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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Vorbereitung für Castor-Transport nach Biblis läuft

Castorbehälter  zum Aufbewahren von Brennelementen vor Block B in Biblis

Vieles deutet darauf hin: Der geplante Castor-Transport ins Zwischenlager Biblis steht kurz bevor. Kritiker halten das aktuell für zu riskant, nicht nur wegen der hochradioaktiven Behälter.

Sechs Castorbehälter könnten noch Ende Oktober auf ihre Reise nach Biblis (Bergstraße) gehen. Nachdem der für das Frühjahr geplante Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield wegen der Corona-Pandemie verschoben worden war, liefen die Vorbereitungen Ende September wieder an, informiert die zuständige Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS). GNS-Sprecher Michael Köbl sagte nun dem hr: "Die Behälter werden in diesen Tagen in Sellafield auf Eisenbahnwaggons geladen. Das ist der allerletzte Schritt."

Das Aktionsbündnis Castor-stoppen ist alarmiert und geht von einer Ankunft der Behälter mit hochradioaktivem Abfall in Biblis in der ersten Novemberwoche aus: "Wir haben herausgefunden, dass die Polizei sich bei Biblis schon eine Halle gemietet hat", sagte ein Sprecher. Zudem habe man an mehreren Orten Polizisten gesehen, die sich entlang der Zugstrecke ein Bild der Lage verschafft hätten. Die Aktivisten deuten das als Zeichen, dass sich die Polizei auf die Proteste vorbereitet, die jeden Castor-Transport entlang der Strecke begleiten.

Polizei sprach sich gegen Transport aus

Zuletzt sprachen sich Polizeigewerkschaften und der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) gegen einen Transport während der Corona-Pandemie aus - wegen eines erhöhten Infektionsrisikos für die Einsatzkräfte. Doch ein Sprecher des Bundesumweltministeriums bekräftigte am Freitag, die Bundesregierung halte den Transport nach dem Aufschub im Frühjahr jetzt für erforderlich.

Die Gesellschaft für Nuklear-Service will beim bevorstehenden Transport sechs Castoren mit Atommüll, der sich nicht für eine weitere Wiederaufbereitung eignet, nach Biblis bringen. Jeder Behälter trage in sich 28 sogenannte Glaskokillen, Edelstahlzylinder mit den verglasten radioaktiven Rückständen, informiert GNS-Sprecher Köbl.

Die Strahlung außerhalb der Castorbehälter betrage ein Viertel des vorgegebenen Grenzwerts. Für Bevölkerung, Umwelt, Begleitpersonal und Polizisten an der Strecke bestehe keine Gesundheitsgefahr, versichert Köbl.

Umweltschützer halten Zwischenlager für unsicher

Atomkraftgegner wie Herbert Würth vom Bündnis Castor-stoppen sehen in dem Transport ein hohes Risiko. "Man muss sich vorstellen, dass sich in jedem Castor so viel radioaktives Material wie in mehreren Atombomben befindet. Bei einem Unfall kann es sehr schnell zur Verstrahlung der Umgebung kommen", warnt Würth. Zudem sei der Transport unnötig. Schließlich müssten die Castoren von Biblis dereinst in ein noch zu bauendes Endlager transportiert werden. Ein Weg zu viel aus Sicht des Atomkraftgegners.

Zumal das Zwischenlager im Südhessischen nicht ausreichend sicher sei, betont Werner Neumann, der als Physiker für den Umweltschutzverein BUND arbeitet. Sollte einer der Behälterdeckel undicht werden, während er in Biblis lagert, gebe es dort keine Möglichkeit für Reparaturen. "Die Einlagerung der Behälter in Biblis ist wie eine Sackgasse, aus der man nicht mehr herauskommt", sagt Neumann.

Politisch und rechtlich steht der Weg frei

Der BUND-Vertreter wirft der Bundesregierung und den Biblis-Betreibern RWE Power vor, seit vielen Jahren die Mängel des Zwischenlagers zu kennen und sie dennoch nicht behoben zu haben: "Deshalb ist es im Augenblick auch nicht gerechtfertigt zu sagen: Das öffentliche Interesse gebietet eine schnelle Einlagerung. Wir sagen: Das öffentliche Interesse ist die Sicherheit, und die ist nicht gegeben."

Das war einer der Gründe, warum der BUND gegen die Einlagerung geklagt hatte. Der Verwaltungsgerichtshof Kassel folgte der Argumentation der Umweltschützer nicht und lehnte in der vorigen Woche einen Eilantrag gegen den geplanten Transport ab. Diesem steht nun nichts mehr im Wege.

Zehn Stunden von der Küste bis Biblis

Wann genau und auf welcher Strecke die Castoren nach Biblis rollen werden, behält die Transportgesellschaft GNS für sich. Sprecher Köbl sagt nur so viel: Die sechs Behälter gelangen aus Sellafield auf Schienen zu einem englischen Hafen, werden nach Norddeutschland verschifft und fahren wieder per Zug weiter an die Bergstraße.

Alles in allem geht Köbl von einer Transportzeit von etwa einer Woche aus. Das Bündnis Castor-stoppen schätzt, dass der Zug für die letzte Etappe von Norddeutschland nach Biblis etwa zehn Stunden braucht.

Mahnwache und Infostände geplant

In Erwartung des Transports bereiten Atomkraftgegner derzeit Proteste in Südhessen vor. Das Aktionsbündnis plant unter anderem eine Mahnwache am Bahnhof in Biblis, Infostände und Demonstrationen, sobald der Zug in Norddeutschland losrollt.

Unklar sei noch, wie viele Aktivisten sich den Protesten anschließen könnten, sagt Organisator Herbert Würth: "Natürlich verhalten wir uns verantwortlich mit Maske. Aber viele haben Bedenken, zu einer großen Veranstaltung mit vielen Menschen zu kommen." Zudem seien viele Aktivisten derzeit im Dannenröder Forst unterwegs.

Sendung: hr-iNFO, 26.10.2020, 14.15 Uhr