Blick auf eine Industriehalle mit der Aufschrift B.Braun

Offener Eklat unter Aktionären: Der hessische Medizintechnik-Hersteller B. Braun Melsungen will den Verkauf von Rhön-Klinikum an Asklepios verhindern. Seine Forderung einer außerplanmäßigen Aktionärsversammlung könnte den Zeitplan gewaltig verzögern.

Um den zum Verkauf stehenden bayerischen Klinikbetreiber Rhön ist erneut ein heftiger Streit unter Großaktionären entbrannt. Der hessische Pharma- und Medizinbedarfsanbieter B. Braun Melsungen (Schwalm-Eder) bringt sich gegen die geplante Übernahme des Klinikbetreibers durch den Hamburger Wettbewerber Asklepios in Stellung. Asklepios hält knapp die Mehrheit an Rhön-Klinikum, B. Braun besitzt aktuell mehr als ein Viertel der Anteile.

Ende Februar war bekannt geworden, dass ein Gemeinschaftsunternehmen von Rhön-Gründer Eugen Münch und dem zweitgrößten privaten Klinikbetreiber in Deutschland Asklepios den angeschlagenen Rhön-Konzern übernehmen soll - mit dem Effekt, das jahrelange Tauziehen der Aktionäre zu beenden. B. Braun fühlte sich dabei aber offenbar übergangen.

Neue Satzung soll den Verkauf verhindern

Wie Rhön-Klinikum am Samstag mitteilte, will Großaktionär B. Braun den geplanten Verkauf nun mit einer neuen Satzung verhindern, den Aufsichtsrat neu sortieren und zudem über eine Sonderdividende viel Geld aus dem Unternehmen ziehen.

Konkret fordert B. Braun, bei einer außerordentlichen Hauptversammlung sechs Aufsichtsratsmitglieder abzuberufen, darunter Rhön-Gründer Eugen Münch. Außerdem sollen bei der Hauptversammlung Beschlüsse künftig nur noch mit mehr als 75 Prozent der abgegebenen Stimmen beziehungsweise des vertretenen Grundkapitals möglich sein. Auf diese Weise könnte B. Braun alle Entscheidungen blockieren.

Asklepios wirft B. Braun Maßlosigkeit vor

Zudem fordert B. Braun eine Gewinnausschüttung von insgesamt 134 Millionen Euro in Form einer Vorabdividende. Rhön selbst hatte eine um ein Vielfaches geringere Ausschüttung vorgeschlagen.

Asklepios bezeichnete die Forderungen von B. Braun als "maßlos". Die geforderte Dividende stehe "im krassen Widerspruch" zur wirtschaftlichen Lage und der erwarteten Entwicklung. Rhön brauche das Geld in der Corona-Krise für das operative Geschäft.

Am Montag forderte das Hamburger Unternehmen ebenfalls ein außerordentliches Aktionärstreffen, um wiederum die B. Braun-Vertreter im Aufsichtsrat abzuberufen. Der Rhön-Klinikum-Vorstand werde ein Einberufungsverlangen von Asklepios ebenfalls sorgfältig prüfen, hieß es von Rhön dazu.

Aktionärsversammlung würde Zeitplan durcheinanderbringen

Sollte die außerordentliche Aktionärsversammlung wie von B. Braun gewünscht einberufen werden, droht der Zeitplan von Asklepios bei der Übernahme in Verzug zu geraten. Eigentlich wollte Asklepios die Übernahme im zweiten Quartal abschließen.

Bereits 2012 hatte Rhön-Gründer Eugen Münch geplant, das Unternehmen mit dem derzeit größten privaten Klinikbetreiber Fresenius Helios zu fusionieren, woraufhin Asklepios und B. Braun bei Rhön eingestiegen waren und einen umfassenden Deal verhinderten. Am Ende ging mit 40 Krankenhäusern dennoch ein Großteil der Kliniken von Rhön an Helios.