Die Nachfrage nach Holz ist derzeit besonders hoch. Auch wegen Corona. Während hessische Waldbesitzer und Holzverarbeiter davon profitieren, müssen Verbraucher mit gestiegenen Preisen und langen Lieferzeiten rechnen.

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Für Thilo Gehrischs Sägewerk und den angeschlossenen Holzhandel im südhessischen Modautal läuft es derzeit gut - die Nachfrage nach Schnittholz ist hoch. "Seit April letzten Jahres merken wir auch eine extreme Nachfrage von Privatkunden", erzählt er. Mittlerweile machten sie etwa 20 Prozent des Umsatzes aus.

Laut Gehrisch eine Folge der Pandemie: "Viele Leute waren wegen Corona zuhause in Kurzarbeit oder im Homeoffice und sind Projekte im Garten oder am Haus angegangen." Den Corona-bedingten Bauboom gibt es nicht nur in Hessen. Deutsches Holz wird vermehrt ins Ausland exportiert, vor allem nach China und in die USA. Die Folge: Der beliebte Rohstoff wird knapp - und immer teurer.

Lange Lieferzeiten, steigende Preise

In den letzten Wochen sei der Preis um bis zu 50 Prozent gestiegen, sagt Jörg van der Heide, Abteilungsleiter Forstbetrieb und Dienstleistungen bei HessenForst. Der Landesbetrieb betreut knapp 80 Prozent des hessischen Waldes. Für ihn ist die hohe Nachfrage ein gutes Zeichen: "Der geniale Baustoff Holz" erfahre endlich die Nachfrage, die ihm auch zustehe. Schließlich sei er ökologisch die beste Wahl beim Bauen.

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Baumstämme liegen gestapelt zum Abtransport bereit
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Die Kundschaft von Sägewerks-Leiter Gehrisch kann sich darüber weniger freuen. "Wir haben Lieferzeiten von sechs bis acht Wochen. In vielen Sortimenten kann außerdem gar kein Preis genannt werden, weil sie sich so schnell entwickeln", erklärt er. Da bekomme er auch mal Unmut zu spüren. "Aber die Leute rufen wieder an, weil sie das Holz anderswo auch nicht früher bekommen."

Viel schadhaftes Holz verarbeitet

Ein Borkenkäfer hat einen Gang in den Stamm einer Fichte gefressen

Viele Sägewerke liefen seit über einem Jahr auf Volllast, um der Nachfrage gerecht zu werden, so Gehrisch. Noch vor drei Jahren war das Bild ein ganz anderes: Durch Trockenheit, Stürme und den Borkenkäfer kam haufenweise Holz auf den Markt. "Da hatten wir Probleme, die Masse an Käferholz zu verkaufen", erinnert er sich. Das Angebot sei schlicht zu groß gewesen.

Während zuletzt vor allem die Sägewerke Gewinne einfahren konnten, profitieren nun auch die Forstbetriebe von den steigenden Preisen für Holz. "Das ist wirklich an der Zeit, nachdem die Waldbesitzer in den vergangenen Jahren einen dramatischen Preisverfall erlebt haben", findet van der Heide von HessenForst.

"Was weg ist, ist weg"

Besonders das in der Baubranche beliebte Fichtenholz war im vergangenen Herbst auf historische Tiefstände gefallen. Nun erreichen die Preise langsam wieder das Niveau von vor 2018. Während für Rundholz, also frisch eingeschlagenes Holz, zuletzt durchschnittlich nur noch 30 Euro pro Festmeter gezahlt wurden, sind es derzeit wieder rund 80 Euro. Ende gut, alles gut? "Wir Waldbesitzer müssen die Schadensentwicklung abwarten", sagt van der Heide. "Holz wächst nun mal nur an Holz oder anders ausgedrückt: Was weg ist, ist weg."

Neues Holz für hessische Wälder

In hessischen Wäldern werde besonders die Fichte dem Klimawandel zum Opfern fallen, prognostiziert er. Zwar setze man auf zukunftsfähige Mischwälder aus robusten und schnell wachsenden Arten wie Kiefer, Küstentanne und Douglasie. "Bis die Verluste ausgeglichen sind, dauert es aber Jahrzehnte." Er erwartet, dass wegen des Borkenkäfers auch 2021 wieder hohe Mengen an Nadelholz eingeschlagen werden müssen. Neues Holz für den leergefegten Markt.

Ein Borkenkäfer hat einen Gang in den Stamm einer Fichte gefressen

Sägewerks-Leiter Gehrisch sieht noch einen weiteren Grund für eine Entspannung der Lage: Durch Corona sei auch die Nachfrage nach Schiffscontainern in die Höhe geschossen. Das bremse den Holz-Export nach China - und habe für Sägewerke, Holzbaubetriebe und Verbraucher einen Vorteil: Das Holz bleibt hier.

Sendung: hr4, 04.05.2021, 17:30 Uhr