Die Arbeitslosenzahlen im November 2020.

Trotz der Corona-Pandemie ist die Arbeitslosigkeit in Hessen im November etwas gesunken. Wie die Krise schadet, zeigt aber ein Vergleich mit dem vergangenen Jahr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Etwas weniger Arbeitslose im November

Bundesverfassungsgericht kippt harte Hartz-IV-Sanktionen
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In Hessen ist die Zahl der Arbeitslosen im November leicht gesunken. Sie nahm gegenüber Oktober um knapp 6.000 auf rund 188.000 ab, wie die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank damit im Vergleich zum Vormonat Oktober von 5,6 auf 5,5 Prozent.

Dieser Rückgang sei typisch für einen November, sagte Frank Martin, Geschäftsführer der Regionaldirektion Hessen: Draußen auf dem Bau könne noch gearbeitet werden und im Einzelhandel werde Personal für das Weihnachtsgeschäft eingestellt.

Allerdings schlägt sich die Pandemie sehr wohl deutlich auf dem Arbeitsmarkt nieder, wie der Vergleich mit dem November 2019 zeigt. Die aktuelle Arbeitslosenquote ist spürbar höher: Damals waren es noch 4,2 statt 5,5 Prozent.

Kaum Entlassungen in Gastronomie

Derzeit trifft die Arbeitslosigkeit laut Arbeitsagentur vor allem Mitarbeiter mit befristeten Verträgen. Wenn diese Verträge auslaufen, werden sie in der Krise oft nicht verlängert. Das gilt besonders in der Automobil- und der Luftfahrtindustrie, die von der Pandemie besonders betroffen sind.

Demgegenüber griffen in diesem Monat in den Hotels und Gaststätten sowie im Handel die staatlichen Hilfen während des Teil-Lockdowns. Trotz der Corona-Krise wurde hier kaum Personal entlassen, anders als im Transport und in der Logistik.

Die Anzeigen für Kurzarbeit sind im November unter dem Eindruck der erneuten Beschränkungen wieder angestiegen. Die Unternehmen meldeten in 3.500 Anzeigen rund 27.500 Beschäftigte neu an. Damit ist die Zahl seit März auf mehr als 960.000 Beschäftigte gestiegen.

Hohe Quote bei Schwerbehinderten

Auch Menschen mit schwerer Behinderung haben in der Corona-Pandemie mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Wie aus Zahlen der Aktion Mensch hervorgeht, waren im Oktober in Hessen deutlich mehr Menschen mit Schwerbehinderung ohne Arbeitsplatz als noch im Oktober 2019. Mit einem Anstieg um 16,2 Prozent auf rund 12.560 Menschen lag der Zuwachs im Land demnach deutlich über dem Bundesschnitt von etwa 13 Prozent.

Die Corona-Pandemie werfe die Inklusion auf dem deutschen Arbeitsmarkt um etwa vier Jahre zurück, teilte die Aktion Mensch in Bonn mit. Ein Jobverlust treffe Menschen mit Behinderung ungleich härter.

Streitpunkt höhere Sozialleistungen

Der DGB Hessen-Thüringen forderte mehr Geld für Beschäftigte mit niedrigen Einkommen. "Es sind vor allem prekär Beschäftigte, die enorme Einkommensverluste hinnehmen mussten. Befristete Arbeitsverträge, Minijobs und Arbeit zum Mindestlohn erweisen sich in der Krise als Armutsfalle", sagte der Bezirksvorsitzende Michael Rudolph. Es brauche höhere Hartz-4-Sätze, höhere Mindestlöhne und eine höhere Bindung an Tarifverträge.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände warnte hingegen vor der Ausweitung von Sozialleistungen. Die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes ab dem vierten und dem siebten Monat sollte umgehend beendet werden, erklärte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag müsse dauerhaft unter 40 Prozent stabilisiert werden. Unternehmen sollte zudem die Möglichkeit gegeben werden, sich Verluste aus diesem Jahr auf frühere Gewinne steuerlich anrechnen zu lassen.

Sendung: hr-iNFO, 1.12.2020, 10 Uhr