Foto- und Filmstudio mit vielen Screens und einer Kamera. Im Hintergrund der eigentliche Studioraum mit einem so genannten green screen und einem Sprecher, der darin für einen Film aufgenommen wird.

Durch die Corona-Pandemie sind Berufsmessen ausgefallen und Praktika schwierig. Das hat zur Folge, dass Unternehmen für offene Ausbildungsstellen immer weniger Bewerbungen bekommen. Um das zu ändern, entwickeln viele Firmen kreative Ideen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So kreativ werben Unternehmen um Auszubildende

Screenshot Instagram-Account von "VonAzuB - Ausbildung in Hessen" - viele Informationsangebote zum Thema Ausbildung werden mit farbigen Bildern und Protagonisten beworben.
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Die Firma Hegro Eichler aus Büttelborn (Groß-Gerau) setzt bei der Suche nach neuen Auszubildenden auf eine, die weiß wovon sie spricht. Der Großhändler für Hygiene- und Desinfektionsmittel schickt seine Auszubildende Anna Schneiker in virtuelle Klassenzimmer, als sogenannte Ausbildungsbotschafterin.

Portrait von Anna Schneiker, wie sie am Schreibtisch sitzt.

Die 20-Jährige macht eine Ausbildung als Kauffrau und beantwortet den Schülern dazu alle möglichen Fragen, etwa wie viel sie verdient und was ihr am meisten Spaß macht. "Ich bin nicht viel älter als die Schüler und kann mit denen auf Augenhöhe sprechen", sagt Schneiker. "Und da ich selbst frisch aus der Schule raus bin, kenne ich das Gefühl, wenn man kurz vor dem Abschluss steht und nicht weiß, wie es weitergeht." Das Angebot komme bei den Jugendlichen gut an, nachdem in Corona-Zeiten vieles andere wegfalle, etwa Praktika und Berufsmessen.

Virtuelle Rundgänge und 360-Grad-Videos

Damit verschärft die Pandemie bereits bestehende Probleme. "Wir haben gerade bei den technischen Berufen schon lange einen Fachkräftemangel, es interessieren sich zu wenige junge Menschen für handwerkliche Tätigkeiten", gibt Marc Huth zu. Er ist beim Darmstädter Energieversorger Entega für das Thema Ausbildung zuständig.

Um Schulklassen den Betrieb virtuell nahezubringen, hat Entega ein Fernsehstudio eingerichtet. In Live-Schalten berichten Auszubildende über ihre Erfahrungen und beantworten Fragen. Um die einzureichen, gibt es einen Chat. "Denn manche Schüler sind schüchtern", so die Erfahrung von Ausbildungskoordinator Huth. Auf der Internetseite des Unternehmens sorgt das Angebot für deutlich mehr Klicks.

Manche Auszubildenden-Jahrgänge fallen aus

Ein ähnliches Projekt setzt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis die Jugendwerkstatt Felsberg um. Der Koordinator Marcel Smolka erstellt 360-Grad-Videos, die sich Schüler mit Virtual-Reality-Brillen ansehen können. "Wir waren zum Beispiel in einer Fischerei in Fritzlar, haben die Kamera direkt neben den Teichen aufgestellt", erzählt Smolka. "Der Ausbildungsleiter hat dann gezeigt, wie man die Fische füttert und mit dem Kescher herausholt."

Ein junger Mann, der aus einem Fischzuchtbecken Fische heraushebt. Das Bild können wir mit einer Virtuell Reality-Brille sehen. So ist es verzerrt und hat zwei Fluchtpunkte.

Auch das soll Jugendlichen Lust machen auf eine Ausbildung, ohne dass sie erst stundenlang zu einem Betrieb fahren müssen. Allerdings sind einige Unternehmen durch die Corona-Pandemie so stark gebeutelt, dass sie gar keine Schulabgänger ausbilden wollen. "Die wollen lieber ein Jahr lang mit der Ausbildung aussetzen", meint Smolka. Daran würden alle staatlichen Hilfen und Fördermittel nichts ändern.

Youtube-Filme und Insta-Stories sollen Lust machen

Gerade Gastronomen, Hoteliers und Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche hätten sich im letzten Jahr mit Ausbildungsplätzen zurückgehalten, heißt es beim hessischen Wirtschaftsministerium. Zugleich hätten sich weniger junge Leute auf eine Ausbildungsstelle beworben. "Das hat dazu geführt, dass im vergangenen Jahr in Hessen rund 33.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden - 13 Prozent weniger als im Jahr davor", sagt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

Um einen weiteren Rückgang zu vermeiden, hat das Ministerium vor kurzem eine Werbeoffensive gestartet und setzt vor allem auf die sozialen Medien. Da könne man die Jugendlichen abholen. Auf Youtube und Instagram erklären sogenannte Azubi-Reporter etwa, was Karosseriebauer oder Lackierer eigentlich genau machen.

Screenshot Instagram-Account von "VonAzuB - Ausbildung in Hessen" - viele Informationsangebote zum Thema Ausbildung werden mit farbigen Bildern und Protagonisten beworben.

Auch Influencer setzen sich für das Thema ein, etwa der Youtuber Shayan Garcia aus Wiesbaden. Er hat selbst schon zwei Ausbildungen abgeschlossen, unter anderem als Mediengestalter, und davon nach eigenen Angaben sehr profitiert: "Ich habe dadurch nicht nur praktische Erfahrungen sammeln können, sondern auch gelernt, wie man mit Menschen umgeht", sagt er. Deshalb will er auch seinen Followern eine Ausbildung ans Herz legen und bekommt viele positive Rückmeldungen.

30-Sekunden-Video bringt fünf neue Mitarbeiterinnen

Wie erfolgreich eine Werbung im richtigen Umfeld sein kann, zeigt das Beispiel des Frisörsalons von Tim Schädlich aus Eltville. Er hat den Weg in die Sozialen Netzwerke schon vor Jahren eingeschlagen, schaltet keine Werbeanzeigen mehr, sondern wirbt nur noch auf TikTok, Instagram und Youtube für sich.

Da lässt der Inhaber Tim Schädlich seine Auszubildenden zum Beispiel über ihren Alltag sprechen und das kommt bei anderen Jugendlichen an. "Letztes Jahr haben wir ein Video gemacht, das war nur dreißig Sekunden lang, dadurch konnte ich fünf neue Leute einstellen, auch Auszubildende", sagt Schädlich. Fachkräftemangel - dieses Problem hat zumindest er nicht.

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