Klinikum Frankfurt Höchst
Klinikum Frankfurt Höchst Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Nach Berichten über Missstände in der Psychiatrie des Klinikums Frankfurt-Höchst ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung. Eine verdeckte TV-Reportage hatte unter anderem berichtet, dass dort einzelne Patienten wochenlang ans Bett gefesselt wurden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Klinikum Höchst: Ermittlungen wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung

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Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen Mitglieder der Geschäftsführung, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf hr-Anfrage mitteilte. Wie erst jetzt bekannt wurde, leitete die Anklagebehörde das Verfahren wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung am 8. April ein. Anlass sind nach Behördenangaben zwei Strafanzeigen, die im März eingegangen waren.

Die Anzeigeerstatter werfen der Klinik vor, Psychiatrie-Patienten ohne ausreichenden Grund zu fixieren, also ans Bett zu fesseln. Die Anzeigen stammen nicht von betroffenen Patienten, sondern von "besorgten Bürgern", wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sich ausdrückte.

Eine Klinik-Sprecherin erklärte, der Geschäftsführung sei nichts von Ermittlungen bekannt. "Sollte die Staatsanwaltschaft ihren Anfangsverdacht verfolgen und sich zwecks weiterer Ermittlungen mit uns in Verbindung setzen, stehen wir dem kooperativ gegenüber", teilte sie dem hr mit.

Waren Fixierungen rechtmäßig?

Neben der Frankfurter Staatsanwaltschaft prüft derzeit auch das hessische Sozialministerium als Aufsichtsbehörde, ob die Fixierungen in der Höchster Psychiatrie rechtmäßig waren. Dazu wertet das Ministerium derzeit die Fixierungsprotokolle des vergangenen Jahres aus. Ergebnisse der Prüfung seien im Herbst zu erwarten.

Über Missstände in der Klinik hatte zuerst die RTL-Sendung "Team Wallraff" im März berichtet. Die TV-Aufnahmen machte eine Journalistin, die verdeckt als Praktikantin auf der Station arbeitete. Ihre Undercover-Reportage gab Hinweise auf eine Vielzahl möglicher Mängel in der Akut-Station: verdreckte Aufenthaltsräume, mangelnde ärztliche Betreuung oder wochenlange Fixierungen von Patienten.

Vorwürfe: Patienten bis zu acht Wochen fixiert

Zu sehen waren in der Reportage etwa drei Männer, die in einem Raum mit Gurten an ihre Betten gefesselt sind. Durch eine Glasscheibe werden sie vom Pflegepersonal im Stationszimmer beobachtet. Eigentlich stünde den fixierten Patienten eine Eins-zu-eins-Betreuung zu, erklärte eine Pflegerin der Undercover-Reporterin. Aus Personalmangel sei das aber nicht möglich.

Es gebe einzelne Patienten, die je nach Verhalten bis zu acht Wochen lang fixiert würden, berichtete die Pflegerin. Die RTL-Reporterin selbst beobachtete während ihrer Praktikumszeit einen Patienten, der länger als eine Woche ans Bett gefesselt blieb.

Auch hr erhielt Hinweise ehemaliger Patienten

Das Klinikum bezeichnete den RTL-Bericht unmittelbar nach der Ausstrahlung im März als stark verkürzt und aus den individuellen Zusammenhängen sowie Krankheitsbildern gerissen. Man werde intern intensiv aufklären und Missständen - sollten sie vorhanden sein - vorbehaltlos nachgehen, hieß es in einer Mitteilung.

Den hr erreichten zahlreiche Hinweise von ehemaligen Patienten, Angehörigen und auch Mitarbeitern, die die Vorwürfe zumindest teilweise bestätigten.

Die Klinik betonte, dass das Bundesverfassungsgericht erst im Juli 2018 die Anforderungen für fixierte Patienten in der Psychiatrie erhöht hatte. Nach RTL-Angaben entstanden die Filmaufnahmen aber bereits Anfang 2018, mehrere Monate vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.

Auch Missstände in der Akutpsychiatrie an der Frankfurter Uniklinik

Nicht nur an der Psychiatrie Frankfurt-Höchst soll es Missstände geben. Insider berichteten dem hr-Magazin defacto auch über schlimme Zustände auf der Station der Akutpsychiatrie an der Frankfurter Uniklinik. Defacto berichtete am Montag darüber.

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Sendung: hr-iNFO, 04.06.2019, 15.00 Uhr