Zwei Frauen sitzen in einem Café und werden von einer Kellnerin mit Maske bedient

Lückenhafte Corona-Kontrollen in Gaststätten und Restaurants? Größere hessische Städte haben Vorwürfe zurückgewiesen, wonach sie die Corona-Vorschriften nicht ausreichend kontrollierten. Offenbach sieht vor allem die Gäste selbst in der Pflicht.

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zum Video Mangelhafte Corona-Kontrollen in der Gastronomie

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Vorwürfe an die Behörden wegen spärlicher Corona-Kontrollen in der Gastronomie, Unverständnis in befragten Städten und nun auch drohende Restriktionen wegen steigender Corona-Zahlen. Es ist ein heißer Herbst für die Gastronomie-Betriebe in Hessen und den Landesverband des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga.

Wegen der sich zuspitzenden Infektionslage in Hessen appellierte der Verband am Mittwoch an Politik und Verwaltung: "Überlegungen zu möglichen Verschärfungen der Corona-Regeln im Gastgewerbe angesichts steigender Infektionszahlen sind vollkommen kontraproduktiv." Weil in Hessen immer mehr Intensivbetten belegt sind, befürchtet der Verband von oben verordnete Geschäftsbeschränkungen.

Vorwurf: Behörden kennen Regeln nicht genau

Der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, Julius Wagner, kritisierte nun: "Aktuell nehmen der Verband und seine Mitglieder vielmehr wahr, dass manche Kontrollbehörden die seit Wochen geltenden Regeln überhaupt nicht im Detail kennen."

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Audioseite Kaum Corona-Kontrollen in Gastronomie

"Eintritt ausschließlich genesen oder geimpft" steht auf einem Schild vor eine Bar.
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Statt der Gastronomie womöglich erneut einen Riegel vorzuschieben, müsse hingegen die 3G-Regel - geimpft, genesen oder negativ getestet - konsequenter umgesetzt werden. Und dazu brauche es auch die Hilfe der Ordnungsbehörden - mit mehr Kontrollen, aber sachkundigen.

Als Beispiele für sonderbare Erfahrungen mit kommunalen Behörden-Vetretern berichtet Wagner: "Da wird Gastronomiebetrieben ernsthaft mitgeteilt, dass geimpfte Mitarbeiter sich drei Mal in der Woche testen lassen müssten, die längst abgeschaffte Kontaktdatenerfassung wird angemahnt oder Gesundheitsämter fordern Kontaktlisten an."

Zettel für die Gästeregistrierung liegen im Vordergrund auf einem Tisch in einem Café. Im Hintergrund ist - unscharf - die Bar und der Barmann zu sehen.

Durch sich häufende Rückmeldungen dieser Art fühlten sich deutlich besser informierte und insbesondere regeltreue Gastronomen düpiert, sagte Wagner. "Das ist respektlos gegenüber der Betrieben, senkt das Vertrauen in das staatliche Handeln und darüber hinaus die Akzeptanz der Regeln."

"Lockdown oder Teillockdown will niemand"

Wagner betonte: "Schärfere Regeln bringen überhaupt nichts. Bestehende Regeln zu kontrollieren, ist effektiver als strengere zu erlassen." Einen weiteren Lockdown, auch einen Teillockdown wolle niemand.

Der Dehoga hatte schon vor Tagen kritisiert, dass mehr als 80 Prozent der befragten Gastro-Betriebe in diesem Jahr kein einziges Mal auf die Einhaltung der Corona-Regeln kontrolliert worden seien. Viel mehr Stichproben seien nötig, damit die Bestimmungen überwacht werden. Nur so könnten "schwarze Schafe identifiziert" und zur Rechenschaft gezogen werden.

Daraufhin konfrontierte der hr die Ordnungsbehörden in den größten hessischen Städten zwischen Kassel und Darmstadt mit dem Vorwurf einer zu laschen Kontroll-Politik. Antwort-Tenor: Die Städte können die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Sie sind sich keiner Schuld bewusst und täten bereits ihr Möglichstes.

Behörden: Kontrollen nur stichprobenartig möglich

Man gehe konsequent Hinweisen nach, zum Beispiel bei Beschwerden aus der Bevölkerung oder von Mitbewerbern, kontrolliere Anlass bezogen, könne aber aufgrund der Vielzahl der Betriebe nicht überall sein - zumal das Personal begrenzt sei. Kontrollen seien nur stichprobenartig möglich und systematische Kontrollen schon mal gar nicht, wie die Stadt Offenbach mitteilte.

Aus Wiesbaden hieß es: Die Dehoga-Zahlen ließen sich nicht bestätigen. "In Wiesbaden sind es weniger als 30 Prozent der Betriebe, die noch nicht auf die Einhaltung der Corona-Regeln kontrolliert wurden." Die Stadt Kassel wies die Vorwürfe zurück, räumte aber ein: "Wie immer gibt es vereinzelte schwarze Schafe, bei denen erhöhter Kontrolldruck und mitunter auch Sanktionen erforderlich sind, um diese zur Einhaltung der Regeln zu bewegen."

Die Stadt Gießen sieht die Gastronomie hingegen selbst stark in der Eigenverantwortung: "Wenn ein Ausbruchsgeschehen stattfindet, dass auf mangelnde Kontrollen zurückzuführen wäre, würde das dem Ruf der Gastronomie mit Sicherheit nicht zuträglich sein." Die Gastronomie selbst müsse ein Interesse daran haben, den Menschen ein Gefühl der Sicherheit zu geben. "Volle Kneipen werden nicht durch Kontrollen des Staates erzeugt, sondern durch Vertrauensarbeit der Gastronomie selbst."

Restaurant-Besucher beklagen mangelnde Kontrollen

Dass es offenbar etliche Gastronomie-Betriebe mit den Kontrollen zu 2G- oder 3G-Nachweisen nicht so genau nehmen - darüber berichteten auch etliche Nutzer von hessenschau.de in Kommentaren. Tenor: Nachweise würden oft gar nicht oder nur halbherzig überprüft. Das Thema werde nicht ernst genommen, Vorschriften ignoriert. Kellner trügen den Mund-Nasen-Schutz sonstwo, aber nicht, wo er hingehört.

Weitere Rückmeldungen aus Zuschriften an die Redaktion: Gäste fühlten sich einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt. "Hauptsache der Laden ist voll", kommentierte etwa Victor aus Kassel. Nutzer Steffen aus Frankfurt zeigte sich fassungslos über die Erfahrung in einem Frankfurter Restaurant: "Uns wurde geantwortet, dass das Restaurant noch nie kontrolliert wurde und es ihnen recht egal sei, ob wir geimpft, genesen oder getestet seien."

Frankfurt will Kontrollpensum hochhalten

Stadtpolizisten in Frankfurt

Solch eine Haltung fliegt aber auch immer wieder auf. In Wiesbaden seien in diesem Jahr bei 15 Prozent der kontrollierten Betriebe Corona-Verstöße festgestellt und geahndet worden. In diesem und dem vergangenen Jahr seien es mehr als 1.100 Verstöße gewesen.

Die Stadt Frankfurt kündigte am Mittwoch an, dass die Stadtpolizei derzeit alle personellen Ressourcen mobilisiere, um ein hohes Kontollpensum aufrecht zu erhalten. Im Oktober seien rund 10 Prozent der etwa 3.400 Gastro-Betriebe der Stadt kontrolliert worden. In 23 Fällen seien Verstöße festgestellt worden.

Wie sich nun Restaurant-, Bar- und Café-Besucher in diesem heißen Corona-Herbst verhalten können? Ein Stadtsprecher in Offenbach rät: Der Gast könne Einfluss auf das Verhalten der Betreiber nehmen - indem er Betriebe meidet, die sich nicht an die gesetzlichen Vorschriften halten.

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