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Jesberg plant größten Solarpark Hessens

Das nordhessische Jesberg plant einen 73 Hektar großen Solarpark - es wäre der größte Hessens. Finanziert werden soll das Vorhaben auch von den Bürgern selbst, die Miteigentümer des Projekts werden können.

Hessen will bis 2045 klimaneutral werden. Emissionsreiche Energiequellen wie Kohle, Gas und Öl sollen nach und nach reduziert werden. Da braucht es klimafreundliche Alternativen.

Und genau hier setzt die Gemeinde Jesberg und die Projektgesellschaft BLG aus Wolfhagen an. Zusammen wollen sie an der Bundesstraße 3 zwischen Jesberg und Bad Zwesten einen 73 Hektar großen Solarpark bauen. Es wäre der größte in Hessen. Bisher gilt der Solarpark in Lauterbach mit einer Fläche von 50 Hektar als "größte im Marktstammdatenregister verzeichnete Freiflächenanlage", wie es im Monitoringbericht zur Energiewende 2021 des Wirtschaftsministeriums heißt. Der Solarpark in Lauterbach deckt den jährlichen Energiebedarf von mehr als 11.000 Haushalten.

Bürgermeister freut sich auf Gewerbeeinnahmen

Der geplante Solarpark in Jesberg könnte rund 22.500 Haushalte mit klimafreundlichem Strom versorgen, also die Gemeinde Jesberg selbst und mindestens drei ihrer Nachbargemeinden. Auch finanziell würde sich das lohnen. "Wir rechnen mit höheren Gewerbesteuern", freut sich Jesbergs Bürgermeister Heiko Manz (SPD).

"Wenn die Energiewende regional stattfindet, bleibt die Wertschöpfung vor Ort. Davon profitiert der ländliche Raum finanziell", erklärt Projektentwickler Christoph Lübcke. Der Geschäftsführer der BLG Projektgesellschaft aus Wolfhagen hat bereits 18 Solarparks in Nordhessen gebaut. Darunter die Parks in Wolfhagen und Niederelsungen.

Doch bis der erste Spatenstich in Jesberg gesetzt werden kann, ist es noch ein längerer Weg. "Die wichtigste Weiche auf dem Weg zum Solarpark ist die Regionalversammlung", sagt Bürgermeister Manz. Bis er das Projekt dem entscheidenden Gremium vorlegen könne, müssten noch zahlreiche Pläne und Gutachten erstellt werden. Er rechne damit, dass sich frühestens im Herbst 2023 entscheide, ob die Regionalversammlung pro oder gegen Solarpark entscheide. Baubeginn und Inbetriebnahme könnten dann bereits im Jahr 2024 sein.

Landwirte unterstützen die Idee

Einige wichtige Hürden haben die Planer in Jesberg aber bereits gemeistert: Das Gemeindeparlament, die Ortsbeiräte und die betroffenen Landwirte sehen das Projekt positiv. "Durch den Krieg in der Ukraine ist die Akzeptanz für solche Projekte in Politik und Bevölkerung gestiegen. Flächen mit schlechten Ertragswerten werden eher für die neue Nutzung bereitgestellt", sagt Projektentwickler Lübcke.

Die geplanten Solarpark-Flächen gelten als sogenannte Vorrangflächen. Sie weisen eine unterdurchschnittliche Ackerwertzahl auf, was aus landwirtschaftlicher Sicht eine schlechte Bodenqualität bedeutet.

Für die betroffenen Landwirte ist jedoch noch ein anderes Argument überzeugend - und das hat mit der Effizienz von Biogasanlage zu tun: "Auf einem Hektar Mais gewinnen wir lediglich 1/40 des Stroms, der auf der gleichen Fläche über Solarmodule produziert wird", erklärt einer der Landwirte, der seine Flächen dem Projekt zur Verfügung stellen will.

Außerdem sollen die Ackerflächen zu einer Wiese umgewandelt werden, auf der heimische Kräuter, Klee und bienenfreundliche Pflanzen angesiedelt werden. "Wir leisten damit also auch einen Beitrag für die regionale Artenvielfalt", sagt Bürgermeister Manz.

Bürger können Investoren werden

Projektentwickler Lübcke rechnet mit einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro. Einen Teil der Kosten übernehme die Projektgesellschaft, sagt er. Der Rest der Summe werde über eine Bürgerenergiegesellschaft getragen. Bürger, Banken und Unternehmer der Gemeinde könnten so Miteigentümer des Solarparks werden - und davon profitieren.

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Im Jahr 2020 stellten Photovoltaikanlagen laut Wirtschaftsministerium in Hessen 21 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energie. Die Photovoltaik lag damit nach Windkraft auf Platz zwei.

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