Eine Bäckerin holt ein Brötchen aus dem Regal
Die Brot- und Brötchenpreise werden steigen. Bild © picture-alliance/dpa

Wer Brötchen und Brot beim Bäcker kauft, muss wohl bald mehr zahlen. Als Gründe nennen Bäcker in Hessen Lohnerhöhungen und den heißen Sommer. Nicht alle finden das plausibel.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found In Hessen werden Brötchen teurer

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Brötchen, Brot und andere Teigwaren beim Bäcker werden voraussichtlich im September teurer. Stefan Körber, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Hessen, berichtet, dass die regionalen Mehlpreise um etwa 25 Prozent gestiegen seien. "Das muss auch an die Verbraucher weitergegeben werden."

Um wie viel der Preis steige könne man generell nicht sagen, dass müsse jeder der 490 hessischen Bäckereibetriebe selbst kalkulieren. Man müsse mit einem Preisanstieg von sechs bis acht Prozent rechnen, sagt Wolfgang Schäfer, Geschäftsführer der Bäckerei Schäfer mit Filialen in Rodgau, Obertshausen und Rödermark im Kreis Offenbach.

Ein Brötchen, das bisher 37 Cent kostet, soll bei ihm bald etwa 40 Cent kosten. "Grund dafür sind unter anderem verschieden starke Ernteeinbrüche durch die enorme Hitze diesen Sommer", sagt Schäfer.

Mehlpreise steigen um ein Viertel

Je schlechter die Ernte weltweit sei, desto teurer werde das Getreide, sagt Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Mühlen. Die Börse bestimme die Getreidepreise, die zurzeit bei etwa 205 Euro die Tonne liegen.

"Deutschland ist ein wichtiges Getreideland." Da orientiere sich der Preis gerade auch an Deutschland. Durch die diesjährige Dürre sei weniger Getreide vorhanden - und auch qualitativ schlechteres.

Verkauf der Backwaren im Sommer zurückgegangen

Der Preisanstieg des Mehls wirke sich auf ein einzelnes Brötchen allerdings kaum aus, sagt Müllermeister Thomas Kleinschmid aus Amöneburg (Marburg-Biedenkopf). "Pro 100 Kilo Mehl bedeutet das einen Preisanstieg von etwa fünf Euro", erklärt er. Pro Brötchen bedeute das rein rechnerisch eine Preissteigerung von etwa 0,5 Cent.

Aufs einzelne Brötchen gerechnet sei das zwar vernachlässigbar, sagt Bäckermeister Richard Kling aus Frankfurt. "Wenn ich im Jahr aber für 100.000 Euro Mehl kaufe, fehlen mir im Endeffekt 25.000 Euro im Jahr."

Ein weiteres Problem: Im heißen Juli hätten viele Bäckereien starke Einbußen gemacht. Wegen der Hitze sei der Verkauf von Backwaren um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen, sagt Körber von der hessischen Bäckerinnung.

"50 Prozent der Kosten für Löhne"

Dazu komme noch eine Lohnerhöhung der Bäckerei-Mitarbeiter von etwa 2,2 bis 2,6 Prozent.

"50 Prozent der Kosten in einer Bäckerei sind die Lohnkosten, weil wir viel händisch arbeiten", erklärt Körber. Da sei klar, dass sich das auf die Verbraucherpreise auswirke. Im September würden viele Bäckereien hessenweit ihre Brot- und Brötchenpreise erhöhen, einige hätten sie schon erhöht.

Und wenn es bald nicht regne, sehe es für nächstes Jahr auch nicht besser aus, sagt Haarbeck vom Verband Deutscher Mühlen. "Nach der Ernte ist vor der Ernte", erklärt er. Und wenn auf trockenen Boden gesät werde, sehe die Ernte kommendes Jahr auch schlecht aus.

Bauernverband wundert sich

Beim hessischen Bauernverband stoßen die Sorgen der Bäcker auf wenig Verständnis. "Fakt ist, dass Backweizen und Roggen knapp 20 bis 30 Prozent teurer werden als im vergangenen Jahr. Das rechtfertigt aber nicht, dass die Brötchenpreise steigen", sagte Pressesprecher Bernd Weber. Nach einer Rechnung des Deutschen Bauernverbandes müsste sich der Weizenpreis verdoppeln, um eine Preiserhöhung auch nur von einem Cent je Brötchen zu rechtfertigen.

Bäckereien sind anderer Meinung: "Es ist sagenhaft, dass sich der Bauernverband um die Backwarenpreise kümmert", sagte Körber.