Ein Flugzeug der Airline Ryanair rollt zum Vorfeld des Flughafens Frankfurt.
Ein Ryanair-Flugzeug rollt zum Vorfeld des Flughafens Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Erstmals hat Ryanair in Deutschland einen Tarifvertrag gebilligt. Er gilt für rund 1.100 Flugbegleiter und bringt ihnen die Annehmlichkeiten des deutschen Arbeits- und Sozialrechts.

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Ryanair-Flugzeuge stehen in Reihe

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Billigflieger Ryanair billigt Tarifvertrag für Flugbegleiter

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Nachdem die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der irische Billigflieger Ryanair sich bereits auf ein Eckpunktepapier für rund 400 deutschen Piloten geeinigt hatten, steht nun nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ein umfangreiches Tarifwerk für die rund 1.100 in Deutschland stationierten Flugbegleiter.

Mindestarbeitszeit von 600 Stunden im Jahr

Nach langwierigen Verhandlungen wurden unter anderem ein um 600 Euro im Monat höheres Grundgehalt, weitere Entgeltsteigerungen um bis zu 250 Euro und Sozialplanregeln bei Versetzungen vereinbart, wie die Gewerkschaft am Mittwoch mitteilte. Darüber hinaus gilt eine garantierte Mindestarbeitszeit von 600 Stunden im Jahr. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von November 2018 bis Ende März 2021. Die Regelungen gelten auch für Leiharbeitnehmer in der Kabine.

Dem Vertrag war im November eine Einigung über Eckpunkte vorausgegangen, der die Verdi-Mitglieder mit großer Mehrheit zugestimmt hatten. Ryanair hat in Frankfurt die größte deutsche Basis. Die Geschäftsführung der Billig-Fluglinie äußerte sich zu dem Tarifpapier zunächst nicht.

Verdi: "Extrem prekäre Arbeitsbedingungen gestoppt"

Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle sagte, erstmals werde für die Beschäftigten deutsches Arbeits- und Sozialrecht angewandt. "Dadurch fallen sie unter den deutschen Kündigungsschutz und erhalten zukünftig unter anderem Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall." Das sei ein großer Etappensieg, "den wir vor allem durch den Mut der Beschäftigten erreicht haben, die trotz starker Repressalien gestreikt haben". Behle betonte: "Mit dem Gesamtpaket konnten wir die extrem prekären Arbeitsbedingungen stoppen."

Ärger gibt es nach Angaben von Verdi noch um die Bildung eines Betriebsrates. Öffentlichkeit und Politik hätten sich erfolgreich für eine Betriebsratsgarantie im Luftraum eingesetzt, sagte Behle: "Jetzt versucht Ryanair erneut, sich der Verantwortung zu entziehen." Die irische Fluggesellschaft argumentiere damit, keinen Betrieb in Deutschland zu haben. Verdi akzeptiere diese Argumentation nicht.

Verhandlungen über Piloten-Tarifvertrag laufen

Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft VC über einen ersten Tarifvertrag für die deutschen Ryanair-Piloten laufen noch. Trotz der Einigung auf ein Eckpunktepapier erzeilten die beiden Parteien noch keine Einigung.