Riederwaldtunnel Frankfurt

2021 sollen die Bagger rollen, 2029 die Autos fahren: Der Bau des Frankfurter Riederwaldtunnels steht nach jahrzehntelanger Planung vor der Realisierung. Eine letzte Hürde gilt es aber noch zu nehmen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Startschuss für Riederwaldtunnel

Riederwaldtunnel Frankfurt
Ende des Audiobeitrags

Er gehört zu den verkehrspolitischen Evergreens in Hessen: der Riederwaldtunnel. Seit Mitte der 1980er Jahre wird über den Lückenschluss zwischen der A661 und A66 im Osten Frankfurts beraten und noch viel mehr gestritten. Jetzt steht das umstrittene Bauwerk wohl vor dem endgültigen Durchbruch.

Am Mittwoch verkündete Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mit dem Unterzeichnen des Planänderungsverfahrens das mutmaßliche Ende der jahrzehntelangen Vorbereitungen. Ende 2021 sollen - Stand jetzt - die Bauarbeiten beginnen, eine Fertigstellung wird für 2029 angepeilt und damit stolze 45 Jahre nach den ersten Beratungen.

Entlastung für Riederwald, Bornheim und Seckbach

"Es ist wichtig, dass wir bei dem Projekt vorankommen und das Planänderungsverfahren nun abgeschlossen ist", erklärte Al-Wazir erleichtert. Das neue Verfahren war überhaupt erst nötig geworden, weil der ursprüngliche Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2007 schon wieder überholt war. Neue Verkehrsprognosen sowie zahlreiche behördliche Stellungnahmen und private Einwendungen wurden in den überarbeiten Konzepten nun berücksichtigt.

Der Zweck des Großprojekts bleibt damals wie heute das gleiche: "Ziel ist es, die derzeit unerträgliche Verkehrssituation und die damit einhergehenden Luftschadstoff- und Lärmbelastungen vor allem an der Straße 'Am Erlenbruch' deutlich zu reduzieren", sagte Al-Wazir. Rund 22.000 Autos bahnen sich derzeit täglich ihren Weg durch die kleine, ramponierte Straße im Stadtteil Riederwald und sorgen für Dauerstau. Auch die Stadtteile Bornheim und Seckbach leiden am Durchgangsverkehr in Richtung der A66-Anschlussstelle in Bergen-Enkheim.

Lärm während der Bauphase

Der 1.100 Meter lange Riederwaldtunnel als Kernstück der insgesamt 2,2 Kilometer langen Verbindung zwischen der A661 und der östlich gelegenen A66 soll den Verkehr in den Wohngebieten laut Prognosen massiv entlasten. Trotz des insgesamt ansteigenden Verkehrsaufkommens aufgrund der Bevölkerungszunahme im Ballungsraum Frankfurt soll sich die Zahl der Autos etwa 'Am Erlenbruch' mit Fertigstellung des Tunnels bis zum Jahr 2030 auf 14.000 pro Tag reduzieren. Das Autobahndreieck Erlenbruch auf der A661 zwischen Bornheim und Seckbach ist als Zubringer bereits seit vergangenem Sommer fertiggestellt.

Doch bis zur angestrebten Lärmreduzierung müssen Anwohner am Riederwald zunächst mit doppelter Belastung rechnen. "Bauarbeiten ohne Lärm sind nicht möglich", warnte Al-Wazir, stellte zugleich aber "optimalen Lärmschutz" und "modernste Schallschutztechniken" bei den Arbeiten in Aussicht. Die unmittelbar betroffene Pestalozzischule werde mit einer geeigneten Lüftungsanlage ausgestattet, um konzentrierten Unterricht auch bei geschlossenen Fenstern zu gewährleisten, versprach der Minister. Die Kosten dafür soll der Bund übernehmen.

Bangen vor der letzten Hürde

Apropos Kosten: Die voraussichtlichen Ausgaben für das innerstädtische Verkehrsprojekt sind schon vor dem offiziellen Baubeginn massiv gestiegen: War 2013 noch von 320 Millionen Euro die Rede gewesen, wird jetzt bereits mit 477 Millionen kalkuliert. Im Frühjahr 2020 soll ein EU-weites Vergabeverfahren ausgeschrieben werden.

Eine letzte Hürde gilt es bis dahin übrigens noch zu nehmen: Anfang Februar muss der geänderte Planfeststellungsbeschluss, schlanke 28 Aktenordner, noch einmal für zwei Wochen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - inklusive anschließender vierwöchiger Klagefrist. Nach der im November erfolgten Einigung mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz hofft Al-Wazir auf einen reibungslosen Verlauf: "Jede weitere Verzögerung im Projekt würde den heutigen katastrophalen Zustand und die Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner unnötig verlängern." Ein Satz, der womöglich bereits 1985 so fiel.

Sendung: hr-iNFO, 18.12.2019, 13:00 Uhr