Ein großer Erdhaufen, teilweise mit Plastik abgedeckt.

Beim Bau von Terminal 3 am Frankfurter Flughafen ist ein großer Haufen mit belasteter Erde entstanden. Der schrumpft zwar derzeit schon wieder, aber die Skepsis bei den Kritikern bleibt. Sie können nun ihre Einwände mündlich begründen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bürger werden zum geplanten Bodenlager am Flughafen Frankfurt gehört

Zahlreiche Kräne stehen auf der Baustelle am Flughafen Frankfurt.
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140 Briefe sind beim Regierungspräsidium Darmstadt eingegangen. In allen haben die Absender Einwände gegen ein geplantes Bodenlager am Frankfurter Flughafen eingereicht. Die meisten machen sich Sorgen um die Umwelt, das Grundwasser, den Boden oder sie fürchten sich vor Luft- und Lärmbelästigung.

Das Problem: Auf der Baustelle für das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen liegt ein großer Haufen mit PFC-belasteter Erde. Weil unklar ist, bis wann er fachgerecht entsorgt werden kann, hat der Flughafenbetreiber Fraport den Bau eines Zwischenlagers mit einer Kapazität von 600.000 Kubikmetern beantragt. Seit Mittwoch haben die Kritiker nun in Frankfurt Zeit, ihre Einwände mündlich zu begründen.

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Was ist PFC?

PFC steht eigentlich für per- und polyfluorierte Chemikalien. Diese werden aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in Imprägniersprays und Bratpfannenbeschichtungen eingesetzt. Der Stoff steht im Verdacht, Krebs auszulösen.

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Bürgermeister befürchtet Dauerlösung

Unter den Kritikern ist auch Bürgermeister Thomas Winkler aus Mörfelden-Walldorf. Ihm ist das geplante Zwischenlager ein Dorn im Auge. Nicht nur, dass es ausgerechnet dort gebaut werden soll, wo vor zehn Jahren Bannwald für eine geplante Logistikfläche gerodet wurde. Auch, dass das Bodenlager von einer Zwischen- zu einer Dauerlösung werden könnte, beschäftigt ihn. "Unsere Bewohner, die da sehr nah dran wohnen, haben einfach auch Angst, dass da ein Gefahrenpunkt an unserem Ortsrand entsteht."

Unklar, wie gefährlich PFC ist

Es ist nicht klar, ob und ab welcher Menge der Schadstoff PFC für Mensch und Umwelt gefährlich ist, aber an einigen Messstellen am Flughafen sind die Werte deutlich erhöht. Fraport-Sprecher Christian Engel versucht zu beruhigen. Untersuchungen der Erde am Frankfurter Flughafen hätten ergeben, dass Erwachsene sogar mehrere Teelöffel dieser mit PFC belasteten Erde essen könnten, ohne dass es gesundheitliche Folgen für sie habe. PFC steht aber im Verdacht, Krebs auslösen zu können. Die Rückstände auf dem Frankfurter Flughafen stammen Fraport zufolge vermutlich aus Löschschaum, der auf der früheren US Airbase eingesetzt wurde.

Der Haufen schrumpft...

Durch ein verändertes Messverfahren war die hohe PFC-Konzentration erst während der Bauarbeiten für das neue Terminal aufgefallen. Entsprechend belastete Erde darf ausschließlich auf dafür ausgelegten Deponien entsorgt werden. Doch noch im Winter sei unklar gewesen, wie schnell ein Abtransport auf solche Deponien gelingen könne, so Engel.

Inzwischen seien entsprechende Verträge abgeschlossen. Täglich würden bis zu 120 Lkw die Erde nach Nordrhein-Westfalen, Ostdeutschland und Bayern auf dafür geeignete Deponien bringen. Fraport-Sprecher Christian Engel glaubt deshalb, dass das beantragte Bodenlager am Ende gar nicht mehr gebraucht werde. "Stand heute sind wir sehr guter Dinge, dass wir es schaffen, einen großen Teil des mit PFC-belasteten Erdaushubs bis zum Herbst abtransportieren können."

... die Skepsis bleibt

Bürgermeister Thomas Winkler zweifelt an dem Zeitplan. Deshalb will er das Genehmigungsverfahren für das Bodenlager auch weiter genau im Blick behalten. Genau wie der BUND fordert er, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht wird. Diese soll gewährleisten, dass in Zukunft weder Mensch noch Umwelt durch die belastete Erde geschädigt werden. Doch bislang sieht das Regierungspräsidium Darmstadt für eine solche Prüfung keine Notwendigkeit.

Sendung: hr-iNFO, 23.06.202, 06:00 Uhr