Feuerwehrmann/ Grafik zu Gehaltsunterschieden
Feuerwehrleute werden in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich bezahlt. In Hessen bekommen die Beamten maximal 3.807 Euro. In Bayern sind es über 200 Euro mehr. Bild © picture-alliance/dpa/hr

Ob Feuerwehrmann, Polizist oder Grundschullehrerin: Im Vergleich zu benachbarten Bundesländern verdienen Beamte häufig weniger. Die Unterschiede können mehrere hundert Euro pro Monat ausmachen. Gewerkschaften fordern eine Angleichung.

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zum hr-fernsehen.de Video Tarifverhandlungen – Wie unterschiedlich im Öffentlichen Dienst gezahlt wird

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Für Feuerwehrmann Tobias Thiele aus Wiesbaden ist die Sache klar: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Doch die Realität sieht anders aus. Denn im Öffentlichen Dienst hängt die Gehaltshöhe unter anderem davon ab, in welchem Bundesland man seinen Dienst tut. Thiele hat es schon häufiger erlebt, dass Kollegen nach ihrer Ausbildung Hessen schnell wieder verlassen – weil sie woanders mehr verdienen. "Diese Fluktuation, die wir mittlerweile bei den Berufsfeuerwehren haben, die ist erschreckend", sagt Thiele, der bei der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft organisiert ist.

In Bayern verdienen Feuerwehrleute deutlich mehr als in Hessen

Schaut man auf die Berechnungen, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) anstellt, so hinkt Hessen tatsächlich oft hinterher. Tobias Thiele zum Beispiel wird nach der Besoldungsstufe A10 bezahlt. In dieser Stufe können die Beamten in Hessen laut DGB-Zahlen maximal 3.807 Euro brutto im Monat verdienen. In Thüringen hingegen bekommen sie 18 Euro mehr, in Nordrhein-Westfalen 57 Euro, in Baden-Württemberg 82 Euro und in Bayern liegt das Plus sogar bei 230 Euro. Nur Niedersachen (-43 Euro Euro) und Rheinland-Pfalz (-97 Euro) zahlen als Nachbarländer schlechter. In die Berechnung fließen Strukturzulagen und Sonderzahlungen wie etwa Weihnachtsgeld mit ein, Familienzulagen wurden nicht berücksichtigt.

Tobias Thiele kann die Unterschiede gerade zu den südlichen Nachbarn nicht nachvollziehen. "Die Feuer brennen in Hessen genauso heiß und gefährlich wie in Baden-Württemberg und Bayern. Dementsprechend müsste das Interesse auch da sein, dass alle Kolleginnen und Kollegen gleich bezahlt werden." Doch besonders Bayern sticht im Vergleich heraus. Sogar noch stärker, wenn man die jeweilige Wochenarbeitszeit berücksichtigt. Laut DGB-Zahlen verdient ein A10-Beamter in Hessen dann bis zu 323 Euro brutto im Monat weniger als seine Kollegen in Bayern. In Hessen gilt eine 41-Stunden-Woche, die Bayern müssen eine Stunde weniger arbeiten.

Bund oder Land? Große Unterschiede auch bei der Polizei

Daniel Klimpke arbeitet im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden als Personalrat. Er macht auf den Unterschied zwischen Bundes- und Landesbediensteten bei der Polizei aufmerksam. "Es ist schon ungerecht, dass der Bund so viel besser bezahlt als die Landespolizei." Im Fall eines A10-Beamten könnten die Gehaltsunterschiede zwischen Hessen und dem Bund bis zu 206 Euro brutto im Monat ausmachen. Als Beispiel nennt Klimpke den Frankfurter Flughafen: Dort würden Bundes- und Landespolizisten quasi die gleiche Arbeit erledigen, "nur die einen hinter der Abgrenzung, die anderen davor". Klimpke engagiert sich in der Polizei-Gewerkschaft GdP und fürchtet, dass Hessen im Wettbewerb um die besten Beamten ins Hintertreffen gerät. "So ist ja immer die Frage, wer kriegt das beste Personal, wer bietet am meisten und da sieht es in Hessen aktuell nicht so rosig aus."

Innenministerium sieht Hessen im Mittelfeld

Das hessische Innenministerium bestreitet die Berechnungen des DGB nicht, macht aber auf mehrere Vorteile für die Beamten hierzulande aufmerksam. So würden etwa Polizisten ihre Laufbahn gleich im gehobenen Dienst und nicht wie oftmals im mittleren Dienst beginnen. "Sie erhalten dadurch bereits zum Beginn ihrer Laufbahn eine deutlich höhere Besoldung und sind auch im Hinblick auf ihre Pensionen mit einem deutlich höheren Lebenserwerbseinkommen ausgestattet", schreibt das Ministerium auf hr-Anfrage. Hessen habe darüber hinaus das kostenlose ÖPNV-Ticket ("Landesticket") eingeführt und besitze damit bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal. Im Gehaltsvergleich mit den anderen Bundesländern sieht das Ministerium Hessen "weit überwiegend im guten Mittelfeld".

Andere Länder zahlen Grundschullehrkräften genauso viel wie anderen Lehrern

Katja Groh ist da etwas anderer Meinung: Sie ist seit knapp 14 Jahren Grundschullehrerin in Fuldabrück (Landkreis Kassel) und ärgert sich darüber, dass sie weniger als manch andere Pädagogen verdient. "Das höre ich schon viel in den Kollegien, einen großen Unmut, eine Wut auch, es ist einfach mangelnde Wertschätzung." Ihr geht es dabei um den Unterschied zwischen den Besoldungsstufen A12 und A13. In Hessen werden Lehrkräfte an Grundschulen nach A12 bezahlt, laut DGB-Zahlen verdienen sie in der Endstufe 4.663 Euro brutto pro Monat. Gymnasial- und Förderschullehrer werden hingegen nach A13 bezahlt, bekommen monatlich bis zu 522 Euro mehr. "Das macht auf ein Grundschullehrerinnen-Arbeitsleben etwa ein Einfamilienhaus aus", meint Groh. Dabei sei ihre Arbeit im Vergleich zu Gymnasial- oder Förderschullehrern gleichwertig.

Auch im Fall der Pädagogen scheint Hessen im Gehaltsvergleich zu manch anderem Bundesland hinterher zu hinken. Nach Angaben der Gewerkschaft GEW werden in Brandenburg und Sachsen die Grundschullehrerinnen bereits nach der höheren Besoldungsstufe A13 bezahlt. Die Bundesländer Berlin, Schleswig-Holstein, Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern planen eine Angleichung oder haben diese schon beschlossen. Und was ist mit Hessen? Das Innenministerium in Wiesbaden macht keine großen Hoffnungen. Eine zeitnahe Realisierung, also eine höhere Eingruppierung der Grundschullehrerinnen, sei nicht oder nur zu Lasten anderer Projekte möglich. Immerhin: In dieser Frage suche man das Gespräch mit den Nachbarländern.

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Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst

Derzeit laufen in Hessen die Tarifverhandlungen für die Angestellten im öffentlichen Dienst. Bis Ende März soll es laut Gewerkschaften und Innenministerium zu einer Einigung für die rund 45.000 Beschäftigten kommen. Diese Abschlüsse könnten dann auch Auswirkungen auf die Beamten in Hessen haben.

Hessen trat 2004 aus dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder aus und geht seitdem einen Sonderweg. Das bringt einerseits Vorteile für die Beamten wie etwa einen Kinderzuschlag von 100 Euro pro Kind pro Monat oder seit Januar 2018 ein Jobticket für den gesamten RMV. Andererseits fallen die Grundgehälter oder das Weihnachtsgeld geringer aus.

Wie lange es den hessischen Sonderweg noch geben wird, ist unklar: Im schwarz-grünen Koalitionsvertrag ist ein Prüfauftrag hinterlegt, der eine mögliche Rückkehr in den Tarifvertrag der Länder ebnen könnte.

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