Collage zum Microsoft Scam
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Das Landeskriminalamt warnt vor einer Betrugsmasche von Internet-Kriminellen. Die Betrüger rufen zu Hause an und geben sich als Microsoft-Techniker aus. Dann ergaunern sie Passwörter und andere Daten. "Microsoft-Scamming" nennt sich die Masche.

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Hansjörg Röhrich aus Kelkheim ist auf den Betrug reingefallen. "Da rief jemand an von Microsoft in Amerika und erklärte mir, dass ich einen fast von Trojanern zerstörten Computer hätte. Und nur Microsoft sei in der Lage, mir zu helfen." Würde er das Angebot nicht annehmen, würde der Rechner in den nächsten Tagen abstürzen, so das Horrorszenario.

Der vermeintliche Techniker behauptet, schnell helfen zu können, direkt über das Telefon. Röhrich nimmt die "Hilfe" an. Noch während des Gesprächs kauft er online Gutscheine für neue Software. Denn die alte sei durch den angeblichen Trojaner-Befall nicht mehr nutzbar. Erst nach dem vierten Gutscheinkauf ahnt er, dass er einem Betrug aufgesessen war. "Da waren dann aber schon 800 Euro weg".

Bis zu 1.000 Fälle im Jahr in Hessen

Zwei bis drei Fälle dieser Betrugsmasche registriert die Polizei in Hessen jeden Tag. Bis zu 1.000 sind es im Jahr. Doch die Dunkelziffer ist hoch, viele Opfer gehen nicht zu Polizei. "Die erbeuteten Summen belaufen sich in der Regel so um Beträge zwischen 150 und 350 Euro", sagt Joachim Rosenögger, Ermittler in der Digital Crimes Unit von Microsoft. "Man kann konservativ gerechnet rund 30 Millionen Euro Schaden Minimum für Deutschland annehmen.“

Für die Täter ist es ein Massengeschäft, ihre Opfer suchen sie sich nicht nur in Hessen. "Diese Betrugs-Masche wird weltweit betrieben", so Rosenögger. "Überwiegend von Call-Centern aus Indien heraus. Es sind hunderte von Gruppen, die das Ganze machen."

Mit ergaunertem Passwort bei Paypal eingekauft

Auch Ulf Mainhard (Name geändert) ist auf Microsoft-Scammer reingefallen. In seinem Fall wollte der angebliche Techniker über eine Fernverbindung auf seinen Computer zugreifen, angeblich um Mainhards Rechner auf Viren zu scannen. Mainhard stimmte zu. "Da war es eigentlich schon zu spät. Dann ging es nämlich los mit der Passworteingabe.

Und plötzlich merkte ich, dass die den Rechner schon übernommen hatten." Die Beute in diesem Fall: Mainhards Passwort für den Bezahldienst Paypal. Noch während des Telefonats gingen die Täter auf seine Kosten für rund 250 Euro im Internet einkaufen.

Ermittler: Vor allem Millennium-Generation betroffen

Die Täter gehen geschickt vor, um ihre Opfer reinzulegen. So haben sie sich beispielsweise auch auf kritische Fragen gut vorbereitet. So wird etwa behauptet, dass jeder Rechner beim Kauf eine Lizenznummer erhält, die mit dem Namen und den Kontaktdaten des Kunden verknüpft wird.

Das mag im ersten Moment ganz logisch klingen, ist aber eine glatte Lüge. Eine von vielen, die den Opfern aufgetischt werden und zwar so lange, bis sie dem falschen Techniker glauben und seinen Anweisungen folgen. "Die Masche ist erfolgreich aus dem einen Grund: Die Anrufer sind sehr, sehr gut geschult", sagt Christoph Schulte vom LKA Hessen.

Es sind nicht nur Senioren oder Computer-Anfänger, die auf die Betrüger hereinfallen. "Wir haben gedacht, dass es überwiegend die ältere Bevölkerung betrifft", sagt der Microsoft-Ermittler. "Bei einer Umfrage haben wir überraschend festgestellt, dass es vor allem die Millennium-Generation ist, die besonders anfällig für diese Form des Betruges ist. Also Menschen, geboren zwischen 1980 und der Jahrtausendwende." Das ist die Generation, für die der Computer und das Internet schon früh zum alltäglichen Leben gehörten.

Bester Schutz: einfach auflegen

Der beste Schutz gegen die Masche ist, sich gar nicht erst auf ein solches Telefonat einzulassen. "Microsoft ruft die Kunden nicht an und informiert über irgendwelche angeblichen Virenbefälle auf den Rechnern. Das passiert nicht", so Joachim Rosenögger. "Das Beste ist, einfach aufzulegen."

Das sieht auch das hessische LKA so. Je weniger Erfolg die Täter mit der Masche hätten, desto eher werde man sie zumindest eine Zeit lang los, sagt LKA-Sprecher Schulte. "Dann ziehen diese Betrüger wie eine Heuschrecke einfach weiter, zum Teil auch ins Ausland. Sie sprechen Englisch. Ob ich damit in Deutschland die Leute übers Ohr haue, in Frankreich oder vielleicht sogar in Amerika, ist den Tätern dabei egal."

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