Nicht-Frankfurter müssen künftig deutlich häufiger in Frankfurt ihren Parkschein lösen.

Die Stadt Frankfurt will ein drohendes Diesel-Fahrverbot mit allen Mitteln verhindern. Dafür geht es nun vor allem Pendlern an den Kragen: Sie dürfen ihre Autos bald nicht mehr kostenlos in City-Nähe parken. Auch Tempo 30 wird nun umgesetzt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verkehrsdezernent Oesterling: "Kostenloses Parken wird es nicht mehr geben"

Parkscheinautomat
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Die Römerkoalition hat es sich auf die Fahnen geschrieben, das Autofahren in der Frankfurter Innenstadt vor allem für Pendler möglichst unattraktiv zu machen. Gemeinsam mit der CDU und den Grünen arbeitet Verkehrsdezernat Klaus Oesterling (SPD) derzeit an der Umsetzung.

Das ändert sich im Frankfurter Verkehr

"Kostenloses Parken in der Innenstadt wird es nicht mehr geben", verspricht Oesterling dem hr. Anwohnerparken auf der einen, freies Parken auf der anderen Straßenseite – das sei antiquiert und verleite Pendler dazu, ihren Wagen in Nähe des Arbeitsplatzes abzustellen. Dazu verstopft es die City, wobei doch möglichst viele Autofahrer in Busse und Bahnen gedrängt werden sollen, um die Stickoxid-Bilanz in der Stadt weiter zu drücken.

Die Lösung? Ticketpflicht für Nicht-Anwohner innerhalb des um die Kernstadt verlaufenden Alleenrings. Diese Zone soll sukzessive erweitert werden, laut FAZ (Mittwoch) etwa um die Stadtteile Bockenheim, Bornheim, Dornbusch und Gallus. Ob und wie viele Parkscheinautomaten aufgestellt werden müssen, was das alles kostet und wann es losgeht, ist noch unklar. Bis zum Sommer, so Oesterling, sollen die Pläne stehen. Günstiger, so viel steht fest, wird es für Autofahrer nicht.

Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich wird ausgebaut

Neben dem Stehen soll auch das Fahren in der Innenstadt für Autofahrer ein Stück weit erschwert werden. "Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich" heißt das Zauberwort in diesem Fall. Oder auf Nicht-Beamtendeutsch: Tempo 30. Im Bereich Kaiser-/Friedensstraße gibt es das bereits im Testbetrieb, und das laut Oesterling ziemlich erfolgreich.

Neben der Geschwindigkeitsbegrenzung für Autofahrer gebe es Vorrang für Ladezonen, Außenbestuhlung und natürlich Radfahrer wie Fußgänger. Diese für Frankfurt ungewöhnliche Rangordnung soll dem Dezernenten zufolge "schrittweise auf die Innenstadt ausgedehnt werden". Das wurde von der Stadtverordnetenversammlung so beschlossen, nun liegt die Umsetzung beim Magistrat. Auch hier gilt: Wann es losgeht, ist unklar.

In diesem Bereich soll eine Tempo-30-Zone für Frankfurt entstehen.

Mainufer ein Jahr autofrei

Rund 20.000 Fahrzeuge verkehren täglich im Bereich zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke am nördlichen Mainufer. Diese Zahl soll ab August vorerst auf null begrenzt werden. Die Testphase für das autofreie Mainufer ist vorerst auf ein Jahr ausgelegt, Fortsetzung offen. "Am Ende ist es wohl entscheidend, ob der Verkehr läuft", sagte Oesterling bei der Vorstellung des Projekts. "Wir werden den Versuch mit Zählungen an den Ausweichstrecken begleiten."

Der genannte Abschnitt soll mit Pollern für den Autoverkehr gesperrt werden. Auf rund 1,2 Kilometern gibt es dann eine Menge Platz für Radfahrer, Spaziergänger und Straßencafés. Eine "ruhige Naherholungsnutzung" nennt Oesterling das. Ob das nördliche Mainufer dauerhaft zur Flaniermeile wird, entscheidet dann die Stadtverordnetenversammlung per Abstimmung.

E- und Wasserstoffbusse gegen die Luftverpestung

Im Bestreben, die in erster Instanz vom Verwaltungsgericht Wiesbaden beschlossenen Diesel-Fahrverbote zu umgehen, setzt Frankfurt auf die reinigende Wirkung einer sauberen Busflotte. Die bisherigen Diesel-Schleudern sollen nach und nach durch Fahrzeuge mit Elektro- und Wasserstoffantrieb ersetzt werden.

Auf dem Weg dorthin ist ein langer Atem gefragt. Fünf E-Busse zählt die Stadt bislang. Man sei "bemüht", weitere Modelle zu beschaffen, sagte Oesterling jüngst. Und: "Wenn erstmalig im vierten Quartal durch den Bund Zuschussgewährung ausgelobt wird für die Wasserstoffbusse, werden wir uns daran beteiligen und hoffen, dass wir dabei sind." Der Vorteil im Gegensatz zu den E-Bussen sei, dass die wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge nicht ständig aufgeladen werden müssten.

Stickstoff-Bilanz spricht gegen Fahrverbot

Verkehrsdezernent Oesterling geht davon aus, dass Frankfurt "relativ sicher" ohne ein flächendeckendes Fahrverbot in der Innenstadt auskommen wird. Wenn die Stadt intensiv daran arbeite, könne sie auch streckenbezogene Fahrverbote vermeiden. Neben gesunkener Stickoxid-Werte stimmt ihn vor allem positiv, dass angesichts der anstehenden Berufungsverhandlung zum Dieselfahrverbot mehr Zeit zur Umsetzung der genannten Maßnahmen besteht.