Rewe-Markt in Wiesbaden-Erbenheim - Außenansicht

Neue Architektur, eine eigene Fischzucht und der Anbau von Basilikum auf dem Dach: In Wiesbaden hat der Prototyp eines neuen Rewe-Marktes eröffnet. Das deutschlandweit einmalige Konzept soll vor allem auf Nachhaltigkeit zielen. Ein Supermarkt-Modell für die Zukunft?

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zum Video Ist das der Supermarkt der Zukunft?

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Viel Holz, viel Glas, viel Grün. Ein gewöhnlicher Supermarkt sieht anders aus. Helle, trichterförmige Säulen aus Holz tragen die Konstruktion der großen Einkaufshalle des neuen Rewe-Marktes in Wiesbaden-Erbenheim. Ins Auge sticht aber vor allem das riesige, gläserne Gewächshaus auf dem Dach des Gebäudes.

Angebaut wird dort Basilikum - in Kombination mit der Zucht von Buntbarsch, erklärt Jürgen Scheider, Vorsitzender der Rewe-Leitung Region Mitte. Auf dieses sogenannte Green-Farming-Konzept ist er besonders stolz. "Bei der Konzeption haben wir uns überlegt, wie man einen Markt so gestalten kann, dass man auch eine Farm oben auf dem Dach errichten kann, deren Produkte hier im Markt verkauft werden können."

Supermarkt trifft auf Farm

Eine Kombination aus Supermarkt und Farm, die so ressourcenschonend wie möglich bewirtschaftet werden soll. Gelingen könne das durch ein System namens Aquaponik, erklärt Nicolas Leschke, der mit seinem Start-Up aus Berlin das Green-Farming Projekt auf dem Supermarktdach leitet.

Fischbottiche im Rewe Wiesbaden

Insgesamt 13 schwarze Fischtanks sind mit der Basilikum-Bewässerung in einem Kreislauf verbunden und begünstigen sich gegenseitig. Noch sind die Tanks leer. In den nächsten Wochen sollen aber die ersten Fische einziehen, sagt Leschke: "Die Fische werden von uns gefüttert und produzieren Ausscheidungen. Und wir nutzen diese Ausscheidung als biologischen Dünger für unsere Pflanzen."

Buntbarsch düngt Basilikum

Rund 800.000 Basilikumpflanzen und 20.000 Buntbarsche sollen so jährlich produziert werden und alle hessischen Rewe-Märkte versorgen. Aus dem Markt, für den Markt - nachhaltig produziert und mit kurzen Transportwegen, so die Idee.

Basilikumfarm - sehr viele Töpfe mit Basilikum im Glashaus

An sich keine schlechte Sache, findet Engelbert Schramm vom Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung: "Die Produktion wieder dorthin zurückzuholen, wo auch konsumiert wird und Produkte nicht über den halben Erdteil zu transportieren, ist etwas Tolles." Vor allem wenn der Prozess so ressourcenschonend ist, so Schramm.

Umweltforscher kritisiert fehlendes Gesamtkonzept

Zu Ende gedacht sei das Gesamtkonzept in puncto Nachhaltigkeit aber nicht. Ein Grund: Der Rest des weitgehend konventionell bestückten Sortiments im Markt. "Wenn man 100 Prozentig nachhaltig, zumindest ökologisch nachhaltig sein möchte, müsste man auch vollständig auf regionale und Bioprodukte umstellen", sagt der Umweltforscher.

Eine solche Umstellung plant Rewe allerdings nicht. Man wolle dem Kunden Alternativen anbieten. So wird es auch in Zukunft die Mangos aus Südamerika oder Erdbeeren aus Spanien geben. Die Kaufentscheidung wolle man letztlich jedem Kunden selbst überlassen, sagt Scheider.

Zusammenarbeit mit regionalen und lokalen Produzenten

Einen verstärkten regionalen Gedanken gebe es bei dem Pilotprojekt aber dennoch: "Neben dem normalen Sortiment haben wir sehr viele lokale und regionale Produkte und arbeiten verstärkt mit Lieferanten und Herstellern aus der Wiesbadener Umgebung zusammen", erklärt Jürgen Scheider.

Fleisch, Milch, Obst, Gemüse - sogar Kaffee und Torten würden hier neben dem normalen Sortiment von Landwirten, Händlern und Herstellern aus der Region geliefert. Außerdem gibt es eine Unverpackt-Abteilung, eine große Blühwiese rund um den Parkplatz und Regenwasser, das vom Dach gesammelt und für den Markt und die Farm genutzt wird.

Supermarkt-Modell für die Zukunft?

Am Ende der Möglichkeiten sei man damit zwar noch nicht, sagt Umweltwissenschaftler Engelbert Schramm. Es sei aber ein großer Schritt in die richtige Richtung - auch im Vergleich mit anderen Supermärkten. "Von daher bin ich natürlich froh, wenn sich eine Kette überhaupt bemüht, nachhaltig zu sein", so Schramm. Er hofft, dass Projekte wie diese zukünftig auch auf andere Unternehmen ausstrahlen.

Sollte sich das Konzept in der Umsetzung als erfolgreich erweisen, könnte es auch in Zukunft immer mehr Filialen geben, die nach diesem, sogenannten Green-Building-Konzept gebaut werden, stellt Rewe-Leiter Jürgen Scheider in Aussicht. Bis dahin bleibt das Projekt zunächst noch ein Prototyp.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.05.2021, 19.30 Uhr