Weinlese an der hessischen Bergstraße
Rekordverdächtig war schon der Zeitpunkt des Beginns der Weinlese Ende August. Bild © picture-alliance/dpa

Hochstimmung bei den hessischen Winzern. Die Weinlese ist fast abgeschlossen und jetzt wird klar: Der 2018er wird ein Spitzenjahrgang. Mindestens.

Um den Begriff "Jahrhundertwein" drücken sich die hessischen Winzer noch etwas herum. Doch wenn sie von der fast beendeten Weinlese sprechen, kommen sie aus dem Schwärmen kaum heraus: "Diese Kombination aus Menge und Qualität, die haben Sie nur sehr selten in einem Jahrhundert", sagt Patrick Staub, stellvertretender Geschäftsführer der Bergsträßer Winzer eG.

Und Peter Seyffardt, Präsident des Rheingauer Weinbauenverbandes, bilanziert: "2018 war einfach ein großartiges Jahr." Schon im Sommer habe sich abgezeichnet, dass die Bedingungen optimal für einen außergewöhnlichen Jahrgang waren: Im Winter fielen große Regenmengen, was die Wasserspeicher auffüllte. Im Frühling konnten die Reben ungestört blühen. Die vielen Sonnentage sorgten dann für eine ungetrübte Reife - bis zuletzt.

"Eine irre lange Zeit"

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Beste Bilanz seit 1999

Die Weinmostmenge in den 13 deutschen Anbaugebieten erreichte nach einer vorläufigen Schätzung 10,7 Millionen Hektoliter, wie das Deutsche Weininstitut am Donnerstag in Bodenheim bei Mainz mitteilte. Dies ist die größte Erntemenge seit 1999, sie liegt 23 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

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"Wir konnten rund sechs Wochen lang ernten", berichtet Seyffardt, "das ist eine irre lange Zeit." Und so können sich die Winzer nicht nur über außergewöhnlich viele Trauben freuen - auch die Qualität stimmt. "Aufgrund der Trockenheit hatten wir keinen Druck durch Schädlinge oder Pilze", sagt Seyffardt. Die Trockenheit selbst habe den älteren Reben nichts ausgemacht, junge Reben habe man gut bewässern können.

All dies brachte "gesundes, saftiges Lesegut" mit einer hohen Ausbeute von 75 Prozent hervor, wie Seyffardt schildert. Will sagen: 1.000 Kilogramm Trauben verwandeln sich in 750 Liter Most. Was die Erntemenge angeht, so erwartet Seyffardt für die beiden Rheingauer Leitsorten Riesling und Spätburgunder mit 90 Hektolitern pro Hektar Erträge, die damit weit über dem Schnitt von 72 Hektolitern je Hektar liegen.

"Internationale Spitzensphären"

Weinbau und Klimaandel
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Auch die Bergsträßer Winzer gehen von einer überdurchschnittlichen Menge in Top-Qualität aus, Zahlen wollen sie in den kommenden Tagen veröffentlichen. Die Südhessen hoffen, mit Rotweinen wie dem Merlot oder dem Cabernet Sauvignon in "internationale Spitzensphären" vorzudringen, wie Staub sagt - eigentlich sind das Weine, die traditionell besonders gut in Südeuropa gedeihen.

Beim urdeutschen Wein, dem Riesling hatten die Winzer im Sommer noch befürchtet, er entwickle durch die viele Sonne und die schnelle Reifung zu wenig Säure - sie sorgt für die typische Frische. Das habe sich nicht bestätigt, berichtet Seyffardt: "Das Verhältnis von Frucht und Säure ist optimal." Sein Fazit: Durch das Wetter hätten sich die Winzern 2018 bestens ausrichten können, so dass es eine "ganze Palette an Spitzenweinen" geben werde. Das Typische an diesem Jahr werde sein, dass es "keinen typischen Wein gibt".

Sendung: hr-iNFO, 4.10.2018, 15 Uhr