Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Bild © picture-alliance/dpa

Er ist der jüngste Chef, den die Deutsche Bank je hatte. Sympathisch und dynamisch wirkt Christian Sewing, fast wie der nette Schwiegersohn von nebenan. Doch das erste Jahr an der Spitze des Frankfurter Geldhauses war für ihn nicht einfach.

Audiobeitrag
Deutsche Bank

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Deutsche-Bank-Chef Sewing ein Jahr im Amt

Ende des Audiobeitrags

Überraschend wird Christian Sewing am 8. April 2018 "mit sofortiger Wirkung" an die Spitze der Deutschen Bank katapultiert. Aufsichtsratschef Paul Achleitner bescheinigt dem mittlerweile 48-Jährigen: Er besitze die dafür nötige Führungsstärke und Durchsetzungskraft. Eigenschaften, die der Oberkontrolleur wohl bei Sewings Vorgänger John Cryan vermisst hat.

Sewing ist ein Urgestein der Bank, er hat sein Berufsleben lang fast durchgängig hier gearbeitet. Dabei will der gebürtige Ostwestfale ursprünglich Sportjournalist werden, als Fußballfan und leidenschaftlicher Tennisspieler. Doch auf Rat seines Vaters macht er 1989 erst eine Lehre zum Bankkaufmann und bleibt.

Viel Kritik für Ruf nach "Jägermentalität"

Kollegen beschreiben den Bankenchef als unkomplizierten Macher, der stets nach vorne blickt. Gleich einen Tag nach seiner Ernennung appelliert er an die Mitarbeiter, sie müssten sich in allen Geschäftsbereichen steigern. Mit seinem Ruf nach einer neuen "Jägermentalität" vergreift er sich für viele aber im Ton.

Der Topmanager soll sein Haus in eine neue Ära führen und setzt einige unpopuläre Entscheidungen durch: Aus dem schwächelnden globalen Investmentbanking zieht sich die Bank zurück und konzentriert sich stärker auf das Geschäft in Europa. Dass die Stimmung dadurch intern angespannt ist, nimmt Sewing in Kauf.

Radikale Entscheidungen überzeugen nicht

Den Stellenabbau treibt der Bankenchef rigoros voran. Auf der Hauptversammlung im vergangenen Mai sagt er, bis Ende dieses Jahres soll die Zahl der Vollzeitstellen "deutlich unter 90.000" fallen. Zuletzt sind es rund 91.700. Auf diese Weise will der Banker die Kosten radikal senken.

Es gelingt Sewing, dass er nach drei Verlustjahren bei der Bilanzpressekonferenz diesen Februar wieder den ersten Gewinn verkünden kann - 341 Millionen Euro. Trotzdem zeigt man sich an der Börse nicht überzeugt, im Gegenteil: Der Aktienkurs der Deutschen Bank bricht unter Sewings Führung um ein Drittel ein. Denn wie das Kreditinstitut nachhaltig profitabel werden kann, diese Frage lässt der Bankenchef unbeantwortet.

Letzte Rettung – Bankenfusion?

Schließlich holen die Schatten der Vergangenheit das Geldhaus ein: Letzten November gibt es dort eine Razzia wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Dabei werden auch alle Vorstandsbüros durchsucht. Danach beteuert Sewing in einem Interview, es werde gegen keinen Vorstand ermittelt. Das Ganze habe lediglich der Beweisaufnahme gedient.

Razzia bei der Deutsche Bank
Ermittler durchsuchten die Deutsche Bank. Bild © Michael Seeboth (hr)

Angesichts all dieser Entwicklungen zeigt man sich mittlerweile sogar in Berlin besorgt. Schon im vergangenen Sommer formuliert Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) die Schwäche der deutschen Banken und seinen Wunsch nach einem nationalen Champion. Das heizt die Gerüchte an, die gebeutelte Deutsche Bank könnte sich dafür mit der Commerzbank zusammentun.

Sewing verliert an Glaubwürdigkeit

Gerüchte, die der Chef der Deutschen Bank zunächst abtut. Noch im vergangenen September sagt er, die Bank werde erst einmal ihre Hausaufgaben machen und in den nächsten Monaten profitabler werden.

Vor rund drei Wochen geben beide Geldhäuser dann doch bekannt, man wolle über eine Fusion beraten. In einer Mitteilung betont Christian Sewing, man werde ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen verfolgen. Dieser Zick-Zack-Kurs macht die Spitzenkraft in den Augen von Finanzfachleuten weniger glaubwürdig.

Der Druck auf den Bankenchef steigt

So wird der Macher Sewing allmählich zum Getriebenen: Eine Person aus seinem näheren Umfeld erzählt, er stehe immer mehr unter Druck und der käme natürlich auch aus der politischen Ecke. Als weitere treibende Kraft gilt Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Er verkündete kürzlich, dass sich die Deutsche Bank Ende des Monats zum Stand des angedachten Zusammenschlusses mit der Commerzbank äußern wird.

So wird es für Christian Sewing immer schwieriger, das Heft in der Hand zu behalten. Über seinen Job sagt er bei einer Veranstaltung in Frankfurt, der mache ihm großen Spaß, er sei aber auch anstrengend. Dabei hat der Fusionsstress - sollte er wirklich kommen - noch gar nicht angefangen.