Reisende warten am Frankfurter Hauptbahnhof auf einen Zug.

Der Streik der Lokführer hat in Hessen am Mittwoch zu massiven Einschränkungen im Berufsverkehr geführt. In Frankfurt strandeten erste Reisende bereits in der Nacht. Eine Übersicht.

Videobeitrag

Video

zum Video Bahnstreik trifft drei Viertel aller Fernzüge

hs
Ende des Videobeitrags

Eine Mischung aus gähnender Leere und Verzweiflung, dieses Bild herrschte am ersten Streikmorgen am Kasseler ICE-Bahnhof vor. Denn die Lokführergewerkschaft GDL hat zum Streik aufgerufen - und rund drei Viertel aller Fernzüge der Deutschen Bahn sind deswegen am Mittwoch und Donnerstag gestrichen. Auch die meisten S- und viele Regionalbahnen fallen aus. Diejenigen, die trotz des Streiks zum Kasseler Bahnhof gekommen sind, versuchen Alternativen zu finden.

Verständnis für Streik, weniger für kurzen Vorlauf

Auch in Frankfurt strandeten erste Menschen bereits zum Beginn des Arbeitskampfs in der Nacht am Hauptbahnhof. Am Morgen zeigten dort dennoch viele Verständnis für den Streik - nicht aber für den kurzen Vorlauf, mit dem er angekündigt wurde. Das große Chaos blieb an Hessens meistbefahrenen Bahnhof am Morgen aber aus.

Am Flughafen blieb die Lage zunächst ruhig: Dass Reisende ihre Flüge verpassten, weil sie nicht mit der Bahn anreisen konnten, ist dem Frankfurter Flughafen nach eigenen Angaben nicht bekannt. Der Betriebsablauf und der Flugverkehr seien durch den Streik nicht beeinträchtigt, teilte ein Sprecher mit. Auch bei der Lufthansa hieß es, es sei nicht bekannt, dass Fluggäste vermehrt Flüge verpasst hätten.

Fast alle S- und Regionalbahnen fallen aus

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Stimmen von Pendlerinnen und Pendlern zum Bahnstreik

Reisende steigen am Hauptbahnhof in Berlin in einen Fernzug. (dpa)
Ende des Audiobeitrags

Im Rhein-Main-Gebiet sind nahezu alle S- und Regionalbahnen betroffen, wie der RMV mitteilte. Die S7 und S9 sollen überhaupt nicht fahren, andere S-Bahnen verkehren stündlich, ebenso wie einige Regionalzüge. Der 60-Minuten-Takt gelte unter anderem für die S-Bahn Verbindungen von Darmstadt nach Bad Soden oder von Frankfurt nach Friedberg. Teilweise wurde ein Busersatzverkehr eingerichtet.

Weiter wie gewohnt fahren dagegen die Verbindungen der Hessischen Landesbahn, Vias, Cantus und Vlexx. In Frankfurt fahren die U-Bahnen außerdem mit mehr Waggons. Auch in Nordhessen fallen zahlreiche Verbindungen aus. Die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) teilte allerdings mit: Die Regiotrams in Kassel fahren planmäßig.

Bahn: Alternativen alle zwei Stunden

Bei Vlexx seien die Auswirkungen noch kaum merkbar, sagte ein Unternehmenssprecher. "Nach aktuellem Stand sind die Bahnen voller, aber nicht so, dass sie überfüllt sind oder Fahrgäste nicht mitgenommen werden können." Die Ferienzeit in Hessen spiele positiv mit hinein. Denn somit gebe es keine Schüler, die mit der Bahn zur Schule fahren müssten.

"Pendler müssen sich auf massive Wartezeiten einstellen", sagte eine Bahn-Sprecherin. Der Ersatzfahrplan sei angelaufen, aber der Zugverkehr sei sehr, sehr stark beeinträchtigt. Im Regionalverkehr solle es stündliche bis zweistündliche Angebote geben.

Eine Übersicht bietet die Deutschen Bahn auf ihrer Website. Enden soll der Arbeitskampf vorerst am Freitag um 2 Uhr morgens.

GDL rief kurzfristig zum Streik auf

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) hatte nach einer Urabstimmung ihre Mitglieder im Bahnkonzern nur einen Tag vor Streikbeginn, am Dienstag, zum Arbeitskampf aufgerufen. Nach dem Start des Streiks im Güterverkehr am Dienstagabend, wird seit Mittwochmorgen der Fern- und Regionalverkehr für 48 Stunden bundesweit bestreikt.

Bei der Urabstimmung hatten 95 Prozent der teilnehmenden GDL-Mitglieder für einen Arbeitskampf gestimmt. Damit wurde die notwendige Zustimmung von 75 Prozent weit übertroffen. Die Lokführer verlangen eine Corona-Prämie von 600 Euro und Einkommenssteigerungen von insgesamt 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von 28 Monaten.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen