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Audioseite Positives Fazit für Radwege-Versuch in Darmstadt

Radweg

Testweise hat Darmstadt Autofahrern Platz auf den Straßen abgezwackt - zugunsten von Radlern. Das wird zur Dauereinrichtung. Doch nicht an allen Stellen lief der Versuch reibungslos.

Den Radverkehr in der City attraktiver und sicherer machen – dieses Ziel hat sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt gesetzt. Um ihm näher zu kommen, wurden im vergangenen Jahr an vier neuralgischen Punkten die Spuren für Radler provisorisch erweitert. Autofahrerinnen und -fahrer dagegen müssen sich seitdem an den enstprechenden Stellen mit weniger Platz begnügen.

Die Hochschule Darmstadt hat den mehrmonatigen Versuch wissenschaftlich begleitet. Die Auswertung kommt nun zu dem Schluss: Die Veränderungen sind eine gute Sache und sollten - mit einigen Nachbesserungen - beibehalten werden. Die Stadt will dies zeitnah umsetzen und die Provisorien dauerhaft umbauen. So lautet ein Magistratsbeschluss, dem die Stadtverordneten noch zustimmen müssen.

Fuß- und Radverkehr attraktiver und sicherer

Die Hochschule sollte untersuchen, wie sich die neuen Regelungen auf den Verkehr auswirken. Sie sei zu dem Ergebnis gelangt, dass die neuen Verkehrsführungen den Fuß- und Radverkehr attraktiver und sicherer machten, teilte der Magistrat mit. "In Summe erreichen wir auf diesem Wege einen weiteren Meilenstein für mehr Flächengerechtigkeit zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern", bilanzierte Verkehrsdezernent Michael Kolmer (Grüne).

Konkret geht es um Straßenabschnitte am Roßdörfer Platz, am Steubenplatz, in der Neckarstraße und in der Zeughausstraße. Laut Stadt wurden während der Untersuchungen keine kritischen Rückstaus des Autoverkehrs beobachtet. Insbesondere seien Einsatz- und Rettungsfahrzeuge nicht beeinträchtigt worden. Zu höheren Kfz-Aufkommen sei es vor allem am Schloßgraben im Berufsverkehr gekommen. Dies sei aber auch schon vor dem Versuch so gewesen.

Stellenweise bis zu 40 Prozent mehr Radverkehr

Eine Zunahme des Radverkehrs, wie ihn sich die Stadt ja wünscht, wurde allerdings nicht überall beobachtet. Am deutlichsten war er noch in der Neckarstraße. Die Stadt bezifferte ihn hier auf 20 bis 40 Prozent bei gleichzeitiger Abnahme des Autoverkehrs. Dieser habe sich wie geplant verlagert, auf die Achse Donnersbergring/Hindenburgstraße.

Probleme beobachteten die Forscher in der Zeughausstraße ab der Tiefgaragenausfahrt und entlang des Mathildenplatzes. Das könnte ihrer Meinung nach an der komplexen und unklaren Verkehrsführung mit irritierenden Beschilderungen, Einfädelspuren und wiederholtem Abbiegen gelegen haben. Hier zeigten sich die Grenzen solcher Verkehrsversuche, hieß es seitens der Stadt. Dennoch sei das Projekt auch hier in der Gesamtbilanz ein Erfolg gewesen.

Akzeptanz steigt mit der Zeit

Die Stadt hatte sich einem Sprecher zufolge gut auf die Versuche vorbereitet. Wichtig für die Auswahl der Standorte sei gewesen, dass die Maßnahmen bei Erfolg auch ohne bauliche und rechtliche Probleme "verstetigt" werden könnten - einem Umbau also nichts im Weg steht.

Natürlich sei zu Beginn nicht alles widerspruchslos hingenommen worden, räumte der Sprecher ein. "Darmstadt ist eine diskussionsfreudige Stadt." Insgesamt sei die Mehrzahl der Reaktionen aber positiv gewesen. Die Akzeptanz sei im Laufe der Zeit sowohl bei Auto- als auch bei Radfahrern gestiegen.

Nicht alle steigen gleich um

Erfahrungen aus anderen Städten wie Wiesbaden oder Frankfurt zeigen, dass es nach einer Umgestaltung der innerstädtischen Verkehrsführung zugunsten des Radverkehrs zu schwierigen Übergangsphasen kommen kann. Demnach steigen Autofahrer nicht sofort auf das Rad oder Bus und Bahn um, sondern suchen sich andere Wege. Der Autoverkehr wird somit zunächst auf andere Bereiche verlagert.

Langfristig aber ende das nicht im Verkehrskollaps, ist Jakob Hebsaker von der Wiesbadener Stabsstelle für Mobilitätskonzepte überzeugt. "Wir müssen den bestehenden Raum umverteilen – zu Lasten der Autos. Da dürfen wir nicht kurzfristig denken."

Aus gelb wird weiß

In Darmstadt sollen die versuchsweisen Verkehrsführungen nun sukzessive in dauerhafte Regelungen überführt werden. Gelbe Markierungen werden dann durch weiße ersetzt. Das könne sich bis in den Frühsommer 2022 hinziehen, erklärte Kolmer. An der Zeughausstraße wird die Umsetzung einer klareren Verkehrsführung wegen einer im Frühjahr anstehenden Kanalbaumaßnahme laut Stadt erst ab Herbst 2022 möglich sein.

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