Hunderte Schaulustige beobachten die Flutung des historischen Hafenbeckens.
Hunderte Schaulustige beobachten die Flutung des historischen Hafenbeckens. Bild © picture-alliance/dpa

Die Wiederbelebung des historischen Hafens in Bad Karlshafen geht in die entscheidende Phase: Am Mittwoch begann die Stadt, das Becken im historischen Stadtkern zu fluten. Doch das Projekt ist umstritten.

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In Bad Karlshafen tritt die millionenschwere Sanierung des historischen Hafens in die finale Phase ein. Am Mittwoch flutete die Stadt erstmals das Becken. "Wir müssen jetzt sehen, wie der Testbetrieb verläuft", sagte der parteilose Bürgermeister Marcus Dittrich. Am Freitag soll das Becken voll sein. Komplett fertig werde der reaktivierte Hafen erst im Frühjahr.

Verbindung zur Weser fehlt noch

Das historische Becken in der Stadt war zuletzt mehr Tümpel als Hafen: Wo in den 1930er-Jahren Boote im Wasser lagen, stand Gestrüpp. Ein Damm blockierte den Zugang zur Weser.

Das umstrittene Projekt in der 3.600-Einwohner-Stadt kostet 6,5 Millionen Euro. 5,5 Millionen Euro trägt der Bund, 680.000 Euro bringt die Kleinstadt selbst auf. Auch EU und Land sind beteiligt. Man halte das Budget bisher ein, versicherte Dittrich.

Mit dem Geld soll unter anderem eine schiffbare Verbindung zur Weser gebaut werden. Denn noch wird das reaktivierte Becken aus der Diemel gespeist. Die Verbindung zur Weser ist noch versperrt. Eine Steganlage, ein Schleusengebäude und eine Anlage für wartende Schiffe auf der Weser fehlen noch, erklärte Dittrich. Zudem saniert das Land Hessen momentan noch die Hafenmauer.

Stadt hofft auf Ende der Krise

Die Hoffnungen an das Projekt sind hoch: Die Hugenottenstadt mit dem prächtigen, denkmalgeschützten Kern war jahrelang im Niedergang. Sie gehört zu den ärmsten Kommunen Hessens, verlor Einwohner, Geschäfte und Hotels schlossen.

Seit dem Hafenbau geht es aufwärts. Die positive Entwicklung habe sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt, sagte der Bürgermeister: "Wir haben Anfragen für zwei Geschäftsneugründungen." Drei Läden hätten bereits eröffnet. Dass der Hafen auf großes Interesse stößt, zeigte sich auch am Mittwoch: Hunderte Zuschauer verfolgten die Testflutung.

Steuerzahlerbund kritisiert Projekt

Die Reaktivierung ist umstritten: Der Bund der Steuerzahler hatte das Millionenprojekt im Jahr 2016 in sein Schwarzbuch für Steuerverschwendung aufgenommen. Er bezweifelte, dass die Investition dauerhaft Touristen nach Bad Karlshafen bringe. Dass Zeitplan und Budget eingehalten werden, ändere nichts: "Die Grundkritik bleibt", sagte jetzt Moritz Venner, Sprecher des Steuerzahlerbundes.

Dabei wird der neue Hafen in Bad Karlshafen hauptsächlich touristische Funktion haben. Für Transportschiffe ist er zu klein, auch das stadteigene Fahrgastschiff "Hessen" passt nicht hinein.