkrise dagegen betrug der Höchstwert in Hessen in einem Monat 1.470 Anzeigen - also rund ein Zwanzigstel. Laut Direktionschef Frank Martin liegt das daran, dass im Unterschied zur Finanzkrise vor rund zehn Jahren von der aktuellen Corona-Krise Unternehmen fast aller Branchen und Größenklassen betroffen sind.

Bundesweit haben in der Corona-Krise inzwischen rund 470.000 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, wie tagesschau.de berichtet. Die Betriebe können rückwirkend zum 1. März 2020 Kurzarbeitergeld nutzen, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsausfall von mehr als zehn Prozent haben. Zudem werden die Sozialbeiträge zu 100 Prozent von der Agentur übernommen.

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Was ist Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld soll den Verdienstausfall zumindest teilweise ausgleichen, der Arbeitsplatz kann erhalten bleiben. Betroffene Arbeitnehmer erhalten grundsätzlich rund 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Lebt mindestens ein Kind im Haushalt, sind es rund 67 Prozent.

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"Ausmaß wird bislang bekannte Dimension überschreiten"

Während der Finanzkrise hatte es vornehmlich die Industrie getroffen, dieses Mal seien auch viele Dienstleister dabei. "Das Ausmaß der Kurzarbeit wird daher die bislang bekannten Dimensionen deutlich überschreiten. Wir müssen und wir werden die Unternehmen in dieser Situation unterstützen", erklärte Martin.

Wie viele Kurzarbeiter es durch die Corona-Krise insgesamt geben wird, konnte die Regionaldirektion noch nicht beziffern. Letztlich sei aber nicht die Zahl der Anträge entscheidend für die langfristigen Folgen, sondern die Dauer der Krise, sagte der Direktionschef.

Arbeitslosenzahlen werden steigen

Es sei bereits klar, dass die Arbeitslosenzahlen in Hessen ansteigen werden. "Zwar kann durch Kurzarbeit viel abgefedert werden, jedoch laufen befristete Verträge aus und Neueinstellungen sind derzeit in vielen Branchen unrealistisch", teilte Martin mit.

Am Montag hatte es bereits großen Zulauf bei den Soforthilfen für Selbstständige und Kleinunternehmen gegeben. Bereits nach sechs Stunden seien rund 5.000 Anträge eingereicht worden, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Die Server des Regierungspräsidiums Kassel, wo der Antrag online gestellt werden kann, waren stundenlang überlastet.

Sendung: hr-iNFO, 31.03.2020, 15.00 Uhr