Opel-Mitarbeiter montieren einen Astra
Blick ins Archiv: Opel-Mitarbeiter montieren einen Astra im Stammwerk in Rüsselsheim. Bild © picture-alliance/dpa

Opel will offenbar die Produktion des Astra zurück nach Rüsselsheim holen. Im Gegenzug könnte allerdings die Fertigungskapazität im Stammwerk dauerhaft gedrosselt werden. Arbeitnehmervertreter sind alarmiert.

Wie sieht die Zukunft des Rüsselsheimer Opel-Stammwerks aus? An Gerüchten dazu mangelt es seit der Übernahme des Autobauers durch den französischen PSA-Konzern nicht. Am Donnerstag berichtete das Wiesbadener Tagblatt, der in Polen gebaute Astra solle ab 2021 wieder im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim gefertigt werden. Auf den ersten Blick eine gute Nachricht für die dortige Belegschaft. Aber der Preis dafür könnte hoch sein.

Wie die Zeitung weiter berichtet, sollen die Produktionskapazitäten im Stammwerk im Gegenzug um ein Drittel reduziert werden. Sprich: Es sollen weniger Autos vom Band laufen - statt 60 Autos nur noch 40 Wagen pro Stunde.

Arbeitnehmer befürchten Schrumpfkurs

Opel wollte sich am Donnerstag auf Nachfrage nicht zum dem Bericht äußern. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Spekulationen nicht kommentieren", sagte ein Sprecher des Autobauers.

Anders die Arbeitnehmervertreter. Aus ihren Kreisen war zu hören, dass Opel für die mögliche "Heimkehr" der Astra-Produktion nach Rüsselsheim Zusagen beim Lohn und der Arbeitszeit einfordere. Die Arbeitnehmerseite befürchtet einen weiteren Schrumpfkurs, sollten die Kapazitäten im Stammwerk tatsächlich dauerhaft gedrosselt werden - zumal bis zum Sommer Teile des Entwicklungszentrums mitsamt 2.000 Beschäftigten zum französischen Unternehmen Segula wechseln sollen. Schon in den vergangenen Monaten hatte Opel die Zahl der in Rüsselsheim fertiggestellten Autos reduziert. "Diese Schrumpfungsstrategie akzeptieren wir nicht", heißt es in einer im Werk verbreiteten Resolution.

Produktionslücke zwischen Zafira und Astra?

Außerdem läuft im Sommer dem Vernehmen nach die aktuelle Produktion des Familienvans Zafira in Rüsselsheim aus. Sollte der Astra 2021 nach Rüsselsheim kommen, entstünde in der Zwischenzeit eine Lücke bei der Produktion von bis zu zweieinhalb Jahren. Neben dem Zafira läuft derzeit nur noch der Insignia in Rüsselsheim vom Band.

Opel teilte am Donnerstag schriftlich lediglich mit, die Wettbewerbsfähigkeit und Auslastung der Werke solle verbessert werden. Das Unternehmen verwies erneut darauf, dass man das zweite Modell für Rüsselsheim noch in diesem Jahr nennen werde.

Betriebsrat und Gewerkschaft fordern schon länger feste Produktionszusagen von Opel und der Mutter PSA, damit die rund 3.000 Beschäftigten im Werk wissen, wie es für sie weitergeht.

Sendung: hr-iNFO, 04.04.2019, 10.20 Uhr