Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kein Verkauf an Eisdielen erlaubt

Spaghetti-Eis Spaghettieis

Verwirrung bei mancher Eisdiele: Darf man in der Corona-Krise noch Speiseeis verkaufen oder nicht? Zumindest noch im Straßenverkauf oder per Lieferdienst? Nein, stellten die Behörden klar. Dieser Frühling startet also ohne Spaghetti-Eis. In den sozialen Medien stößt das Verbot auf Kritik.

Für Liebhaber von frischem Speiseeis aus der Eisdiele hat es sich in den nächsten Tagen und vermutlich auch Wochen erst einmal ausgeschleckt. Sie können sich den Gang zur Eisdiele vorerst sparen, denn seit Freitag ist auch der Straßenverkauf von Speiseeis offiziell verboten.

Bis dahin hatten die Kommunen hier und da ein Auge zugedrückt. Nicht einmal die Auslieferung von Eis zum Kunden - wie bei Essenslieferdiensten und Restaurants - ist den Eisdielen-Besitzern jetzt noch erlaubt.

Polizei erinnert per Twitter an das Verbot

Die hessischen Polizeipräsidien erinnerten am Dienstag noch einmal an das Verkaufsverbot für Eisdielen. Trotz des frühlingshaften Wetters in den kommenden Tagen dürfe weiter kein Eis in Eiscafés bestellt oder abgeholt werden, teilten die Behörden bei Twitter mit.

Auch wenn die Wettervorhersage für die kommenden Tage frühlingshafte Temperaturen ankündigt, gilt die aktuelle Verordnung. Gönnt euch nach der Corona-Krise eine extra Portion Eis in der Eisdiele. Bis dahin gilt weiterhin: #StayAtHome #FlattenTheCurve

[zum Tweet mit Bild]

Eisdielen-Besitzerin: "Weiß nichts davon"

Die verschärfte Verordnung zur Bekämpfung des Coronavirus hat aber nicht alle hessischen Eisdielenbesitzer erreicht. "Nein, davon weiß ich nichts. Ich muss erst einmal bei der Polizei anrufen, ob das wirklich so ist. Die hatten vor ein paar Tagen noch gesagt, dass alles so in Ordnung geht", sagte eine Frankfurter Eisdielen-Besitzerin am Dienstag dem hr.

Sie sei davon ausgegangen, dass der Straßenverkauf und auch die Auslieferung von Eis weiterhin erlaubt seien. "Wenn das Verbot aber so ist, werde ich natürlich gleich die Eisdiele schließen."

Eisdiele

Ministerium reagiert auf "Nachfragen und Unklarheiten"

Die Eiscafé-Besitzerin ist in guter Gesellschaft. Denn auch andere Eisdielen in Frankfurt verkaufen Eis weiterhin "to go" oder liefern aus. Doch damit ist jetzt endgültig Schluss.

Am vergangenen Freitag präzisierte das hessische Wirtschaftsministerium seinen Wortlaut "aufgrund der vielen Nachfragen und Unklarheiten hinsichtlich des Betriebes von Eisdielen".

Weiter teilte das Ministerium den Kommunen schriftlich mit, dass man sich "in Abstimmung mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration darauf verständigt, dem Wortlaut der Verordnung streng zu folgen und keine Ausnahmen - auch nicht in Form von Auslieferungen - zuzulassen".

Eisdiele

Eis kein Grundnahrungsmittel - Eisdiele scheitert vor Gericht

Warum aber dürfen Eisdielen nicht "to go" verkaufen oder ausliefern, Restaurants jedoch schon? Die Begründung: Eis ist ein Genussmittel und kein Grundnahrungsmittel. Außerdem haben die Ordnungshüter große Bedenken, dass sich der Virus in Warteschlangen an Eisdielen ausbreiten könnte.

Eine Eisdiele im nordrhein-westfälischen Lippe scheiterte übrigens am Montag mit einem Eilantrag gegen die Zwangsschließung. Das Mindener Verwaltungsgericht argumentierte unter anderem, dass beim Besuch einer Eisdiele nicht lebensnotwendige Sozialkontakte verursacht würden und damit die Gefahren für das Gesundheitssystem stiegen.

"Eis Christina" reagiert verständnisvoll

Die in Frankfurt und über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Eisdiele "Eis Christina" gab am Dienstagabend bekannt, den Betrieb komplett einzustellen. Zuletzt hatte der im Stadtteil Nordend beheimatete Familienbetrieb sein Eis noch über einen Lieferanten an die Frau beziehungsweise den Mann gebracht.

"Wir schließen auch gerne, wenn wir dadurch unseren Beitrag leisten können, um den Virus nicht noch mehr zu verbreiten und somit endet die Krise auch schneller und wir können wieder für Sie da sein", schreibt das beliebte Eiscafe auf seiner Facebook-Seite.

Einzige Alternativen: Supermarkt-Eis oder selbstgemacht

Auf jeden Fall trifft die Verordnung die hessischen Eisdielenbesitzer hart. Sie müssen das Frühlingsgeschäft wohl abschreiben und verlieren viel Geld.

Und natürlich leiden auch alle Eisliebhaber. Die einzige Möglichkeit, auch während der Corona-Krise an Spaghetti-Eis oder einen Biene-Maja-Becher zu kommen, ist der Gang in den Supermarkt und Kreativität in der Küche.

Reaktionen im Netz: "Das ist doch jetzt reine Willkür"

Bei vielen Nutzern auf der hessenschau-Facebook-Seite indes stößt die Schließung der Eisdielen auf Unverständnis. "So kann man die Gastronomie platt machen. Die Auslieferung erfolgte ohne jeglichen Kontakt. Wo ist der Unterschied, ob ich mir eine Pizza bestelle oder ein Eis liefern lasse?", fragt ein Nutzer verärgert.

Nutzkommentare

"Das ist doch jetzt reine Willkür. Ob ich mir jetzt nachmittags beim Bäcker Kaffee und Kuchen hole oder in der Eisdiele ein Eis, kommt doch wahrlich auf dasselbe hinaus", meint ein anderer Nutzer.

Sendung: hr4, 01.04.2020, 9:20 Uhr